veröffentlicht am 06.06.2018

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Juni 1918

 
1. Juni: „Lingen, 31. Mai. Die Fronleichnamsprozession fand gestern bei prachtvoller Witterung in üblicher Weise statt. Der Prozessionsweg war trotz des Mangels sovieler Hilfskräfte wiederum prächtig geschmückt. Hervorgehoben zu werden verdient die schöne Ordnung, die diesmal die Prozession auszeichnete.“ (LV)

1. Juni: „In der Woche vom 3. bis 8. Juni sind die Gefangenen-Arbeitslöhne für Monat April der Gefängniskasse zu zahlen. Das Geld ist abgezählt mitzubringen. (…) Gefängnis-Direktion.“ (LV)

4. Juni: „Heute nachmittag fand zwischen dem Schülerfußballklub Germania, Papenburg und dem Schüler-Sportclub Georgianum, Lingen ein Wettspiel statt. Das Spiel hatte einen sehr interessanten Verlauf, der die Zuschauer voll befriedigte. (…) Das erste Tor fiel nach halbstündigem hin- und herwogenden Kampfe für Lingen. Bis zur Halbzeit gelang es der (…) Lingener Stürmerreihe, (…) 3 weitere Tore für sich zu buchen. Nach Torwechsel (…) fielen für sie 5 weitere Tore. (…) Anerkennung verdienen vor allen noch die Papenburger Verteidiger, die aber trotz größter Mühe eine Niederlange von 9:0 Toren nicht verhindern konnten.“ (LW)

4. Juni: „Die Ludendorff-Spende, deren vorläufiger Gesamtbetrag etwa 60 Millionen insgesamt einbrachte, hat auch in Lingen tatkräftige Anteilnahme aus allein Kreisen der Bevölkerung erfahren; ein Zeichen immer noch vorhandenen Opfersinns.“ (LW)

5. Juni: „Zur Förderung des überaus wichtigen Bonifatiusvereins sollen in diesem Jahre in der ganzen Diözese sog. Bonifatiustage mit besonderer kirchlicher und auch außerkirchlicher Feier veranstaltet werden. In einigen Pfarren sind solche Bonifatiustage bereits mit gutem Erfolge gefeiert worden. Für unsere Pfarre Lingen, die dem hl. Bonifatius besonders geweiht ist, gilt naturgemäß der nächste Sonntag, an welchem wir unseren großen Kirchenpatron feiern, als Bonifatiustag.“ (LV)

6. Juni: „Diese Nacht wurden auf dem Marktplatze zwei entwichene Kriegsgefangene (ein Engländer und ein Belgier) festgenommen und der Militärwache übergeben. Sie sind in der Umgebung Verdens a. d. Aller bei Landwirten in Arbeit und bereits die 16. Nacht unterwegs gewesen.“ (LW)

6. Juni: „Gestern fand die waffenpolizeiliche Bereisung des Dortmund-Emskanals zwischen Hanekenfähr und Meppen statt. Es nahmen an ihr teil die Herren Oberpräsidenten der Provinzen Hannover und Westfalen sowie die Waffenbaubehörden und die Herren Landräte.“ (LW)

6. Juni: „Die hier vor einigen Wochen eingerückte Übungskompagnie hat heute unsere Stadt wieder verlassen. Zu ihrer Besichtigung waren der Regiments- und der Bataillonskommandeur aus Leer und Meppen erschienen.“ (LW)

8. Juni: „Zu der morgen nachmittag 5 Uhr im Naave’schen Saale stattfindenden Festveranstaltung (Bonifatius-Feier) haben auch Frauen Zutritt.“ (LV)

8. Juni: „Das Verzeichnis der von den Pferde- und Rindviehbesitzern in der Stadt Lingen zu erhebenden Beträge zur Entschädigung für an Milzbrand gefallene Tiere liegt vom 10. Juni bis 25. Juni d. J. 14 Tage lang zu Jedermanns Einsicht im Magistratsbüro während der Dienststunden aus. (…) Der Magistrat.“ (LV)

8. Juni: „Heiratsgesuch. Handwerksmeister, Witwer, mit schuldenfreiem Anwesen sucht sich mit einer älteren Dame von 35 bis 40 Jahren oder kinderlosen Witwe zu verheiraten.“ (LV)

12. Juni: „Bringe jeder sein Gold in der Gold- und Juwelenankaufswoche vom 16.-23. Juni 1918 zur Goldankaufsstelle Lingen (Deutsche Nationalbank)“ (LV)

15. Juni: Das diesjährige Fest unseres Kirchenpatrons, des hl. Bonifatius, hat einen überaus würdigen und segensreichen Verlauf genommen. Galt es doch, in diesem Jahre das Patronatsfest zu einem wahren Bonifatiustag zum Besten des wichtigen Bonifatiusvereins zu gestalten. (Herr Pastor Lange – Bremen) führte ungefähr folgendes aus: Im Jahre 1914, wenige Tage vor Ausbruch des Krieges, war hier in Lingen der Arbeiterdelegiertentag. Wir alle waren damals einig darin, daß wir, komme, was da wolle, treu bleiben und treu stehen wollen zu den Idealen unseres katholischen Glaubens (…). Vier Jahre schwerster Zeit liegen dazwischen. Die Welt ist eine ganz andere geworden. Werte sind umgewertet worden; Idole, zu denen man früher geschworen hat, sind gestürzt. (…) Aber eines ist geblieben (…): unser hl. Glaube.“ (LV)

15. Juni: „Das Ende des silbernen Zweimarkstückes ist nun gekommen. Wer solche noch in seinem Besitze hat, der tausche sie bei einer Reichs- oder Landesbank sofort um, denn diese Kassen tauschen nur noch bis zum 1. Juli 1918 um.“ (LV)

15. Juni: „(Es) wird nach Anhörung des Kreistierarztes die tierärztliche Impfung der Schweinebestände gegen Rotlauf in den Gemeinden Laxten, Clusorth-Bramhaar und in der Stadt Lingen angeordnet. (…) Die vorstehende Anordnung ist deshalb erlassen, weil während der Kriegsjahre der Rotlauf in den genannten Orten häufig und bösartig aufgetreten ist (…). Der Landrat.“ (LV)

15. Juni: „Es wird darüber Klage geführt, daß Kinder durch Betreten der Kornfelder, um Blumen zu pflücken, beträchtlichen Schaden anrichten. Die Eltern werden aufgefordert, die Kinder durch nachdrückliche Verwarnung vom (…) Betreten abzuhalten. (…) Der Magistrat“ (LV)

18. Juni: „In letzter Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß die Gemeindeeingesessenen beim Ausbruch von Waldbränden usw. sich an den Löscharbeiten nur in geringem Maße beteiligt haben. Ich erwarte, daß in Zukunft bei dem Entstehen der fraglichen Brände in der eigenen oder auch Nachbargemeinde möglichst jede männliche Person aufs schleunigste Löschhülfe leistet. Der Landrat.“ (LW)

18. Juni: „Ein allgemeines Verbot der Tischwäsche in Gastwirtschaften, Kaffees, Konditoreien, (…) tritt bekanntlich mit dem 1. Juli ausnahmslos und bedingungslos in Geltung. Die so ersparte Wäsche soll zu Säuglingswäsche verarbeitet werden. (…).“ (LW) 

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Stadtarchiv Lingen