1. Juli: „Auf die Bekanntmachung der Niedersächsischen Kraftwerke betreffend die Inbetriebsetzung der 60 000 Volt-Drehstromleitung Nordhorn-Rühle machen wir hierdurch besonders aufmerksam.“ (LV u. LW)
6. Juli: „In dem am Sonnabend abgehaltenen Versteigerungstermin wurde die Wilhelmshöhe von der Stadt zum Preise von 62.000 Mk. angekauft. Der ganze Komplex mit den darauf stehenden Gebäuden ist ca. 45.000 Quadratmeter groß. In den Kaufpreis mit einbegriffen ist auch die 1925 neu erbaute Restauration mit Autogaragen, Stallungen usw. an der Meppenerstraße Nr. 21a.“ (LV u. LW)
6. Juli: „[…]. Die jetzt zu Ende gegangenen Grasverkäufe im Emsgebiet haben ein sehr schlechtes Ergebnis gebracht. Während zu Anfang der Verkäufe die Preise denen des Vorjahres fast gleichkamen, wurde gegen Schluß kaum die Hälfte des 1925 gezahlten Grasgeldes, in vielen Fällen nur ⅓ davon erzielt. Die Ursache hierzu liegt vor allem in dem glänzenden Ausfall der diesjährigen Grasernte und hauptsächlich in dem großen Geldmangel, der es vielen kleinen Leuten unmöglich macht, die Grasverkäufe zu besuchen.“ (LV)
6. Juli: „Für die Telegraphenarbeiter der Deutschen Reichspost, die mit der Herstellung und Unterhaltung der Telegraphen-, Fernsprech- und Funkanlagen beschäftigt werden, ist eine neue Dienstmütze eingeführt worden. Sie ähnelt der Seglermütze (Kieler Form) und ist aus dunkelblauem Stoff mit Besatzstreifen und Vorstößen in gleicher Farbe hergestellt. An dem vorderen Seitenteil sind über dem lackledernen Mützenschirm und dem Sturmriemen die Reichskokarde, der Reichsadler mit Funkenblitzen und die Landeskokarde angebracht. Außer diesem äußerlichen Abzeichen sind die Telegraphenarbeiter nach wie vor auch mit amtlich gestempelten und unterschriebenen Ausweiskarten mit Lichtbild versehen, die sie beim Betreten eines Grundstücks oder einer Wohnung unaufgefordert vorzuzeigen haben.“ (LV u. LW)
8. Juli: „Auf Bahnsteigen nicht musizieren! Immer wieder kann man beobachten, daß Ausflugsgesellschaften, Wandervereine usw. auf den Bahnsteigen vor Abfahrt des Zuges musizieren, nicht als ob sie hier in einer Bahnhofshalle wären, sondern mitten im Grünen unter freiem Himmel. Durch diesen Lärm kann der Eisenbahnbetrieb leicht störend beeinflußt werden. Wichtige Signale können überhört und das reisende Publikum selbst kann durch Ablenkung der Aufmerksamkeit gefährdet werden. Die Reichsbahnverwaltung bittet daher die Gesellschaften und Vereine dringend, auf den Bahnsteigen nicht zu musizieren. Es wird darauf hingewiesen, daß Verursachung starken Lärms nach den Bestimmungen der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung verboten und strafbar ist.“ (LV)
10. Juli: „Zum gestrigen Viehmarkt waren angetrieben: 278 Pferde, 105 Rinder und 625 Schweine. Pferde kosteten 1. Sorte 500-750 Mk., 2. Sorte 300-500 Mk., 3. Sorte 100-300 4. Sorte bis 100 Mk. Ein- bis zweijährige Fohlen kosteten 200 bis 500 Mk., Saugfohlen bis 200 Mk. Milchkühe kosteten 210 bis 325 Mk., tragende Kühe 225-400 Mk., tragende Färsen 200-375 Mk., Jungrinder bis 200 Mk. Ferkel kosteten bis 6 Wochen alt 20 Mk., 6-8 Wochen alte 21-28 Mk., 8-13 Wochen alte 29-50 Mk. Handel im allgemeinen sehr langsam. Überstand bei allen Gattungen.“ (LV u. LW)
13. Juli: „Bischof Dr. Berning von Osnabrück und die Herren seiner Begleitung sind mit dem Dampfer „Columbus“ von New York abgefahren und treffen voraussichtlich am 14. Juli in Bremerhaven resp. Bremen wieder ein.“ (LV)
13. Juli: „Mit dem 1. Juli hat die Jagd auf Enten begonnen. Die Enten haben sich in diesem Jahre gut entwickelt und die Jagd auf Wasserwild ist für den passionierten Wasserjäger ein weidmännischer Genuß. Leider werden viel zu oft Wildenten geschossen, die noch nicht flugreif sind, und das ist unweidmännisch. Der echte Weidmann schießt nur auf Wildenten, wenn sie fliegen und somit ausgewachsen sind. Da immer die Bruten sehr verschieden in der Zeit ausfallen, so treffen wir jetzt in dem Gelände ebenfalls noch Enten an, die nicht schußreif sind. Unverantwortlich ist es, wenn der Jäger von einer solchen Kette die Alte abschießt. In der Regel kommt dann die ganze Brut um. […].“ (LV)
20. Juli: „Plenarversammlung der städtischen Kollegien […]. Instandsetzung der Wilhelmshöhe. Hierfür waren in der letzten Sitzung 10.000 Mk. ausgesetzt und eine Kommission gewählt und beauftragt, die notwendigsten Arbeiten den Kollegien vorzuschlagen. Die Kommission hat verschiedentlich eingehend die Wilhelmshöhe besichtigt und ist zur Überzeugung gekommen, daß mindestens 7.500 Mk. sofort angelegt werden müssen. […]. Die von der Kommission hierfür geforderten 7.500 Mk. wurden bewilligt. […].“ (LV u. LW)
20. Juli: „Plantlünne. Unsere Orgelbühne in der Kirche erhielt durch einen Vorbau eine wesentliche Vergrößerung. Die Arbeiten wurden von hiesigen Handwerkern nach dem Plane des Architekten Hans Lühn in Lingen sauber ausgeführt. […].“ (LV)
22. Juli: „Badezeit. Ein kühles Bad wird jetzt wieder zu einer ganz besonderen Wohltat für den Menschen. Doch damit mehren sich auch wieder die Fälle, die von dem Tode Ertrunkener handeln. […]. Hier einige Verhaltensmaßregeln gegenüber Ertrunkenen. […]. Fürs erste ist der Mund des Ertrunkenen zu öffnen und (wie dessen Nase) von Schlamm und Schmutz zu säubern, […]. Dann wird der Verunglückte auf den Bauch gelegt und zwar in der Weise, daß Kopf und Brust tiefer zu liegen kommen als die Beine. […]. Unterdessen hat schleunigst jemand etwas Schnupftabak herbeizuholen. Der Ertrunkene wird nun flach auf den Rücken gelegt, den Kopf etwas erhöht. Eine Prise Schnupftabak wird ihm in die Nase geblasen, der Schlund wird ihm mit einer Feder gekitzelt. Brust und Gesicht gerieben und bespritzt. Man lasse ihn an Salmiakgeist oder Essigäther riechen. Bleiben diese Hilfsmittel wirkungslos, so macht sich die künstliche Atmung notwendig, […]: bis zwei Stunden lang, wenn der Ertrunkene nicht früher atmen sollte. Die Zunge ist dabei dem Betreffenden herauszuziehen und sein Mund geöffnet zu halten.“ (LV)
31. Juli: „Protest gegen die Torfeinfuhr von Holland. Die Lage der Moorkolonisten und unserer Binnenschiffer ist noch immer eine höchst traurige und daran können selbst die paar Schiffe mit Torf, welche in den letzten Tagen emsabwärts gingen, nichts ändern. Die anhaltende nasse Witterung macht eine Verwertung des Torfes zur Zeit unmöglich, dazu kommt, daß die Kauflust durch den Geldmangel empfindlich beeinträchtigt wird. Was aber die Lage unserer Kolonisten und Schiffer noch besonders erschwert ist die Tatsache, daß von Holland aus versucht wird, Torf in großen Mengen auf dem Wasserweg nach Ostfriesland, dem Hauptabsatzgebiet für Papenburger und Börgermoorer Torf einzuführen. […]. Da die holländische Konkurrenz den Binnenschiffern die letzte noch verbliebene Verdienstmöglichkeit raubt, haben dieselben in einer gestern stattgefundenen Versammlung beschlossen, bei den zuständigen staatlichen Stellen gegen die Torfeinfuhr aus Holland zu protestieren. […].“ (LV)
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems), www.lingen.de/stadtarchiv