veröffentlicht am 08.05.2015

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Mai 1915


2. Mai: „Lingen, 30. April. Der erste Maikäfer wurde heute in einem Garten in der Kolonie gefangen.“ (LW)

2. Mai: „Lingen, 30. April. Heute traf eine Anzahl schwer verwundeter Krieger in Lingen ein u. fanden Aufnahme in den hiesigen Lazaretten.“ (LW)

2. Mai: „Ein überaus herzlicher Empfang wurde seitens der katholischen Bevölkerung dem Bischof Dr. Wilhelm Berning bereitet, welcher gestern und vorgestern zum ersten Male als Bischof in seiner Vaterstadt weilte.“ (LW)

5. Mai: „Aus Anlaß des Sieges in den Karpathen hatte die Schuljugend gestern schulfrei.“ (LW)

5. Mai: „Vor einigen Tagen brannte das Haus des Pferdehändlers Dümmer in Brümsel bis auf den Grund nieder. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich wieder, wie wertvoll der Besitz eines guten Geldschrankes ist. Der von der Firma Bern. Rosemeyer in Lingen stammende Schrank war weißglühend (…). Trotz der enormen Hitze fand sich der wertvolle Inhalt des Schrankes bei der Oeffnung unversehrt vor.“ (LW)

8. Mai: „Lingen, 2 Mai. Mit Rücksicht auf die demnächst an verschiedenen Orten des Reiches beschäftigten Gefangenentrupps (…) ersuche ich auch die Herren Lehrer, die Schulkinder vor dem Verkehr mit Gefangenen besonders zu warnen und ihnen einzuschärfen, dass sie alle ihnen etwa von Gefangenen zugesteckten Botschaften nicht in die Briefkästen werfen dürfen, sondern dem Lehrer abgeben müssen. (…) Endlich warne ich ausdrücklich davor, sich den Lager- und Arbeitsplätzen der Gefangenen aus Neugier zu nähern, da bei etwaigem Fluchtversuch der Gefangenen scharf geschossen wird. Der Landrat. v. Lympius“ (LV)

9. Mai: „Seitens der Bezugsvereinigung deutscher Landwirte sind dem Kreise Lingen außer Zuckerfuttermitteln noch eine Reihe anderer Futtermittel angeboten, deren Bezug für den Stadtbezirk Lingen durch den Mühlenbesitzer Hermann Koke hierselbst vermittelt wird.“ (LW)

12. Mai: „Für die Angehörigen der auf dem Felde der Ehre gefallenen Krieger des Reserve-Infanteristen-Regiments Nr. 92 werden in nächster Zeit vom Ersatz-Bataillon gen. Regiments Gedenkblätter ausgegeben. (…) Die Versendung der Gedenkblätter wird voraussichtlich im nächsten Monat erfolgen.“

12. Mai: „England dingt nachgewiesenermaßen durch Agenten in Deutschland verbrecherisches Gesindel, um die deutschen Korn- und Mehllager in Brand zu setzen oder in die Luft zu sprengen. Diese echt englische Niedertracht soll dem Aushungerungsplan unserer Feinde zum Erfolg verhelfen. (…) Alle Kreiseingesessenen werden ersucht, von etwaigen verdächtigen Beobachtungen auf dem schnellsten Wege Kenntnis zu geben. Der Landrat. von Lympius. Der Magistrat. Meyer.“ (LW)

15. Mai: „Zweite Zählung der Kartoffelvorräte. Nach der Verordnung des Bundesrates (…) ist jeder, der am 15. Mai Kartoffeln in Gewahrsam hat, verpflichtet, seinen Vorrat dem Magistrat bis zum 17. Mai des Jahres anzuzeigen, gleichviel ob er Eigentümer ist oder nicht.“ (LV)

16. Mai: „Die Einführung des „Telegraaf“ und der Wochenschrift „De Amsterdamer“ ist durch Verordnung des stellvertrenden Generalkommandos 10. Armeekorps vom 4. Mai 1915 verboten.“ (LW)

16. Mai: „Am Freitag, den 21. Mai, abends 8 ½ Uhr im Hotel Heeger zu Lingen findet ein Vortrag mit lebenden Kriegslichtbildern aus dem jetzigen Kriege statt. Die Kriegslichtbilder zeigen naturgetreue Aufnahmen vom Kriegsschauplatz. (…) Für Kinder hiesiger Schulen findet nachmittags 6 Uhr eine besondere Vorführung statt.“ (LW)

19. Mai: „Warnung an Angehörige von Kriegsgefangenen. (…) Man sollte es nicht für möglich halten, dass es Angehörige von deutschen, in Gefangenschaft geratenen Kriegern gibt, die sich nicht schämen, in ihren Briefen nach den feindlichen Ländern einige in dieser Zeit unvermeidliche Entbehrungen zu einer Notlage aufzubauschen und sich darüber zu beklagen. (…) Manche schreiben sogar Unwahrheiten, wie daß wir keine Kartoffeln mehr hätten. (…) Ein derartiges Treiben grenzt beinahe an Landesverrat.“ (LV)

19. Mai: „Das Rätselhafte. Die Mutter ist mit der kleinen Ilse beim Kaufmann. Der Gehilfe hält einen langen Vortrag über das ungeahnte Steigen der Eierpreise infolge des Krieges, bis Ilse erstaunt fragt: ‚Mutti, woher wissen denn die Hühner, daß wir Krieg mit Russland haben?’“ (LV)

22. Mai: „Alle unsere großen Feste haben wir nun im Kriege bald erlebt, Pfingsten macht den Beschluß. (…) Wenn zu den Feiertagen die, welche es können, ins Grün hinausziehen, bewaffnet mit Brotkarten, die auch eine Siegestrophäe bedeuten, dann fühlen sie sich frei vom schweren Gedanken um den täglichen Tisch.“ (LW)

30. Mai: „Der Plan über die Errichtung einer unterirdischen Telegraphenlinie in der Bahnhofsstraße in Lingen (Ems) liegt bei dem Kaiserlichen Postamt Lingen (Ems) (…) auf 4 Wochen aus.“ (LW)



Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen,
Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Lingener Stadtarchiv, Lingener Stadtarchiv