veröffentlicht am 05.12.2019

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Dezember 1919

 
2. Dez.: „Wer dringend hierorts Wohnung benötigt, wolle sich, wenn Familie noch außerhalb wohnt, auf dem städtischen Wohnungsamte, Am Markt 2, melden. Der Magistrat“ (LW)

2. Dez.: „Am Freitag abend war die Einwohnerschaft Lingens von der Welfen-Partei zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen worden. (…) Leider wurden die Erwartungen der Besucher (…) bitter enttäuscht. Der vorgesehene Referent, Herr Oberst Berger, wandte die übervorsichtige Taktik an, das Feld zu räumen, ehe er überhaupt angegriffen wurde. Den Anlaß dazu gab ihm eine Geschäftsordnungsdebatte, welche dadurch entstand, daß die Einberufer der Versammlung auch (…) die Leitung in ihren Händen wissen wollten. Als die (…) Frage durch den unklugen Widerstand des Herrn Böhmer im Sinne der Versammlungbesucher entschieden worden war, verzichtete Herr Oberst Berger auf seinen Vortrag.“ (LW)

6. Dez.: „Selbst in den erregten heißen Versammlungen des verflossenen Winters behielt die einberufende Partei die Leitung. (…) Diese Beschränkung der Versammlungsrechte blieb erst denjenigen vorbehalten, die in unserer Stadt am energischsten für die Freiheit und Gleichheit kämpfen. Wenn (…) noch nicht einmal nach Eröffnung der Versammlung den Einberufern die Leitung (…) genommen wurde, so war dieses Vorgehen eine um so deutlichere Illustration ‚der Freiheit, die wir meinen‘, als daneben noch unverhüllte Drohungen laut wurden. (…) Niemand (…) wird es uns verdenken, daß wir der Gewalt wichen. (…) Der Vorstand der Deutsch-hannoverschen Partei Lingens“ (LW)

6. Dez.: „Die Ortsgruppe ‚Lingen‘ des Zentralverbandes deutscher Kriegsgeschädigter u. Kriegshinterbliebener konnte am Sonnabend, den 22. Nov. ihr erstes Stiftungsfest, verbunden mit einer Kriegsgefangenenheimkehrfeier, veranstalten.“ (LW)

9. Dez.: „In einer am letzten Donnerstag abend bei Vaupel vom Sozialdemokratischen Wahlverein einberufenen öffentliche Frauenversammlung sprach Frau Jeanette Wolf aus Bocholt über das Thema: ‚Die Stellung der Frau zur Politik, insbesondere zum Sozialismus!‘ (…) Anhand von Tatsachen machte Referentin klar, daß die Sozialdemokratie die einzige Partei ist, die Jahrzehnte lang für die Gleichberechtigung der Frau und für das Frauenwahlrecht eintrat und kämpfte. (…) Alles in Allem zeigte die Versammlung, die von Genossin Lömbker geleitet wurde, daß sich die beiden sozialistischen Parteien in hiesiger Stadt gefunden haben, bereit, Hand in Hand Front gegen den Ansturm von rechts zu machen. (…) als eine ruhige, sachliche Versammlung, wie sie schon längere Zeit nicht mehr hier abgehalten wurde, kann die öffentliche Frauenversammlung angesegen werden.“ (LW)

10. Dez.: „Erhöhung der Steuern auch in Lingen! Wie wir hören, werden sich die städtischen Kollegien in der heutigen Sitzung mit einer Erhöhung der Zuschläge zur Staatseinkommenssteuer (…) befassen müssen. (…) Diese Nachbesteuerung ist (…) also auf recht demokratischer Grundlage gedacht, da besonders die hohen Einkommen – unter Schonung der niederen – hiervon betroffen werden. Obschon andere Städte schon seit Jahren gezwungen waren, ihre Steuern zu erhöhen, hat die Stadt Lingen trotz der erhöhten Kriegsausgaben bisher noch die früheren Steuerprozente behalten können; die geplante Steruererhöhung kann uns deshalb nicht ganz überraschend kommen.“ (LV)
10. Dez.: „Verordnung betreffend Maßnahmen gegen Wohnungsmangel und über Mieterschutz. (…) Es ist verboten, ohne vorherige Zustimmung des Magistrats a) Gebäude oder Teile von Gebäuden abzubrechen b) Räume, die (…) zu Wohnzwecken bestimmt oder benutzt waren, zu anderen Zwecken (…) zu verwenden c) mehrere Wohnungen zu einer zu vereinigen. (…) Der Magistrat“ (LV)

11. Dez.: „Das am verflossenen Sonntag auf dem Sportplatz ‚Kuhweide‘ zwischen der kombinierten Mannschaft des F.C. ‚Borussia‘-Rheine und der ersten Elf des Sportvereins Lingen 1910 ausgetragene Fußballwettspiel führte der trotz des schlechten Wetters zum Sportplatz hinausgezogenen ansehnlichen Zuschauermenge ein echtes Sportbild vor Augen. (…) Seit einiger Zeit hat der Sportverein hinter der Wilhelmshöhe mit der Anlage eines neuen Platzes begonnen, der zum kommenden Frühjahr fertiggestellt sein dürfte.“ (LV)

13. Dez.: „Städtische Kollegien! (…) Dem Antrag der Preisprüfungsstelle, das städtische Kriegswirtschaftsamt abzuschaffen, wurde nicht stattgegeben. Die hiesige Kaufmannschaft soll aufgefordert werden, durch greifbare Angebote den Beweis zu erbringen, daß sie in der Lage ist, die Stadt selbständig mit Lebensmitteln zu versorgen.“ (LV)

17. Dez.: „Städtische Kollegien! (…) Verkauf des Pumpenkolks. Das Gebot des Herrn Jörges, welcher für den ca. 6000 Quadratmeter großen Pumpenkolk 630 Mk. bot, wurde als zu niedrig abgelehnt.

20. Dez.: „Der kath. Arbeiterverein hat in letzter Zeit eine erfreuliche Fortentwicklung in die Breite und Tiefe genommen. Sein Mitgliederbestand hat die Zahl 300 erreicht. (…) Immermehr zeigt es sich, daß der kath. Arbeitervereine die katholische Arbeiterbewegung Lingens darstellt.“ (LV)

20. Dez.: „Zur Bedienung der städtischen Wage, Wartung des Rathauses und Erledigung kleinerer Schreibarbeiten suchen wir alsbald eine geeignete, gewissenhafte Persönlichkeit, welche gleichzeitig in der Lage ist, einfache Reparaturen an der Wage selbständig auszuführen. (…) Für die Stelle kommt in erster Linie ein Kriegsbeschädigter in Frage. (…) Der Magistrat“ (LV)

23. Dez.: „Am Donnerstag, 18. Dezember, fand im Klublokal eine Versammlung zwecks Gründung eines Arbeiter-Turn- und Sport-Vereins statt, welche von weit über 100 Turn- und Sportfreunden besucht war. Genosse Wolters eröffnete die Versammlung und hielt einen Vortrag über die Entstehung des Arbeiter-Turner-Bundes. Genosse Kory erklärte den sofortigen Eintritt des Fußball-Klubs ‚Vorwärts‘.“ (LW)

24. Dez.: „Städtische Kollegien! (…) Zur Beschaffung von Lebensmitteln wurden dem Magistrat 400 000 Mk. bewilligt, welche bei der städtischen Sparkasse angeliehen werden sollen“

31. Dez.: „Am Sonntag vormittag vom Schlachthofe 1 Schwein (ca. 200 Pfd.) entlaufen. Wiederbringer, oder wer Mitteilungen über den Verbleib machen kann, erhält Belohnung. Die Schlachter-Innung.“ (LV)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A.