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Zeitungschronik - Juni 1926

1. Juni: „Die Arbeitsmarktlage im Bereiche des Kreisarbeitsnachweises Lingen hat sich in der Zeit vom 21.5.26 bis 27.7.26 stark verschlechtert. Durch Kündigungen bei der Fa. Papier und Holzbearbeitung G. m. b. H. Lingen und vorübergehende Stilllegung des Betriebes Fa. Niehaus & Richter Laxten, ist mit einer weiteren Erhöhung der Erwerbslosenziffer zu rechnen. Arbeitsgesuche, die nicht erledigt werden konnten, lagen am Schlusse der Berichtswoche insgesamt 234 gegen 203 in der Vorwoche vor. Die Zahl der Unterstützungsempfänger stieg auf 186. An Erwerbslosenunterstützung wurden 1.485,76 Mk. gezahlt.“ ( LV u. LW)

5. Juni: „Nach dem soeben herausgegebenen Jahresberichte 1926/27 des Gymnasium Georgianum betrug die Schüleranzahl Ostern 1926  213. Von den Schülern waren am 1. Februar 1926 123 Katholische, 61 Evangelische. Alle 8 Abiturienten waren Katholisch. 136 Schüler stammten aus Lingen, von den auswärtigen waren 35 Fahrschüler. Aus dem Lehrkörper schieden Ostern 1925 aus die Studienräte Dr. Stuke und Dr. Laue, sowie Studienassessor Kosicki. Die eine Studienratsstelle erhielt der Studienassessor J. Wagner hier, der zum Studienrat ernannt wurde. Es traten neu in das Lehrerkollegium die Studienassessoren Dr. Keseling aus Duderstadt und Dr. Kennepohl aus Osnabrück. Michaelis 1925 trat Oberschullehrer August Sega infolge des Altersgesetzes in den Ruhestand. Für ihn trat ein Studienassessor Kaiser“ (LV u. LW)

5. Juni: „Maul- und Klauenseuche! Verschiedene Vorkommnisse deuten daraufhin, daß sich im Kreise Lingen Herde von Maul- und Klauenseuche befinden, die nicht angezeigt sind. Die Tierbesitzer werden deshalb eindringlichst an die Anzeigepflicht erinnert und darauf aufmerksam gemacht, daß die Verheimlichung der Seuche schwere Bestrafung nach sich zieht, und daß außerdem der Besitzer seiner Ansprüche auf staatlicher Entschädigung bei Todesfällen verlustig geht. Der Landwirt, der die Maul- und Klauenseuche verheimlicht, handelt im übrigen sehr gewissenslos sowohl gegen seine eigenen Berufsgenossen als auch besonders gegen den Großviehhandel. Dem Großviehhandel erwächst häufig dadurch, daß ihm Vieh aus verseuchten Beständen zum Weiterversand geliefert wird, ein gewaltiger Schaden, weil dann wenn am Empfangsorte der Transport krank an Maul- und Klauenseuche befunden wird, meißtens alle Tiere, auch die Gesunden abgeschlachtet werden müssen. Diejenigen Landwirte, die trotz Verseuchung ihres Stalles, Rinder, Schweine, Ferkel, usw. abliefern, können für den gesamten Schaden haftbar gemacht werden. Es ist deshalb dringend zu empfehlen, den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche der Polizeibehörde anzuzeigen.“ (LV)

5. Juni: „Achtet auf den Kartoffelkäfer! Der gefährliche Koloradokäfer bedroht Deutschland von Frankreich her, wo er aus Amerika eingeschleppt ist und sich in kurzer Zeit über mehr als  ein Viertel des Landes ausgebreitet hat. Der Käfer wird mit Kartoffeln und Pflanzgut aller Art verschleppt und vermag auch weite Strecken zu überfliegen. Der Käfer und seine Larve fressen die Kartoffelfelder kahl und könne schweren Schaden anrichten. (...) Wo sich der Koloradokäfer zeigt, ist unverzüglich der Ortspolizeibehörde Mitteilung zu machen, damit sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Außerdem ist die Biologische Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin-Dahlem zu benachrichtigen.“ (LV u. LW)

8. Juni: “Zwei schwere Jungen, welche die Stadt Lingen und Umgebung in den letzten Wochen durch ihre verwegenen Einbrüche in Aufregung brachten, wurden erneutem Einbruch in Hanekenfähr in Elbergen in einer Feldscheune durch den Oberlandjäger Rachun in Schepsdorf festgenommen. Sieben Einbrüche konnten ihnen bis jetzt nachgewiesen werden. Diebesgut, darunter 2 gestohlene, in den Kanal versenkte Fahrräder, Werkzeuge, usw. wurden beschlagnahmt.“ (LV u. LW)

19. Juni: „Flugtag auf der Kuhweide. Da bei dem voraussichtlich schönen Wetter am Sonntagnachmittag mit Massenbesuch zu rechnen ist, (…). Die Flieger werden gegen 2:30 Uhr von Osnabrück hier eintreffen. Die Flüge beginnen um 3 Uhr. Es werden Kunstflüge, Passagierflüge, Ballonjagden und Fallschirm-Absprünge vorgeführt, sodaß die Zuschauer sicherlich einige genußreiche Stunden erwarten dürfen. Der mäßige Eintrittspreis von 50 Pfg. für Erwachsene, Kinder 20 Pfg., ermöglicht auch dem kleinen Manne die Beteiligung. Eine so günstige Gelegenheit dürfte sobald nicht wiederkehren. Konzert, Restaurationsbetrieb, Fahrrad- und Autostand am Platze. Also auf zur Kuhweide!“ (LV)

19. Juni: „Sonntag, den 20 Juni, morgens halb 12 Uhr, findet vor dem Gymnasium die Einweihung des Gedenksteins statt, der zum Gedächtnis der im Weltkriege gefallenen Angehörigen des Gymnasiums errichtet ist. Die früheren Schüler, die Angehörigen der Gefallenen, die Eltern der Schüler, sowie alle Freunde der Anstalt sind dazu aufs herzlichste eingeladen.“ (LV u. LW)

22. Juni: „(…) Wahlergebnis betr. Fürstenenteignung. Stadt Lingen. (…) Gesamtergebnis Stimmberechtigt  6 081 ; Abgegeben  2 585 ;  Mit ja  2 475 ; Mit nein  61 ;  ungültig  49 Wahlergebnis des Kreises Lingen. Stimmberechtigt (außer Stadt Lingen  16 842 ; Abgegebene Stimmen  2 044 ; Mit ja  1 885 ; Mit nein  61 ; ungültig  49 (LW)

26. Juni: „Auch in diesem Jahre herrscht auf den Gewässern Lingens eine reges Leben und Treiben. Täglich üben die Trainings-Mannschaften des Gymnasial-Turn u. Rudervereins und der Lingener Rudergesellschaft für die Regatta, die am Sonntag, den 27. Hier stattfinden soll. Ob es regnet, stürmt oder die Sonne scheint, immer hört man das regelmäßige Klappern der Dollen, das plätschernde Einsetzen der Riemen oder die derben Kommandorufe des Trainers. Alle ihre Kräfte müssen die Ruderer in diesem Jahre zusammennehmen; gilt es doch, sich mit drei auswärtigen Mannschaften im Kampfe zu messen. Eine Meppener und zwei Leraner Mannschaften werden am Sonntag hier antreten, um mit den hiesigen Ruderern um den Sieg zu kämpfen. Jeder Lingener Bürger also, der Interesse am Sport und Freude an den Wettkämpfen der Jugend hat, möge am Sonntag die Regatta nicht versäumen, und wenn auch der Himmel den jungen Kämpfern günstig ist, wird sicher niemand den Weg zum Kanal zu bereuen haben.“ (LV u. LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems), www.lingen.de/stadtarchiv 



Artikeldatum: 4. Juni 2026
Fotos v.o.n.u.: © Stadtarchiv Lingen