veröffentlicht am 05.08.2015

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

August 1915


1. August: „Nach der Verfügung des Kriegsministers werden außer den Feldurlaubern auch sämtlich übrigen Militärurlauber (…), die bisher das Fahrgeld für die Benutzung der Eisenbahn selbst bezahlt haben, nunmehr auf Kosten des Reichsmilitärfiskus auf der Eisenbahn befördert.“ (LW)

4. August: „Gestern traf nach langer Pause wieder ein größerer Verwundeten-Transport ein und zwar 334 Mann.“ (LV)

4. August: „Den Herren Gemeindevorsteher wird in den nächsten Tagen das Einquartierungsgeld für die ostpreußischen Flüchtlinge für Juni zur Weiterverteilung zugehen.“ (LW)

5. August: „Das stellvertretende Generalkommando hat eine (…) Bekanntmachung betreffend Ausstellung von Passierscheinen zur Reise aus Deutschland in das Operations- und Etappengebiet, erlassen. Die Bekanntmachung kann im Büro des Landratsamts und Magistrats in Lingen eingesehen werden.“ (LW)

6. August: „Warschau besetzt! So gings wie ein Lauffeuer gestern Nachmittag durch die Stadt. Glockengeläute, Fähnchenschmuck und Böllerschüsse verkündeten alsbald auch den weiter entfernt Wohnenden die frohe Kunde. Gott segne und schütze auch fernerhin unser unvergleichliches, tapferes Heer.“ (LV)

9. August: „Beim Kriegsbekleidungsamt (…) soll demnächst eine besondere Abteilung gebildet werden für Kriegsbeschädigte, welche von der Truppe entlassen, (…), sind. Sie sollen ohne Rücksicht auf ihren früheren Beruf als Schneider oder Schuhmacher ausgebildet werden und haben die Aussicht auf dauernde Beschäftigung.“ (LW)



11. August: „Die Abgabe von Brot und Mehl an Personen, welche nicht im Stadtgebiet Lingen wohnen, bleibt bis auf weiteres noch zugelassen mit der Beschränkung, daß die Abgabe nur an Einwohner der Gemeinden Darme, Laxten, Brögbern, Brockhausen, Altenlingen, Holthausen, Elbergen und Estringen gestattet ist.“ (LW)

14. August: „Die geehrten Bewohner von Lingen und Umgegend werden herzlichst gebeten, Frühobst (auch Fallobst) bis nächsten Mittwoch nach dem lutherischen Pfarrhause zu schicken. Es soll dort eingekocht und den Lazaretten überwiesen werden.“ (LW)

19. August: „Die Kreisbewohner mache ich wiederholt darauf aufmerksam, daß, wer einem entwichenen Gefangenen Vorschub leistet, strenge Bestrafung zu gegenwärtigen hat. Wo sich irgendwo verdächtige Personen zeigen, sind sie mit Hülfe von Nachbaren, schon ehe der Wachtmeister oder nächste Militärposten benachrichtigt ist, sofort festzunehmen. Das liegt schon im Interesse der Bevölkerung selbst, um sich gegen Diebstahl und Brandstiftung seitens der Gefangen zu schützen.“ (LW)

20. August: „Nach Mitteilung der Bezugsvereinigung stehen dem Kreise im Ganzen nur noch rund 800 Zentner Zuckerfutter und 7100 Zentner Melassefutter zur Verfügung.“ (LW)

20. August: „In der letzten Nacht zwischen 12 und 1 Uhr wurden 2 aus dem Gefangenenlager bei Wanne entwichenen Russen auf der neuen Eisenbahnbrücke in Hanekenfähr von dem dort aufgestellten Posten unseres Landsturm-Bataillons festgenommen. Sie sind 22 Tage unterwegs und haben sich von Wurzeln und Obst ernährt.“
(LW)

23. August: „Da in verschiedenen Orten Erkrankungen an Rückfallfieber vorgekommen sind, erscheint eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber dieser Krankheit geboten. Auf die gesetzliche Anzeigepflicht für Rückfallfieber-Erkrankungen und -Todesfälle wird hingewiesen. Als wichtiges Vorbeugungmittel kommt hauptsächlich die Vernichtung der blutsaugenden Insekten, namentlich Läuse, in Betracht, durch die – einwandsfreien Untersuchungen nach – das Rückfallfieber übertragen wird, während die Übertragung der Krankheit von Mensch zu Mensch ausgeschlossen ist.“ (LW)

26. August: „Brest-Litowsk gefallen! Eine große Menschenmenge versammelte sich heute abend auf dem Marktplatze, um die Eroberung der Festung Brest-Litowsk durch die verbündeten Truppen in gebührender Weise zu feiern. (…) Tief ergriffen stand wohl ein Jeder da; er mochte dabei seines Sohnes, des Bruders oder eines Verwandten gedenken, der jetzt draußen im Felde steht und vielleicht heute mitgeholfen hat, diesen großen Sieg zu erkämpfen.“ (LV)

27. August: „ (Siegesfeier in Lingen) aus Anlaß des Falles der Festung Brest-Litowsk. Unvorbereitet wie sie war, wirkte sie dennoch herzerhebend und wird den in Massen Erschienenen eine unvergeßliche Erinnerung bleiben.“ (LW)

27. August: „Die Eltern und Angehörigen der im Felde stehenden Krieger werden gebeten, den Lesestoff Sonntags möglichst durch einen Erwachsenen abholen zu lassen. – Es sei nochmals ausdrücklich bemerkt, daß der Lesestoff nur für im Felde (…) befindliche Soldaten bestimmt ist.“ (LW)


Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen,
Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Stadtarchiv Lingen, Stadtarchiv Lingen