veröffentlicht am 04.08.2014

Zeitungschronik Erster Weltkrieg

 

August 1914


1. August - „Lingen, 31. Juli. Soeben um 4 Uhr, kurz vor dem Druck dieser Nummer, ging uns die vorstehende Erklärung des Kriegszustandes vom hiesigen Bezirkskommando zur Veröffentlichung zu. (…) Wir werden ausdrücklich ersucht, die Bevölkerung zur Ordnung und Besonnenheit zu ermahnen.“ (LV)

4. August - „Der auf dem hiesigen Bahnhofe durch die Sanitätskolonne eingerichtete Hilfsdienst in der Verabreichung von Trinkwasser an die in den Zügen dicht gedrängt schmachtenden Soldaten könnte von unserer Bürgerschaft mit geringer Mühewaltung wesentlich verbessert werden. (…) Man nehme unbrauchbare Flaschen (…) und fülle solche mit schwarzem kalten Kaffee, Tee, Limonade oder sonstigen alkoholfreien durststillenden Getränken.“ (LW)

5. August - „In den kommenden Tagen hat unsere Stadt starke Einquartierungen zu erwarten (…) Die quartierpflichtigen Einwohner haben den mit Quartierbillet versehenen Militärpersonen Quartier zu gewähren. (…) Der gute Wille der Quartiergeber darf deshalb nicht zu einem übermäßigen Alkoholgenuß führen. (…) Der Magistrat Meyer“ (LV)

5. August - „Inländisches Papiergeld ist in der gleichen Weise sicher wie Metallgeld. Jeder ist verpflichtet, Papiergeld in Zahlung zu nehmen. (…) Der Magistrat J. Meyer“ (LV)

5. August - „Der Kaiser hat alle wehrfähigen Männer zu den Waffen gerufen. Infolgedessen werden unseren Landwirten die Arbeitskräfte entzogen, die zur Einbringung der Ernte unentbehrlich sind. (…) Wer nicht zu den Waffen gerufen ist, wird sich freudig zu dieser Arbeit zur Verfügung stellen. (…) Ich fordere deshalb alle Einwohner, alt und jung (…) auf, sich im Magistratsbüro (im Erdgeschoß des Stadthauses) nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr zu melden. (…) J. Meyer, Bürgermeister“ (LV)

8. August - „Der erste Verwundete aus hiesiger Gegend. Bei der Einnahme von Czenstochau (Russland) durch die deutschen Truppen wurde der Sohn eines Heuermanns aus Steide durch einen Schuß in den Oberschenkel leicht verwundet.“ (LV)

9. August - „Auf Anordnung des Herrn Ministers bringen wir hiermit zur Kenntnisnahme, dass die Abhebung der bei den öffentlichen Sparkassen hinterlegten Gelder in Kriegszeiten eine äußerst unverständige Maßnahme ist. Denn die Garantieverbände (…) haften mit ihrem ganzen Vermögen und mit ihrer ganzen Steuerkraft für die Spareinlagen. (…) Der Landrat von Lympius. Der Magistrat Meyer.“ (LW)

12. August - „Im Inseratteil der heutigen Nummer erlässt der hiesige Magistrat eine Bekanntmachung der Höchstpreise für Lebensmittel. Verkäufer wie Käufer machen wir darauf besonders aufmerksam.“ (LV)
   
12. August - „Da in jetziger Zeit gewöhnliche Briefe von Berlin hierher schon 4 Tage brauchen, werden naturgemäß Briefe von der Armee erst nach sehr viel längerer Zeit hier eintreffen. Bleibt Nachricht aus, so ist noch kein Grund zur Beunruhigung über das Befinden der Angehörigen gegeben. Etwaige Verwundung oder Erkrankung wird den Familien sofort telegraphisch mitgeteilt. Lingen, den 7. August 1914. Der Landrat v. Lympius“ (LV)

12. August - „Das Garnisons-Kommando Hannover und das in Münster macht bekannt, dass von der Fliegerstation Hannover und Münster in diesen Tagen Überlandflüge ausgeführt werden. Es liegt also kein Grund zur Besorgnis vor, wenn in den nächsten Tagen Flieger (…) gesichtet werden sollten. (…) Es wird nochmals bemerkt, dass nur auf solche Flugzeuge geschossen werden darf, die als fremdländische sicher erkannt sind.“ (LV)

12. August - „Der Ausmarsch ‚unseres’ in Lingen zusammengestellten III. Bataillons des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 92 gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Wer diese weihevolle halbe Stunde auf dem Marktplatz mit verleben durfte, wird sie wohl nie in seinem Leben wieder vergessen.“ (LW)

19. August - „Der Verkauf von Branntwein an Truppen hat Anlaß gegeben, den Inhabern von Bahnwirtschaften allgemein die Verabreichung alkoholischer Getränke an Truppen zu verbieten.“ (LV)

26. August - „Das Landsturmmusterungs-Geschäft findet für den Kreis Lingen am 27. und 28. August 1914 im Saale des Hotelbesitzers Nave in Lingen am Bahnhof statt. Zu dem Musterungsgeschäft haben sich die in der Zeit vom 27. August 1869 bis einschließlich 27. August 1894 geborenen unausgebildeten Landsturmpflichtigen mit rein gewaschenem Körper zur angegebenen Zeit bei Vermeidung der gesetzlichen Strafen pünktlich in dem Musterungslokale einzufinden.“ (LV)

26. August - „Laut Verfügung des Generalkommandos ist der Verkauf der als kriegsbrauchbar bezeichneten Pferde bis auf Weiteres verboten. (…) Lingen, den 25. August 1914. Der Landrat v. Lympius“ (LV)

26. August - „Im Hotel Heskamp sind große übersichtliche Karten von allen drei Kriegsschauplätzen ausgehängt. Alle Vorgänge auf den Kriegsschauplätzen werden regelmäßig durch Fähnchen darauf kenntlich gemacht. Ebenso sind die neuesten Nachrichten vom Wolff’schen Telegraphen-Büro neben den Karten zu lesen. Herm. H. Heskamp“ (LV)


Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW) zusammengestellt von Dr. Mirko Crabus, Stadtarchiv Lingen. Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Lingener Stadtarchiv