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Zeitungschronik - Mai 1926

1. Mai: „Am Sonntag, den 9. Mai, nachmittags 4 Uhr findet im Hotel Heeger, Lingen eine Versammlung der Uferanlieger der Emsstrecke Hanekenfähr bis Meppen statt. In dieser Versammlung, zu der auch sonstige Interessenten herzlich willkommen sind, sollen die bei den Hochfluten der letzten Jahre entstandenen Ufereinbrüche etc. besprochen werden, gleichzeitig soll versucht werden, die staatlichen Behörden zu Hilfsmaßnahmen zu veranlassen. Erscheinen aller Uferanlieger ist daher dringend notwendig. […].“ (LV u. LW)

6. Mai: „Der vorgestrige Maimarkt war sehr gut besucht. Die Kaufkraft war jedoch infolge der Geldknappheit nur gering. [,,,]. Handel in Pferden war nur langsam, beste Pferde gesucht. Handel in Rindvieh ebenfalls langsam, in Ferkeln äußerst lebhaft.“ (LV)

8. Mai: „Am Mittwoch, den 12. Mai hält der Reichsschutzverband für Handel und Gewerbe e. V. eine große Versammlung ab. Herr Verbandsdirektor Schrader von der Zentrale Braunschweig wird über die Wirtschaftskrise, ihre Ursachen und ihr Ende referieren. Alle Mitglieder, wie auch Nichtmitglieder, werden freundlichst eingeladen. […].“ (LV)

8. Mai: „Die letzten Tage brachten uns einen Temperatursturz, der um so empfindlicher war, als der April uns durch herrliches Frühlingswetter verwöhnt hatte. In der letzten Nacht herrschte Frostgefahr, doch ist es anscheinend noch gut gegangen, das Thermometer zeigte für die Nacht noch etwas über 0 Grad. […].“ (LV)

8. Mai: „Nicht auf Steine setzen! Die Eltern sollten jetzt und in den nächsten Wochen darauf achten, daß ihre Kinder sich nicht auf Steine oder steinerne Bänke im Freien setzen, weil dadurch schwerste Körperschädigungen hervorgerufen werden können. Auch ist bei Ausflügen zum Schutze vor abendlicher Kälte auf ausreichende Kleidung zu setzen.“ (LV)

15. Mai: „Der Einladung zu einer Versammlung am Sonntag, den 9. d. M. nach Lingen (Hotel Heeger) war der weitaus größte Teil der Uferanlieger auf der Emsstrecke Hanekenfähr bis Meppen bereitwilligst entgegengekommen. Graf von Galen-Beversundern eröffnete die Sitzung und begrüßte vor allem die Vertreter der staatlichen Strombauverwaltung, die seiner Einladung an der Versammlung in dankenswerter Weise gefolgt waren. Er gab dann einen kurzen Rückblick über seine im Auftrage einiger ihm benachbarter Uferanlieger bisher unternommenen Versuche, die Strombauverwaltung bewz. den Staat zu einer energischen Inangriffnahme der Uferbefestigungen an der fraglichen Emsstrecke zu veranlassen, und führte dann etwa Folgendes aus: Die in Frage stehende Emsstrecke (Hanekenfähr-Meppen) ist zwar nicht schiffbar, gehört aber trotzdem zu den Wasserläufen 1. Ordnung und es finden auf sie die Bestimmungen des Preuß. Wassergesetzes vom 7. April 1913 über die Wasserläufe 1. Ordnung Anwendung. Vor dem Kriege haben die Uferanlieger alljährlich mit und ohne Hilfe der Strombauverwaltung die schadhaften Stellen ihrer Ufer ausgebessert und dadurch im Allgemeinen verhindert, daß größere Ufereinbrüche entstehen konnten. Während des Krieges war selbstverständlich an derartige Arbeiten garnicht zu denken. Die Folge davon waren Ufereinbrüche von einem Ausmaße, das man vor dem Kriege garnicht für möglich gehalten hätte. Nach dem Kriege standen fast alle Uferanlieger vor einer Aufgabe bezügl. ihrer Ufer, der sie beim besten Willen nicht gewachsen waren. Die Strombauverwaltung führt zwar auf Anfordern der Uferanlieger Uferbefestigungsarbeiten aus, aber nur im Rahmen der ihr staatlicherseits zur Verfügung gestellten Mittel und nur unter Heranziehung der Uferanlieger zu den entstehenden Kosten bezw. Arbeiten. Im Allgemeinen wird von den Uferanliegern die Lieferung und Bereitstellung des zur Befestigung ihres Ufers benötigten Holzes gefordert. Die meisten Anlieger sind aber garnicht im Besitze des zur Ausfüllung der in der Nachkriegszeit entstandenen Ufereinbrüche erforderlichen Holzes. Die Arbeiten können zudem nur bei niedrigem Wasserstande im Sommer, zu einer Zeit also, wo der Landwirt mit anderen Arbeiten vollauf beschäftigt ist, ausgeführt werden. […]. Der Vortragende wies dann darauf hin, daß er sich mit einer im Sinne vorstehender Ausführungen gehaltenen Eingabe an die Vereinigung der Bauernvereine in Berlin gewandt habe mit dem Vorschlage, beim Reichsverkehrsministerium dahin vorstellig zu werden, daß zunächst einmal eine Besichtigung der fraglichen Emsstrecke durch einen Vertreter des Ministeriums vorgenommen werden möchte. Diesem Wunsche wird von Seiten des Reichsverkehrsministers entsprochen werden. […]. Zum Schluß wurde von jeder Anliegergemeinde ein Vertreter namhaft gemacht, der bei der Strombereisung in der betreffenden Gemeinde die Führung übernehmen und die entstandenen Schäden nachweisen soll. […].“ (LV)

18. Mai: „Keramische Kunstschau in Lingen. Die Wander-Werbe-Schau “Von Hessen zur Nordsee“ berührt in diesen Tagen unsere Stadt und bietet von Montag an im Nave’schen Saale Freunden echter Volkskunst die Möglichkeit, eine auserlesene Ausstellung kleiner und großer Meisterwerke der uralten hessischen Töpferkunst in den traditionellen Farben und Farbenzusammenstellungen zu besichtigen. Die Ausstellung zeigt Krüge, Wandteller, Vasen, Obstkörbchen, Dosen, Urnen und Gebrauchsgegenstände verschiedenster Art. […].“ (LV u. LW)

20. Mai: „Wildernde Hunde. Immer wieder wird die Beobachtung gemacht, daß nicht genügend beaufsichtigte Hunde in den Feldmarken allein oder zu mehreren herumstreifen, Weidetiere und Wild beunruhigen und hetzen oder zur Strecke bringen. […]. Neben der Bestrafung setzt sich der Hundebesitzer der Gefahr aus, daß der Hund seitens des Jagdberechtigten oder Jagdpächters getötet wird, da dieses nach § 228 BGB zur Abwendung der drohenden Gefahr einer Schädigung zulässig ist. Weiter kann der Hundebesitzer zivilrechtlich zum Ersatz des angerichteten Schadens herangezogen werden. […]. Ein lebender Hase kostet immerhin etwa 30 Mk., eine lebende Häsin etwa 40 Mk. […].“ (LV)

25. Mai: „In voriger Woche wurden auf dem hiesigen Friedhofe die 3 Leichen der s. Zt. im Lazarett gestorbenen Franzosen ausgegraben und die Knochenüberreste mitgenommen, um in Frankreich neu bestattet zu werden. Die Deckel von zwei Särgen waren bereits eingefallen. Auch in Haselünne und Werlte wurden Leichen ausgegraben und die Überreste in mit Namen der Verstorbenen versehenen Blechkisten mitgenommen. Die französische Regierung hat nach Aussage des Autofahrers 10 Millionen Franc für die Zurückbeförderung der in Deutschland begrabenen Leichen französischer Kriegsgefangener ausgesetzt.“ (LV)

25. Mai: „Der Riesencircus Straßburger, der in der allernächsten Zeit auch bei uns Einkehr zu einem mehrtätigen Gastspiel halten wird, hat überall sensationelle Erfolge aufzuweisen. […]. Eine Sehenswürdigkeit allerersten Ranges ist der weltberühmte Straßburger Marstall, […].“ (LV u. LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.lingen.de/stadtarchiv 



Artikeldatum: 2. Mai 2026
Fotos v.o.n.u.: © Stadtarchiv Lingen