veröffentlicht am 08.09.2015

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

September 1915


1. September: „Zeichnet die dritte Kriegsanleihe! Abermals ergeht an das deutsche Volk die Aufforderung: Schafft die Mittel herbei, deren das Vaterland zur weiteren Kriegsführung notwendig bedarf!“ (LV)

1. September: „Bringt das Gold zur Reichsbank. Obgleich feststeht, daß sich noch hunderte von Millionen Mark an Goldmünzen in den Händen des Publikums befinden, haben die Rückflüsse zu den Kassen der Reichsbank in den letzten Monaten ganz erheblich nachgelassen. Es ergeht deshalb von neuem die dringende Aufforderung, vorhandene Goldmünzen – und sei es auch nur ein 10-Mark oder 20-Mark Stück – sobald wie möglich bei der Reichsbank umzutauschen. (…) Auch diejenigen, welche Goldmünzen einsammeln, werden gebeten, in ihrer Tätigkeit nicht zu erlahmen und nicht eher zu ruhen, als bis die letzte Goldmünze aus ihrem Versteck herausgeholt und der Allgemeinheit nutzbar gemacht ist.“ (LV)

2. September: „Der Bahngleisschaffner Funke von hier geriet gestern beim Überschreiten der Gleise zwischen die Puffer einer Rangierabteilung. Dem Bedauernswerten wurde der Brustkorb eingedrückt, und er erlag bald darauf seinen Verletzungen. Bei dieser Gelegenheit sei hiermit wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß das Überschreiten der Gleise strengstens verboten ist.“ (LV)

3. September: „Zwecks rechtzeitiger Unterbringung der geistesschwachen (idioten) Kinder in eine Heil- und Pflegeanstalt ersuche ich die Herren Gemeindevorsteher (…) zu berichten, ob solche Kinder in ihrer Gemeinde vorhanden sind.“ (LW)

7. September: „Warnung. Es hat sich in den letzten Tagen herausgestellt, daß ein Müller in Handrup gegen die Vorschriften über Mahlen von Brotkorn schwer gefehlt hat. (…) Der Müller sieht seiner Strafe entgegen, auch habe ich die Mühle während der Kriegsdauer polizeilich schließen lassen.“ (LV)

8. September: „Daß die dritte Kriegsanleihe nicht hinter den herrlichen Ergebnissen der beiden früheren zurückbleiben wird, halten wir für selbstverständlich. Unser aller Aufgabe muß es sein, einen bisher noch nicht dagewesenen Zeichnungserfolg zu erzielen, den Zeichnern zur Ehre, dem Reiche zur Wehr, unseren Feinden zum Neid.“ (LW)

11. September: „In dem vom Ministerium des Innern herausgegebenen Büchlein „Die Ernährung im Kriege“ wird wiederholt auf die große Bedeutung der Kartoffel für die deutsche Volkswirtschaft hingewiesen. So heißt es (…): „Unser Kartoffelreichtum ist in Wahrheit einer nationaler Schatz. Ein Schatz freilich, den wir gerade in Kriegszeit Veranlassung haben zu hüten.“ Wollen wir diesen unseren Schatz aber hüten, dann müssen wir ihn zunächst mal sorgfältig heben. Ist dies im ersten Kriegsjahr 1914 überall geschehen? Wer einen Gang durch den abgeernteten, aber noch nicht wieder gepflügten Esch macht, kann manchen Kartoffelacker des Vorjahres schon von weitem erkennen. (…) Mehr als die Einsaat ist also im Boden zurückgeblieben.“ (LV)

14. September: „Zur Behebung von Zweifeln wird darauf hingewiesen, daß von den dauernd Untauglichen sich auch diejenigen anzumelden haben, die während des Krieges von den Truppenteilen als dauernd garnisonsdienst- und arbeitsverwendungsunfähig entlassen oder durch die Bezirkskommandos ausgemustert sind.“ (LV)

17. September: „Bekanntlich hat die vor einigen Wochen im Kreise abgehaltene Sammlung von Gummi die ansehnliche Menge von über 10 Zentner ergeben, welche der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt sind. Um später noch einmal dem gleichen vaterländischen Zweck soviel Altgummi zuführen zu können, ist es wünschenswert, daß insbesondere die Radfahrer und Kraftwagenbesitzer ihre abgenutzten Reifen nicht fortwerfen oder an Althändler verkaufen, sondern für eine nochmalige Sammlung aufbewahren.“ (LV)

18. September: „Im neuen kirchlichen Amtsblatt für die Diözese Osnabrück und die Missionen werden vom Bischöflichen Generalvikariat die Kettengebete aufs neue durch folgende Bekanntmachung verurteilt: „Mehrfach werden in letzter Zeit sowohl unter den Daheimgebliebenen als auch unter den Kriegsbeteiligten (…) sogenannte Gebetsbriefe (Kettengebete) in Umlauf gesetzt, die durch ihren nicht einwandfreien, vielfach sogar abergläubischen Inhalt zu Bedenken Anlaß geben. Wir ersuchen deshalb die Herren Geistlichen, auf diesen Missbrauch ein scharfes Augenmerk zu haben (…).“ (LV)

21. September: „Für Freitag Nachmittag hatte der vaterländische Frauen- und Rote-Kreuz-Verein die Verwundeten der hiesigen Lazarette zu einer Zaubervorstellung im Hotel Heeger eingeladen. Der Berliner Zauberkünstler verstand sein Handwerk vorzüglich und konnte bei seinen Vorführungen wahre Lachsalven auslösen.“ (LV)

24. September: „Als ein neuer Milliardensieg stellt sich das Ergebnis der dritten deutschen Kriegsanleihe schon jetzt heraus. Nach der gestrigen vorläufigen Auszählung waren es 12,3 Milliarden (…).“ (LW)

26. September: „Die Frist für freiwillige Ablieferung von Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel ist durch Verfügung des stellv. Generalkommandos bis zum 16. Oktober ds. Js. verlängert.“


Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen,
Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


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