Grüner Wasserstoff, der IT-Campus und die digitale Entwicklung der Stadt, Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur sowie die positive Finanzlage: Diese Themen standen im Mittelpunkt der Rede von Oberbürgermeister Dieter Krone beim Bürgerempfang der Stadt Lingen (Ems) in der EmslandArena. Über 2.000 Gäste begrüßte das Stadtoberhaupt am Sonntag. Musikalisch begleitet wurde der Empfang von RoMeO – Rock meets Orchestra – der Musikschule des Emslandes unter der Leitung von Musikdirektor Martin Nieswandt.
In seiner Rede blickte Oberbürgermeister Dieter Krone sowohl auf das Jahr 2025 als auch auf die Herausforderungen und Chancen des Jahres 2026. Er betonte die Bedeutung demokratischer Stabilität und des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Gleichzeitig dankte er den vielen Engagierten in Lingen, die sich in Vereinen, Verbänden und Institutionen für das Gemeinwohl einsetzen. Lingen stehe wirtschaftlich sehr solide da und könne daher wichtige Entwicklungen konsequent vorantreiben.
Ein Schwerpunkt der Rede lag auf der Transformation des Energiestandortes. Krone verwies auf die Konverterstation von Amprion, die in diesem Jahr fertiggestellt werden soll. Dadurch würden in wenigen Monaten 1,8 Gigawatt grüner Strom nach Lingen geführt. Dieser CO₂-freie Strom sei die Grundlage für die Produktion von Grünem Wasserstoff durch die Elektrolyseanlagen von RWE und BP. Insgesamt lösten die Vorhaben am Standort Investitionen von über drei Milliarden Euro aus. „Wir bauen hier nicht nur eine Anlage – wir bauen eine komplette Wasserstoff-Wertschöpfungskette: von der Produktion über die Speicherung bis hin zur Anwendung“, so Krone. In der Entscheidungsphase befinde sich zudem ein Batteriegroßspeicher, der zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen könne. Eine Investorenentscheidung werde in Kürze erwartet.
Auch die Strategie zur Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur mit einem breiten Branchenmix hob der Oberbürgermeister hervor. Lingen verfüge heute über mehr als 4.000 Betriebe und rund 30.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Erweiterungen und Neuansiedlungen in verschiedenen Gewerbegebieten stärkten den Standort und machten ihn widerstandsfähiger gegenüber Konjunkturschwankungen.
Ein weiteres Zukunftsprojekt sei der Aufbau eines innovativen Forschungs- und Entwicklungsstandortes – insbesondere durch den IT-Campus Lingen. Der Stadtrat habe den Bebauungsplan im September einstimmig beschlossen, der erste Baustein „Vision Dock“ nehme bereits Form an. Umgesetzt werde das „Vision Dock“ durch ein Projektteam um Frank Exeler, das rund 40 Millionen Euro investieren wolle. „Der IT-Campus ist für mich ein Zukunftsversprechen – an Fachkräfte, an Studierende, an Start-ups und an unsere mittelständischen Unternehmen“, so der Oberbürgermeister. Doch Digitalisierung dürfe niemals ausgrenzen, deshalb werde er eine einen neuen Digitallotsen im Rathaus einführen, der als Ansprechpartner insbesondere für ältere Mitmenschen konkrete Hilfestellungen und Beratungen geben kann.
Finanziell, so Krone, stehe Lingen solide da. Der Haushalt 2026 sei mit Blick bis 2029 nahezu ausgeglichen beziehungsweise mit Überschüssen geplant, bei der Gewerbesteuer seien aktuell rund 50 Millionen Euro erzielt worden. Gleichzeitig mahnte er zur Umsicht und erinnerte an die schwierige Haushaltslage 2010. Die gute Finanzlage ermögliche heute wichtige Investitionen in Lebensqualität: unter anderem in Kitas und Schulen, Sportanlagen und Jugendangebote. Auch die Innenstadtentwicklung bewertete der Oberbürgermeister positiv. Eine Belegungsquote von 97 Prozent und ein Rekordergebnis von über 12,2 Millionen Passanten in der Innenstadt unterstrichen die Attraktivität. Weitere Veränderungen seien am Alten Hafen mit neuer Gastronomie und einer Marina sichtbar.
Beim Thema Wohnen berichtete Krone von 620 neuen Wohneinheiten im Stadtgebiet sowie weiteren 1.700 Bauvoranfragen oder -anträgen. Zugleich bleibe bezahlbarer Wohnraum eine Herausforderung, die die Stadt mittels der Lingener Wohnungsbaugenossenschaft und eines Investorenmodells angehen wolle. Im Bereich Pflege und Soziales hob der Oberbürgermeister das Leitbild der „sorgenden Gemeinschaft“ hervor. „Ich werde mich gemeinsam mit allen Akteuren im Team für einen klugen Ausbau und die Vernetzung der Systeme im Bereich einer umfassenden Versorgung einsetzen, um auch diese wichtige gesellschaftliche Herausforderung für Lingen, für unsere Zukunft zu stemmen“, so das Stadtoberhaupt.
Abschließend ging Krone auf Verkehr und Mobilität ein. Die Sanierung des Bahnhofsgebäudes schreite voran, man liege im Zeit- und Kostenrahmen. Als Termin für die feierliche Wiedereröffnung nannte er den 28. Juni. Darüber hinaus lasse die Stadt Ideen für ein intelligentes Mobilitätskonzept erarbeiten. Als Vorschlag brachte Krone eine Ausweitung des Lili-Busses an Wochenenden bis in die Nachtstunden als „Disko-Bus“ sowie eine generationenübergreifende Nutzung am Sonntag ins Spiel.
Mit Blick auf die Kommunalwahlen im September rief er die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und die Zukunft Lingens aktiv mitzugestalten. „Lingen steht gut da – und Lingen hat allen Grund, selbstbewusst und optimistisch nach vorn zu blicken“, so Krone abschließend.
Die ganze Rede zum Nachlesen finden Interessierte hier.