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Ministerin Honé besucht emsländische Wasserstoffakteure

Im Rahmen ihrer „Wasserstoffreise“ besuchte die niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, Birgit Honé, am vergangenen Mittwoch die H2-Region Emsland. Sie nutzte die Gelegenheit, um sich ausführlich bei den Projekten und Akteuren in der Region über den aktuellen Stand und die zentralen Herausforderungen zu informieren. Neben einer Gesprächsrunde standen auch Besuche bei der bp Raffinerie in Lingen und dem Gaskraftwerk der RWE auf dem Plan.

Ministerin Honé zeigte sich begeistert von den vielseitigen und innovativen Projektansätzen in der Region und über die besondere Mentalität, die das Emsland prägt: "Das Emsland ist eine Vorreiterregion im Bereich der industriellen Wasserstoffwirtschaft. Diese Region zeichnet aus, dass Sie hier optimistisch in die Zukunft blicken und ihre Chancen ergreifen. Die zahlreichen Wasserstoffprojekte zeigen, dass Ihre Kompetenzen auch die Umsetzung in großem industriellen Maßstab möglich machen. Damit zeigen Sie eindrucksvoll, dass Sie Ihre Region mit Innovationen zukunftssicher aufstellen!“

Bernhard Niemeyer-Pilgrim, Vorstandsmitglied der BP Europe SE, begrüßte Birgit Honé am frühen Nachmittag auf dem Gelände von bp in Lingen und stellte die zentrale Rolle von grünem Wasserstoff für die Zukunftsausrichtung der Raffinerie vor. Schon 2018 nutzte bp in Lingen in einem Pilotprojekt regenerativen grünen Wasserstoff in der Kraftstoffproduktion, aktuell wird gemeinsam mit weiteren Partnern das Projekt GET H2 Nukleus vorangetrieben. Niemeyer-Pilgrim ergriff die Gelegenheit, um die Erwartungen des Unternehmens an die Politik zu artikulieren: „Ohne klare gesetzliche Regelungen werden Investitionsentscheidungen für grünen Wasserstoff nicht getroffen werden können – zumindest nicht in Deutschland. Essenziell dabei ist die Umsetzung der Erneuerbare Energien Richtlinie (genannt RED II) in deutsches Recht.“

Lokale und industrielle Ansätze zeichnen die H2-Region Emsland aus

Im Anschluss an die Besichtigung des Betriebsgeländes fand eine Gesprächsrunde mit Vertretern aus Unternehmen und Industrie im Lingener IT-Zentrum statt. Neben der Vorstellung der verschiedenen Projektansätze in der Region ging es vor allem um das Zusammenwirken der Projekte zu einer regionalen Wasserstoffwirtschaft. „Wir vereinen in unserer Region sowohl industrielle Ansätze und Großprojekte wie Hybridge, den Get-H2 Nukleus oder das Reallabor der H&R Salzbergen, als auch lokale Ansätze und Pionierarbeiten, wie beispielsweise die Audi E-Gas Anlage, das Projekt der CEC Haren und die Ansätze der ROSEN Group“ erklärt der Landrat des Emslandes, Marc-André Burgdorf. Gerade diese Vielfalt mache die H2-Region Emsland aus, betonte auch der Lingener Oberbürgermeister Dieter Krone: „Wasserstoff ist nicht nur ein Thema für die große Industrie, sondern ebenso für unseren regionalen Mittelstand. Das Zusammenspiel aus zentralen und dezentralen Ansätzen macht das Emsland als Wasserstoffregion so erfolgreich.“

Die dritte Station ihres Besuches führte Ministerin Honé ins Gaskraftwerk Emsland. Dort informierte Kraftwerksleiter Hartmut Frank sie über Pläne der RWE zur Errichtung großer Elektrolyse-Anlagen, mit denen Wasserstoff aus erneuerbarem Strom erzeugt werden kann. Die Anlagen mit einer Leistung von mehr als 300 Megawatt sollen an bestehende Gasnetze und -speicher sowie an die Gasturbinen im Kraftwerk angebunden werden. So kann in Lingen die Möglichkeit geschaffen werden, grünen Wasserstoff zu erzeugen, zu speichern, ihn externen Abnehmern bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen oder wieder zu verstromen. Als Bestandteil des Projekts GET H2 Nukleus soll das Gaskraftwerk Emsland über das erste öffentlich zugängliche Wasserstoffnetz ab 2023 Industrieunternehmen in Niedersachsen und NRW mit grünem Wasserstoff versorgen.

Bauarbeiten von Elektrolyseur könnten bereits 2021 beginnen

Frank betonte: „Die Voraussetzungen für ein Wasserstoff-Cluster in Lingen sind ausgezeichnet: Wir haben hier direkten Zugang zu Windstrom, die erforderliche Gas-Infrastruktur und potenzielle Abnehmer – für unseren grünen Wasserstoff und sogar für die Abwärme unserer Elektrolyseure. Die Genehmigungsplanungen für eine erste 100-MW-Anlage laufen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Politik die in der nationalen Wasserstoffstrategie entwickelten Maßnahmen zügig umsetzt. Wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen stimmen, könnten die Bauarbeiten dafür bereits in 2021 beginnen.“ Die nächste mögliche Ausbaustufe könnte danach direkt neben dem Kraftwerksgelände Form annehmen: RWE, die Stadt Lingen und der Landkreis Emsland entwickeln dort einen Wasserstoffpark Lingen – mit bis zu 2 Gigawatt Elektrolyseleistung.

Der Ansprechpartner der H2-Region Emsland, Dr. Tim Husmann, zieht am Ende des Tages ein positives Fazit: „Ministerin Honé war sehr interessiert an den Planungen unserer Projekte und insbesondere auch an den praktischen Herausforderungen, mit denen die Unternehmen als Vorreiter der  Wasserstofftechnologie zu kämpfen haben. Durch die verschiedenen Ansätze in der H2-Region Emsland wurde nochmal praktisch verdeutlicht, dass die Umsetzung der Wasserstoffstrategie auf regionaler Ebene erfolgen muss.  Daher freuen wir uns sehr auf die weitere, vielversprechende Zusammenarbeit mit Ministerin Honé.“



Fotos v.o.n.u.: H2-Region Emsland