veröffentlicht am 06.06.2017

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Juni 1917

 
6. Juni: „Seltener Karpfenfang. Diese Tage wurden in der Ems zu Hanekenfähr 3 schwere Karpfen gefangen, deren Gesamtgewicht über 30 Pfund betrug.“ (LV)

6. Juni: „Wie eine Revision des Feuerlöschwesens auf dem Lande ergeben hat, werden die Spritzenhäuser zur Unterbringung von Gefangenen und als Arrestlokale benutzt. Im Bezug auf den Feuerschutz ist diese Verwendung durchaus unzweckmäßig, da hierdurch den Gefangenen hinreichend Gelegenheit gegeben wird, durch Zerschneiden der Schläuche und durch Beschädigung des Pumpenwerkes die Feuerlöschvorrichtungen unbrauchbar zu machen. (…) Ferner ist festgestellt worden, daß ein recht erheblicher Teil der Brände auf Brandstiftung und eine Außerachtlassung der feuerpolizeilichen Vorschriften zurückzuführen ist. In 43,066% der gemeldeten Fälle liegt erwiesene oder mutmaßliche Brandstiftung vor, 19,709% entfallen davon auf Brandstiftung durch Kinder und Jugendliche. Es ist deshalb Pflicht der Eltern darauf zu achten, daß Kinder nicht in den Besitz von Streichhölzern gelangen (…). Der komm. Landrat: Pantenburg.“ (LV)

9. Juni: „Mehrfach sind von hiesigen Kaufleuten ungültige Bezugsabschnitte für die Lebensmittelverteilung dem Kriegswirtschaftsamte abgeliefert und zwar in einem Umfange, daß nicht ein Versehen, sondern ein Täuschungsversuch anzunehmen ist. Wer sich derartiger Täuschungsversuche schuldig macht, wird in Zukunft von der Lebensmittelüberweisung ausgeschlossen. (…) Der Magistrat“ (LW)

13. Juni: „11. Juni 1917. Am Freitag v. W. starb im hiesigen Bonifatius Hospital der Landsturmmann Oljeschläger. Heute Vormittag wurde er mit militärischen Ehren zum Bahnhof gebracht, um von dort in seine Heimat Haterson (Ostfrld.) überführt zu werden.“ (LV)

13. Juni: „Am 7. ds. Monats fand hier der Opfertag für die U-Bootspende statt. (…) Insgesamt ergab (…) die Sammlung 1673,36 M.“ (LW)

16. Juni: „In letzter Zeit haben sich die Anträge auf Genehmigung zur Benutzung einer Fahrradbereifung derartig gemehrt, daß eine Berücksichtigung sämtlicher Anträge nicht zu erwarten ist. (…) Für einen Haushalt wird nur eine Bereifung freigegeben, wenn nicht besonders triftige Gründe für die Vergabe einer zweiten Bereifung sprechen. (…) Der komm. Landrat: Pantenburg“ (LV)

16. Juni: „In letzter Zeit ist es häufig vorgekommen, daß Weidevieh durch wildernde Hunde gejagt und gebissen worden ist. Teilweise ist das Vieh derartig von Hunden gebissen, daß eine Notschlachtung erfolgen mußte. Um weitere Schäden zu verhüten, werden die Hundebesitzer des hiesigen Kreises aufgefordert, diejenigen Hunde, welche Neigung zum Wildern zeigen, wenigstens für die Dauer der Weidezeit anzuketten. Hierbei mache ich noch darauf aufmerksam, daß (…) frei umherlaufende, wildernde Hunde durch Jäger usw. abzuschießen sind. Der komm. Landrat.“ (LW)

20. Juni: „Um Irrtümern vorzubeugen, sei mitgeteilt, daß die Ferienkinder so lange bleiben, als die Pflegeeltern es wünschen. Fast alle Pflegeeltern haben sich bereit erklärt, ihr Kind vorläufig noch zu behalten, ein Wechsel der Kinder ist deshalb auch nicht vorgesehen. Es darf den Kindern nicht gestattet werden, in den kommenden Sommerferien auf eine oder andere Woche nach Hause zu fahren. Ebenso sollen die Pflegeeltern einen Besuch von seiten der Eltern oder Angehörigen nicht zulassen, noch weniger dazu einladen. Wenn in einzelnen Fällen der längere Verbleib eines Kindes nicht möglich ist, so wolle man sich nicht direkt an die Eltern, sondern an Herrn Kaplan Sudendorf wenden. Ein solches Kind wird dann entweder in einer anderen Familie untergebracht oder in die Heimat zurückbefördert.“ (LV)

20. Juni: „Seit mehreren Tagen wütet im Elbergener Moor ein weit ausgedehnter heftiger Brand. Die Eisenbahnhaupt-Werkstätte alarmierte ihre Löschmannschaften. Das Landsturmbataillon rückte zur Hilfe aus. In Wirbelsäulen lodert die Flamme allenthalben empor, wirbelt weiter und schafft bei der großen Dürre immer neue Brandheerde. Gestern Abend lag dichter Moorrauch von der Brandstelle herkommend über Lingen. (…) Am 18. Juni fand dann auch noch ein Waldbrand in der Kgl. Oberförsterei Lingen, Schutzbezirk Lingen, in der Nähe der Stadt Lingen statt, der glücklich gelöscht werden konnte. (…) Verbrannt sind auf 2 ½ Morgen eine gutwüchsige 12-17jährige Kiefernkultur. Der Brand ist durch junge Leute entstanden, die trotz des strengen Verbotes im Walde geraucht haben.“ (LV)

23. Juni: „(Es) häuften sich im vorigen Herbst auch in Lingen die Feld- und Gartendiebstähle in recht bedenklicher Weise. Es beteiligten sich daran leider nicht nur die wenigen hier und in der Umgegend auch früher schon bekannten Langfingerfamilien, sondern vereinzelt auch, verführt von schlechten Kameraden, aufsichtslose Sprößlinge braver Eltern (…) Auf Feld und Flur reift auch heute wieder die in der jetzigen schweren Zeit doppelt und dreifach wertvolle Gottesgabe heran.“ (LW)

23. Juni: „Die Maschinenschreiberin Frl. Louise Wissel rettete am Sonntag d. 17. d. Mts. das in den Dortmund-Ems-Kanal gefallene vierjährige Söhnchen des seit Kriegsbeginn im Felde stehenden Eisenbahnarbeiters Weßky unter eigener Lebensgefahr. (…) (Sie sprang) mit ihrer ganzen Kleidung in den an dieser Stelle ca. 3 m tiefen Kanal (…).“ (LW)

30. Juni: „Herr Generalmajor Hiepe, Leiter der militärischen Vorbereitung der Jugend im Bereiche des X. A.-K., traf von Hannover am Dienstagnachmittag zur Besichtigung der Jugendkompagnien des Kreises Lingen hier ein. Von diesen hatten sich auf dem Exerzierplatz (Kuhweide) eingefunden: Die Kompagnie Lingen unter ihrem Führer Oberbahnassistent Woeste, Andervenne (…), Freren (…), Lengerich (…), Schapen (…), Wettrup, insgesamt 15 Führer und Helfer und 317 Jungmannen. Diese starke Beteiligung, die alle Erwartungen übertraf in Anbetracht der Heuernte, durch die noch mehrere ländliche Kompagnien am Erscheinen verhindert waren, ist für sich schon ein Beweis, wie feste Wurzeln die Jugendwehr im Kreise Lingen gefaßt hat.“ (LV)

30. Juni: „Da der bisherige Müllabfuhr-Unternehmer die Abfuhr zum 1. Juli d. J. gekündigt hat und auf unsere öffentliche Ausschreibung die Anstellung eines anderen Unternehmers nicht gelungen ist, muß die städtische Müllabfuhr vom 1. Juli d. J. an eingestellt werden. Den hiesigen Einwohnern wurde gestattet, (…) ihren Müll selbst auf dem derzeitigen Abladeplatze am Wege ‚an der Kuhweide‘ hierselbst abzulagern. (…) Der Magistrat“ (LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


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