2. Okt.: „Der Zirkus Charles ist hier in Lingen eingetroffen und hat seine Zelte am Steigerturm aufgebaut. Wie wir aus vorgelegten Zeitungsnotizen ersehen, verfügt der Zirkus über gutes Künstlerpersonal, sowie über gute Pferde und exotische Tiere. Die Eröffnungsvorstellung findet am Sonntag statt.“ (LV u. LW)
7. Okt.: „Ein Mann, der sich Josef Ullmann aus Düsseldorf nannte, stieg in einem Hotel in Lingen ab und führte in einem Lastauto Perserteppiche mit sich. Telephonisch rief er gutsituierte Leute an und bot ihnen Perserteppiche an, von denen er eine Anzahl verkaufte. Da er angab, wegen Geldmangels billig verkaufen zu müssen, war der Umsatz gut. Es stellte sich aber heraus, daß es Schundware war. In einem Falle betrog er einen Arzt um 2500 RM, von dem er noch einen Wechsel über 1500 RM im Besitz hat. Ullmann spricht galizischen Dialekt. Da vermutet wird, daß der Gauner auch anderswo sein unsauberes Handwerk versucht, wird vor ihm gewarnt.“ (LV)
9. Okt.: „In den staatlichen Forsten des ‚Biener Sandes‘ entdeckte vergangene Woche der Revierförster, etwa 100 Meter seitwärts der Landstraße, eine nach der Art der militärischen Unterstände ausgebaute Höhle, die sehr geschickt in einer Schneise angelegt und äußerlich nur schwer zu erkennen war. Die vom Förster verständigte Polizeibehörde fand darin zu ihrer Überraschung nicht nur eine vollständige Kücheneinrichtung, sondern auch Möbel, sogar Teppiche vor. […] Tagelang blieben ihre sorgfältigen Beobachtungen erfolglos, weil die Höhle von den Bewohnern tagsüber nur unter besonderen Vorsichtsmaßregeln in Benutzung genommen, abends aber verlassen wurde. Um endlich Klarheit zu schaffen, umstellten am vorigen Sonntag früh acht Landjäger unter Führung des Landjägermeisters Wienke aus Lingen die Waldparzelle. Gegen 10 ½ Uhr vormittags näherten sich zwei jüngere Männer dem Unterstande. Obwohl mit dolchartigen Messern und geladenen Pistolen bewaffnet, erwiesen sie sich zur nicht geringen Überraschung der Beamten nicht als Diebe und Wegelagerer, sondern als harmlose Erwerbslose aus Geeste. […] Die beiden ertappten Höhlenbewohner wurden nach Feststellung der Personalien auf freien Fuß gesetzt.“ (LV)
12. Okt.: „Sonnabend abend gegen halb acht Uhr ertönte die Brandglocke. Im ersten Stock des den Gebrüder Hellmann gehörenden (früher Rogge’schen) Hauses an der Burgstraße war zwischen Fußboden und Decke Feuer ausgebrochen. Als Brandursache wird Undichtwerden des Schornsteins angenommen. Der Feuerwehr gelang es alsbald den Brandherd durch Aufreißen des Bodenbelags zu lokalisieren und ein Umsichgreifen des Feuers zu verhindern. Es wurden nur zwei Zimmer beschädigt. Der erst kürzlich geschmackvoll restaurierte schöne Fachwerkgiebel wurde nicht beschädigt.“ (LV u. LW)
12. Okt.: „Wegen Brückenneubau wird der Diekweg von Brockhausen nach Brögbern in der Zeit vom 11.-16. Oktober d. J. für den gesamten Verkehr gesperrt. […].“ (LW)
16. Okt.: „Am Sonntag, den 17. d. Mts. halbzwei Uhr nachm. veranstalten die beiden Reitervereine Lengerich und der Reiterverein Bawinkel auf der Rennbahn in Lingen ein Turnier. Das Programm ist sehr abwechslungsreich. Es finden Abteilungsreiten, Springen, Flachrennen, Trabrennen und Reiterspiele statt. […].“ (LV u. LW)
19. Okt.: „In letzter Zeit sind mehrfach in kleineren Tageszeitungen Artikel über eine unfreundliche Behandlung von Deutschen in Holland erschienen. Bei einer Nachprüfung der in den Zeitungen erwähnten Einzelfälle durch das Deutsche Generalkonsulat in Amsterdam haben sich die Vorwürfe als haltlos herausgestellt. In
Holland hat sich nach Abschaffung des Sichtvermerkszwanges eine erhebliche Zuwanderung von deutschen Arbeitsuchenden, […], bemerkbar gemacht, von Anfang März bis Ende Juni ds. J. mussten allein aus Amsterdam 625 Deutsche als mittellos von der Polizei an die Grenze geschafft werden. […].“ (LV u. LW)
21. Okt.: „Bei dem hiesigen reichsdeutschen Hilfsverein meldet sich in letzter Zeit eine größere Zahl unterstützungsbedürftiger Reichsdeutscher. Sie geben an, zum Zwecke der Aufsuchung von Arbeit nach der Tschecho-Slowakei gekommen zu sein, hier jedoch keine gefunden zu haben und nun nach Hause zurückfahren zu wollen, wofür ihnen die Mittel fehlen. Zum Teil geben sie auch an, aus Rumänien zu komme, wo ihre Hoffnung, Arbeit zu finden, nicht in Erfüllung gegangen sei. Ich darf anheimstellen, durch die Presse vor dem Zuzug nach der Tschecho-Slowakei zu warnen, da bei den hier bestehenden strengen Bestimmungen über die Beschäftigung von Ausländern und der wachsenden Industriekrise die Möglichkeit, eine Beschäftigung zu finden, so gut wie ausgeschlossen ist und die reichsdeutschen Hilfsvereine nicht in der Lage sind, den steigenden Unterstützungsanforderungen zu genügen.“ (LW)
21. Okt.: „Der Erweiterungsbau des hiesigen Postamts ist nunmehr in Angriff genommen. Das vor 45 Jahren erbaute jetzige Postamt entsprach nicht mehr den heutigen Verhältnissen. Außer der nötigen Erweiterung der Betriebsräume handelt es sich um die Beschaffung von Räumlichkeiten für die Anlage eines automatischen Zentral-Fernsprechamtes. Der Neubau, der bis zum Stadtgraben reicht, muß wegen des losen Untergrundes auf Pfählen erbaut werden. Die Dampframme ist bereits seit einigen Tagen in Tätigkeit. Die Bauleitung liegt in Händen des Architekten Hans Lühn. Die Tiefbauarbeiten werden vom Bauunternehmer Ziegler ausgeführt.“ (LV)
23. Okt.: „Der über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannte Veteran von 1870/71, der Polizeisergeant i. R. Heinrich Fischer von hier, feiert morgen, den 24.10. in körperlicher und geistiger Frische seinen 80sten Geburtstag. […]. (LV u. LW)
24. Okt.: „Am Sonntag, den 24. begeht die Ortsgruppe Lingen der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ihr 20 jähriges Stiftungsfest in den Sälen des Bahnhofshotels Nave.“ (LV u. LW)
26. Okt.: „Von der Frauenabteilung des Männer-Turnvereins 1858 Lingen erhielt Frl. Amalie Mecklenburg wegen ihrer Turn- und Sportleistungen das Turn- und Sportabzeichen des Reichsausschusses für Leibesübungen. Sie ist die erste von den Damen unserer Stadt und des Westverbandes, die diese Auszeichnung erworben hat.“ (LW)
28. Okt.: „Nach vielen Bemühungen ist es gelungen die unter der Leitung des Musiklehrers Herrn Fr. Kayser stehenden Männerchöre zu einem Chorbund zusammen zuschließen. […]. Diesem Chorbund gehören folgende Vereine an: Liedertafel des Evangel. Arbeiter-Bildungsvereins, Liedertafel des kath. Gesellenvereins, Liedertafel des Schützenvereins Rheinerstraße und der Cäcilienchor. Die genannten Vereine verfügen über die stattliche Zahl von ca. 200 Sängern. Dieser Chor wird nun am kommenden Sonntag zu Gunsten des hiesigen Kriegerdenkmalfonds sein erstes öffentliches Konzert auf der Wilhelmshöhe veranstalten. […].“ (LW)
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de