3. Aug.: „[…]. In letzter Zeit fand man hier verschiedentlich tote Hunde in der Ems treiben, die einen unausstehlichen Geruch verbreiten. Es ist oft beobachtet worden, daß auswärtige Jäger einen Hund, der bei den Kühen in der Weide war, erschossen und dann in die Ems warfen. Abgesehen davon, daß viele Emsschiffer genötigt sind, sich das Trinkwasser aus derselben zu nehmen, besteht wegen der vielen Fliegen, die auf solchen Kadavern sitzen, eine große Ansteckungs- und Seuchengefahr für Menschen und Tiere. Es ist dringend zu wünschen, daß derartige Vorfälle sofort beim Wasserschutz (Landratsamt) zur Anzeige gebracht werden, damit diese leichtsinnige und verwerfliche Handlungsweise gebührend bestraft wird.“ (LV)
3. Aug.: „Zu dem hier am 30. ds. Mts. (Juli) stattgefundenen Blindenkonzert waren von der Veranstaltung 3 Frauen mit dem Vertrieb von Eintrittskarten beauftragt. Nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis und dem zum Teil abgelegten Geständnis der inzwischen festgenommenen Frauen wurde diese Gelegenheit genutzt, um für ein angebliches Blindenheim zu sammeln. Die Frauen waren hierzu von einer Anstalt nicht beauftragt und haben, obwohl sie diese Betrügereien schon seit langer Zeit in den verschiedensten Städten betreiben, Geld zu Gunsten der Blinden nicht abgeführt. Zur Durchführung des Strafverfahrens, und um über die Höhe der Unterschlagung Klarheit zu schaffen, ergeht an alle Spender die Bitte, die Höhe der Spende den hiesigen Polizeibeamten oder den zuständigen Landjägern anzuzeigen.“ (LV)
10. Aug.: „Notlandung. Infolge des Heißlaufens des Motors mußte auf der Heide zwischen Kleinberßen und Sögel ein auf der Reise Malmö-Bremen-Amsterdam befindliches englisches Flugzeug niedergehen. Die Landung vollzog sich ohne Zwischenfall. Während darauf der Pilot bei seinem beschädigten Doppeldecker blieb, setzten die Fahrgäste, drei Damen und vier Herren, mit Kraftwagen und von Meppen aus mit dem Schnellzuge über Salzbergen-Bentheim ihre Reise nach Amsterdam fort.“ (LV)
12. Aug.: „Die gestrige auf der Wilhelmshöhe veranstaltete Feier des Verfassungstages nahm bei außerordentlich starker Beteiligung aus allen Schichten der Bevölkerung, einen glänzenden Verlauf. Bürgermeister Gilles hieß in seiner Begrüßungsansprache alle Erschienenen, besonders den Festredner, den Landtagsabgeordneten Wachhorst de Wente, herzlich willkommen. Er gab seiner besonderen Freude darüber Ausdruck, daß der Besuch bedeutend stärker wie in den Vorjahren war. Es sei das ein Zeichen, daß man sich immer mehr mit der Verfassung, wenn sie auch noch einige Mängel aufzuweisen habe, befreunde. Er hoffe gern, daß die Feier dazu beitragen werde, daß der republikanische Gedanke auch in Lingen immer festeren Fuß fasse. […].“ (LV u. LW)
12. Aug.: „Am Sonntag, den 15. August […] begeht der hiesige katholische Arbeiterverein St. Bonifatius sein 20jähriges Stiftungsfest. […]. Um aber dem Feste auch rechten Inhalt zu geben, […], ist damit eine Bezirkstagung der kathol. Arbeitervereine des Emslandes verbunden, zu der sich auch die meisten Vereine mit zahlreichen Mitgliedern angemeldet haben. […].“ (LV)
19. Aug.: „Zum Bau der 60 Kilometer langen Ringleitung, Hochspannungsleitung, des Westfalenwerkes in dem östlichen Kreisteil werden Veranstaltungen getroffen, nachdem die Ortsnetze der Hochspannungsleitung Rheine-Lingen fertiggestellt sind. Die Ringleitung wird von Lingen aus über Baccum, Münnigbüren, Lengerich, Freren, Settrup, Messingen, Beesten, Spelle und Plantlünne gebaut und wird nach Überquerung der Ems bei der Helschener Fährbrücke in Leschede mit der Leitung Rheine-Lingen verbunden werden. In Jahresfrist etwa kann der Bau vollendet sein. Ortschaften, die nicht in die bezeichnete Ringleitung mit einbegriffen werden, wie z. B. Bawinkel, sollen durch eine Stichleitung verbunden werden. Da die Straßen zwischen den genannten Ortschaften zumeist mit Telegraphenleitungen belastet sind, so kann die Hochspannungsleitung nicht an die Straße gelegt werden. Infolgedessen werden beim Betreten der Grundstücke vielfach Früchte unvermeidbar beschädigt. Diese Schäden werden vergütet.“ (LV)
21. Aug.: „Donnerstag nachmittag fand durch die städtischen Körperschaften eine Besichtigung der Lübber’schen Grundstücke an der Ems statt zum Zwecke der Anpachtung derselben zur Errichtung einer Flußbadeanstalt. Nach eingehender Besichtigung und Besprechung wurde mit dem Hofbesitzer Lübbers ein 10jähriger Pachtvertrag, beginnend mit dem 1. September 1926, abgeschlossen. Das gepachtete Gelände ist ca. 700 Meter lang und etwa 10-12 Meter tief. Über noch zu errichtende Aus- und Ankleidezellen usw. soll die von den Kollegien gewählte Kommission demnächst Vorschläge machen.“ (LV u. LW)
24. Aug.: „Nach langem Warten bekommt auch die Gemeinde Altenlingen elektr. Licht und Kraft. Nachdem man im benachbarten Wachendorf schon am vergangenen Donnerstag Lichtfest gefeiert hatte, wird nun auch in dieser Woche in Altenlingen mit dem Ausbau des Ortsnetzes begonnen. Die Ausführung der elektrischen Anlagen liegt in den Händen der Firma Stens GmbH. Die unliebsame Verzögerung ist auf die ungünstigen Zeitverhältnisse zurückzuführen. Wie wir erfahren, wird die Fertigstellung des Ortsnetzes Altenlingen etwa 14 Tage in Anspruch nehmen. Alsdann beabsichtigt die Firma Stens, ihre Arbeiten in Biene in Angriff zu nehmen. Die Stromlieferung wird durch das Elektrizitätswerk Ibbenbüren erfolgen.“ (LV)
26. Aug.: „Das Ergebnis der veranstalteten Geldsammlung zugunsten des Kriegerdenkmalfonds hat den Betrag von 1678,50 Mark ergeben. Allen Gebern und auch den Sammlern herzlichen Dank. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß in nächster Zeit die Namen der im Weltkriege Gefallenen der Stadt Lingen, soweit solche durch Vermittlung amtlicher Stellen festgestellt werden konnten, in den hiesigen Zeitungen bekannt gemacht werden. Es wird daher gebeten, die Liste genau zu verfolgen und etwaige fehlende Namen dem Vorsitzenden des Kriegerdenkmalausschusses, Herrn Bürgermeister Gilles, hier, anzugeben.“ (LV u. LW)
31. Aug.: „Plenarversammlung der städtischen Kollegien […]. Neuanlage einer Bedürfnisanstalt in der Burgstraße. Da die alte Anstalt lt. Vertrag mit der Reichsbank entfernt werden muß, so wurde beschlossen, eine neue Bedürfnisanstalt für Männer hinter dem Garten der Reichsbank in der Nähe des Stadtgrabens zu errichten. […].“ (LV)
31. Aug.: „Plenarversammlung der städtischen Kollegien […]. Neueinrichtung des Rathaussaales. Es lag ein Kostenanschlag in Höhe von ca. 2000 Mk. vor. Wenn auch die Notwendigkeit der Neueinrichtung anerkannt wurde, so wurde trotzdem unter Berücksichtigung der schlechten Finanzlage der Stadt beschlossen, die Angelegenheit bis zur nächsten Etatsberatung zurückzustellen.“ (LV)
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de