veröffentlicht am 05.01.2018

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Januar 1918

 
5. Jan.: „Hunde an die Front! Es eignen sich der deutsche Schäferhund, Dobermann, Airedale-Terrier und Rottweiler, auch Kreuzungen aus diesen Rassen (…). Sie müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Aufs Beste werden die Diensthunde gepflegt und gefüttert. Die Hunde werden (…) im Erlebensfalle nach dem Kriege an ihre Besitzer zurück gegeben. (…) Hunderten unserer Soldaten ist durch Abnahme des Meldeganges durch die Meldehunde das Leben erhalten worden.“ (LV)

9. Jan.: „Wegen der anhaltenden Papiernot können wir leider die vorliegende Nummer nur zweiseitig erscheinen lassen.“ (LV)

9. Jan.: „Der Bäckereibetrieb des Bäckermeisters Kleinschmidt Rheinerstraße hierselbst ist bis zum Ablauf dieses Monats für den Brotverkauf an Einwohner der Stadt Lingen geschlossen, weil der Betriebsinhaber sich (…) als unzuverlässig erwiesen hat, insbesondere weil in seinem Betriebe Brot ohne Brotmarken verkauft worden ist. (…) Der Magistrat“ (LV)

10. Jan.: „Versammlung der städtischen Kollegien (…). Das Vorhandensein einer Unterkunftsgelegenheit für Obdachlose wurde als dringend notwendig angesehen und demgemäß beschlossen, wenn möglich, einen solchen Unterkunftsraum – möglichst für 2 Familien geeignet – zu ermieten.“ (LW)

10. Jan. Lindenhof ist wegen Mangel an Heizmaterial und Beleuchtung bis auf weiteres geschlossen.“ (LW)

11. Jan.: „Abschied der Post.* St. Andreas heiliger Tag / Hat der Post ein End gemacht. / Zwei Jahrzehnte ist sie gefahren, / hat viel erlebt in 20 Jahren. (…) Wenn in Estringen und Bramsche bei Lingen / Die Post verweilt in geschäftlichen Dingen, / Wenn sie von Lingen nach Lünne kam / Begeistert strömte dann die Jugend heran. / Und alt und jung, sie holten geschwind, / Was die Stadt für das Land so nötig bringt. (…) *Das Privatpersonenfuhrwerk Lingen-Plantlünne ist bekanntlich am 30. November eingegangen.“ (LV)

12. Jan: „Lingen, den 10. Januar 1918. Im Bereiche des X. Armeekorps ist vielfach beobachtet worden, daß die Zugpferde der Zivilbevölkerung allgemein nicht genügend geschont werden. Nicht selten sollen viel zu schwer beladene Wagen selbst bergan fortbewegt werden, wobei noch dazu der Wagenlenker statt abzusteigen, auf dem Fuhrwerke verbleibt und (…) mit der Peitsche auf die Pferde einhaut. Ueberaus tadelnswert erscheint es auch, daß Pferde, oft sogar recht dürftig ernährte und schwächliche, zu übermäßig rascher Gangart angetrieben werden (…). Ferner sind Fälle vorgekommen, in denen Pferde (…) in der rohesten und unbarmherzigsten Weise tatsächlich mißhandelt werden, sodaß sie häufig schwere Verletzungen davontrugen, in deren Folge eine Wiederherstellung der Tiere nicht mehr möglich war. (…) Derartige Rücksichtslosigkeiten und Rohheiten müssen schon im Frieden auf das Schärfste mißbilligt werden (…). Von der Bevölkerung muß erwartet werden, daß sie (…) bezügliche Ausschreitungen bei den Polizeibehörden zur Anzeige bringt. Der Landrat. Der Magistrat.“ (LW)

17. Jan.: „Da uns vom Reichskommissar für Kohlenverteilung in Berlin zu wenig Kohlen bewilligt sind, sind wir leider gezwungen, die Züge morgens 8,30 ab Lingen und 9,35 ab Gersten vom Freitag den 18. d. M. an bis auf weiteres ausfallen zu lassen. (…) Kleinbahn Lingen-Berge-Quakenbrück G.m.b.H.“ (LW)

17. Jan.: „Ungeheure Schneemassen sind in den letzten Tagen gefallen. (…) Die Schneemassen führten auch in Lingen zu Verkehrsstörungen, u.a. beim Telegraphen- und Telephon-Verkehr. Die Pferde haben besonders unter den fast ungangbar verschneiten Fahrwegen zu leiden.“ (LW)

22. Jan: „Die Hochwassergefahr der Ems hat gestern ihren Höhepunkt erreicht (…). So ist z.B. die Kuhweide völlig unter Wasser und der Weg von der Friedhofsbrücke zur ehem. Langschmidtschen Fabrik an seiner tiefsten Stelle meterhoch überflutet, sodaß die Anwohner mittels Kähnen den Verkehr aufrecht erhalten müssen. Die städtische Turnhalle ist vom Wasser eingeschlossen. Die Wärterwohnungen der städt. Badeanstalten sind z. Zt. unbewohnbar (…). Das Gelände hinter dem Lindenhof und gegenüber ist alles in einen See verwandelt. Gestern mittag zeigte die Ems 3,74 Meter Wasserstand (…). Seit dem Hochwasser in den Jahren 1880/81, in welchem die Ems bei Lingen einen Höchststand von 13 Fuß erreichte, ist der heutige Wasserstand der höchste (11 Fuß 10 Zoll).“ (LW)

24. Jan.: „Das Pferd der Firma Albers u. Co., hierselbst, Am Wall 14, ist an Räude erkrankt.“ (LW)

26. Jan.: „Am nächsten Montag, 28. Januar, findet im hiesigen Rathause (…) die Bürgervorsteherwahl statt. (…) Seitens der Zentrumspartei ist aufgestellt Herr Kaufmann Aug. Löning, dem wir die Stimme geben zu wollen bitten.“ (LV)

26. Jan.: „Beamten und Arbeiter! Wählt zu der (…) Bürgervorsteherwahl unseren Kandidaten Herrn Eisenbahnwerkführer Peter Kirchner. Die Vorstände der Beamten- und Arbeiterverbände“ (LV)

29. Jan.: „In der letzten Ausgabe unseres Blattes ist in der Notiz über Bürgervorsteher-Wahl ein Versehen unterlaufen, indem der Kgl. Eisenbahnwerkführer irrtümlich als Hilfswerkführer bezeichnet wurde.“ (LW)

30. Jan.: „28. Jan. Die heutige Bürgervorsteherwahl brachte folgendes Resultat: Es wurde gewählt Herr Eisenbahnwerkführer Peter Kirchner mit 133 Stimmen.“ (LV)

30. Jan.: „Kaisergeburtstag – zum vierten Male im Weltkrieg – wurde auch in Lingen dem Ernste der Zeiten entsprechend, würdig gefeiert. Das Königl. Gymnasium Georgianum veranstaltete bereits am Samstag nachmittag in der Aula einen Festakt (…). Auch in der städt. Höheren Mädchenschule und in den Volksschulen fanden entsprechende Feiern statt. Glockengeläute, Böllerschüsse, reicher Fahnenschmuck und wahres Kaiserwetter gaben dem Festtage sein Gepräge. In den Kirchen fanden Festgottesdienste statt und darauf versammelten sich die Militärvereine auf dem Markte (…). Abends 8 Uhr war im Hotel Nave eine Festversammlung unter Vorführung von Lichtbildern aus der Geschichte der Hohenzollern. (…) Kaisers Geburtstag feierte der im Dezember vor. Js. hier ins Leben gerufene gemischte Chor ‚Liederkranz‘ im Neerschulte’schen Saale in Schepsdorf, Inanbetracht des vaterländischen Zweckes war den Mitgliedern gestattet, gemeinsam den Grenzstreifen zu betreten.“ (LV)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Stadtarchiv Lingen