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Zeitungschronik - Februar 1926

6. Feb.: „Vom Kreisverband Ems-Vechte, Sitz Meppen, wird uns geschrieben: In der heutigen Zeit der Absatzstockung wird von auswärtigen Firmen versucht, mit allen Mitteln den Absatz zu fördern. Von meist völlig unbekannten Firmen werden Gewerbe-treibenden, Beamten usw. Waren jeglicher Art zugesandt. Es versteht sich von selbst, daß die Waren infolge der riesigen Versandtspesen und Verluste nicht billiger, fast regelmäßig sogar teurer verkauft werden, wie dieselben in heimischen Geschäften zu haben sind. Abgesehen davon, daß die Empfänger solcher unbestellter Sendungen vielleicht für die Waren gar keine Verwendung haben, wird ihnen von Seiten der Absender noch mit gerichtlichen Klagen gedroht, obschon eine rechtliche Verpflichtung zur Zahlung nicht besteht. (…).“ (LV)

11. Feb.: „Im Hotel Heeger fand Dienstag abend eine vom Magistrat einberufene Versammlung zwecks Besprechung über die vom Ministerium des Innern für das ganze Reich festgesetzte “Gesundheitswoche“ statt. Es wurde beschlossen, diese Reichsgesundheitswoche in Lingen in den Tagen vom 6.-12. Juni abzuhalten und zwar durch ärztliche Vorträge, Uebungen der Freiwill. Sanitätskolonne zur Belehrung über erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen, Schulvorträge, eine Ausstellung über Säuglingspflege, Geschlechtskrankheiten etc. Es wurde ein Arbeitsausschuß gewählt, bestehend aus den Herren Kreismedizinalrat Dr. Sieber, Professor Fueß, Obersekretär Rünger, Vikar van Held, Kreisausschußsekretär Lommerzheim, Börner, Mecklenborg, Frau Hr. Goosmann und Schulvorsteherin Frl. Ehlert. Dieser Ausschuß soll das nähere Programm ausarbeiten und die vorbereitenden Anordnungen treffen.“ (LV)

20. Feb.: „(Radfahrer!) Zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten wird darauf hingewiesen, daß deutsche Radfahrer, die sich nach Holland begeben wollen, sich auf dem holländischen Zollamte eine Bescheinigung für ihr Fahrrad ausfertigen lassen müssen, andernfalls sie Gefahr laufen, wegen Nichtbeachtung der holländischen Steuervorschriften in eine Geldstrafe von 2 bis 3 Gulden genommen zu werden.“ (LV)

20. Feb.: „Zeppelin-Eckener-Spende. Am 9. Februar wurde in einer Versammlung bei Heeger auf Veranlassung der Regierung ein Komitee zur Durchführung der Zeppelin-Eckener-Spende gebildet. Diesem gehören Vertreter aller Bevölkerungsschichten an. In der Gründungsversammlung wählte man einen engeren Arbeitsausschuß, welcher alle weiteren Vorbereitungsarbeiten erledigt. In der Tagung des Arbeitsausschusses gestern abend wurden folgende Richtlinien festgelegt: Sammlungen zu Gunsten der Zeppelin-Eckener-Spende sollen nur durch das Komitee organisiert und durchgeführt werden. Wenn und wo deshalb bereits Beträge gesammelt worden sind, so sind diese an die Kämmereikasse (…) abzuliefern. Auch bereits an andere Stellen abgelieferte Sammelergebnisse wollen der Kämmereikasse gemeldet werden. Diese Maßnahmen sind nötig, um ein vollständiges Bild von dem örtlichen Aufkommen zu erhalten. Alle Innungen, Vereinigungen, Beamten- und sonstigen Verbände werden deshalb gebeten, nur noch im Einvernehmen mit dem Arbeitsausschuß beim Magistrat für die Zeppelin-Eckener-Spende Sammelarbeit zu betreiben. Die Durchführung der Sammelwoche selbst ist so gedacht: Voraussichtlich in der ersten Hälfte der Woche vom 7. bis 14. März hält ein Redner, welcher an der Amerikafahrt des ZRIII teilgenommen hat, hier einen Vortrag. In den folgenden Tagen geht die Haussammlung vor sich. Die Sammler stellen die Sportvereine. In die Sammellisten wolle sich jeder eintragen, wer mehr als 1,- Mk spendet. Als Gegenleistung für die Gaben werden Abzeichen für 1,- Mk. und für 20 Pfg., Einzelpostkarten für 10 Pfg. und Postkartenserien für 1,- Mark ausgegeben. Zum Schlusse der Sammelwoche wird am Sonntag, den 14. März noch eine Straßensammlung durch Damen der Sportvereine abgehalten.“ (LV u. LW)

23. Feb.: „Plenarversammlung der städtischen Kollegien (…). 1. Beschlußfassung über die Wiederbesetzung einer Lehrerinnenstelle an der städt. höheren Mädchenschule. Es soll versucht werden, die durch den Tod von Frl. Lehrerin Niehaus frei gewordenen Stelle mit einer akademischen Lehrkraft unter Anstellungsbedingungen wie für Mittelschulen (Gruppe 8) zu besetzen, da die Mittel für die Besoldung nach der Besoldungsordnung (Gruppe 10) mit Rücksicht auf die finanzielle Notlage der Stadt nicht aufgebracht werden können.“ (LV u. LW)

23. Feb.: „Plenarversammlung der städtischen Kollegien (…). Beschlußfassung über Maßnahmen gegen Hochwassergefahr bei den städtischen Badeanstalten. Beim letzten Hochwasser mußte der Wärter Kluckert bei der Männerbadeanstalt wiederum ausziehen, wodurch ihm, der bereits das vierte Mal wegen Hochwasser flüchten mußte, wiederum beträchtlicher Schaden entstand, welcher ihm nach Vereinbarung mit dem Magistrat ersetzt werden soll. Der Magistrat hat an Ort und Stelle eine eingehende Besichtigung vorgenommen, um festzustellen, ob durch bauliche Veränderungen die Gefahr künftig abzuwenden sei. Es hat sich aber herausgestellt, daß die Umbaukosten derartig hoch werden, daß sie nicht rentabel und zweckmäßig sind. Es ist daher in Aussicht genommen, für die Badewärter an höher gelegener Stelle ein neues Haus zu erbauen. Zu diesem Zwecke wird in den Etat drei Jahre lang eine Summe von je 3000 Mark als Rücklage für den Neubau eingesetzt. Beim Wärterhaus der Frauenbadeanstalt, welches höher liegt, wurden die größten Mängel durch Höherlegen der Fußböden abgestellt.“ (LV u. LW)

23. Feb.: „„Plenarversammlung der städtischen Kollegien (…). Beschlußfassung über Abhaltung eines Flugtages im Frühjahr 1926 in Lingen. Papenburg und Schüttdorf haben bereits im vorigen Jahre je einen solchen Flugtag veranstaltet. Schüttdorf hat sogar einen Ueberschuß von 1000 Mark gehabt. Es wurde beschlossen, (…), möglichst zum 2. Mai stadtseitig einen Flugtag auf der Kuhweide zu veranstalten. Das Terrain daselbst ist nach Aussage des Leiters des Osnabrücker Verkehrsamts Dr. Hugle dazu geeignet. Es brauchen nur einige kleine Unebenheiten begradigt werden. Zur Erledigung der Vorarbeiten für den Flugtag wurde eine Kommission gewählt, bestehend aus den B. V. Appelhans, Hackmann, Flohr, Kfm. Günther und Kfm. Braus. Den Vorsitz führt Bürgermeister Gilles.“ (LV u. LW)

23. Feb.: „„Plenarversammlung der städtischen Kollegien (…). Beschlußfassung über eine finanzielle Beteiligung an der Luftverkehr-Aktiengesellschaft Niedersachsen. Da der Kreis sich bereits mit 500 Mark an dieser Gesellschaft beteiligt hat, so beschlossen die Kollegien, sich stadtseitig vorerst auch mit einer Aktie von 500 Mark zu beteiligen. Falls aus dem demnächst hier zu veranstaltenden Flugtag eine gute Einnahme erzielt wird, soll aus dieser Einnahme noch eine weitere Aktie zu 500 Mark übernommen werden. Die ersten 500 Mark sollen gleichfalls aus dem Erträgnis des zu veranstaltenden Flugtages entnommen werden.“ (LV u. LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.lingen.de/stadtarchiv 



Artikeldatum: 5. Februar 2026
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