veröffentlicht am 08.05.2017

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Mai 1917

 
2. Mai: „Auf Anregung der Kriegsamt-Nebenstelle Osnabrück fordern die nachbenannten Frauenvereine der Stadt Lingen ihre Mitglieder auf, ihre Dienstboten, so weit es ihnen möglich ist, tage- oder wochenweise zu Landarbeiten, zunächst zu ihren verwandten oder bekannten Familien zu entlassen, um dem Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande zu steuern. Der Eisenbahn-Frauenverein. Der Elisabethen Verein. Der Evangelische Frauenverein. Der Vaterländische Frauenverein. Der Zweigverein Lingen des Kath. Frauenbundes.“ (LV)

5. Mai: „Sämtliche Lebensmittel-Marken verloren! Gegen Belohnung abzugeben in der Exped.“ (LV)

6. Mai: „Der Kreisausschuß hat für den Kreis Lingen eine Arbeitsvermittlungsstelle eingerichtet. Dieselbe befindet sich im Lokale der Kreislandkrankenkasse in Laxten. Die Kreiseingesessenen werden ersucht, sich der Vermittlungsstelle zu bedienen. Der komm. Landrat.“ (LW)

9. Mai: „Ferienkinder. Diejenigen Familien, welche am Montag kein Kind bekommen haben, können in der allernächsten Zeit ein solches erhalten. Es ist aber notwendig, daß sie sich von neuem wieder anmelden. Sämtliche Anmeldungen, sowie alle Anfragen und Wünsche wegen der bereits untergebrachten Kinder sind zu richten an Herrn Kaplan Sudendorf.“ (LV)

9. Mai: „Schepsdorf, 4. Mai. Heute beging die Pfarrgemeinde Schepsdorf (…) das goldene Priesterjubiläum ihres Pfarrers (…) Heribert Thien, der 1844 in Bokel bei Aschendorf geboren, 1867 in Cincinnati (Nord-Amerika) geweiht, (…) seit 1897 als Pfarrer von Schepsdorf wirkt. (…) Das (Geschenk) des Kirchenvorstandes, 1725 Mk. zur Errichtung eines Denkmals für die gefallenen Krieger auf dem Friedhofe, (ist) hervorzuheben.“ (LV)

9. Mai: „Infolge der langen Kriegsdauer ist es zur unumgänglichen Notwendigkeit geworden, die größte Sparsamkeit zu üben (…). Eine schwere Zeit steht uns bevor. (…) Viele Familien verfügen über ein Arsenal von Vorräten an Bekleidungsmaterial, die in den Schränken, auf Böden und Rumpelkammern meist doch nur von Motten zerfressen werden. (…) Annahmestellen sind eingerichtet: 1. bei dem Kaufmann Aug. Löning, hier, am Markt, 2. bei dem Kaufmann Koch, hier, Burgstraße, 3. bei dem Händler B. Focks in Freren. Der komm. Landrat“ (LW)

9. Mai: „Verordnung über Lebensmittelkarten. (…) Die Lebensmittelkarte lautet auf den Namen (…). Die Karte sowie ihre Bezugsabschnitte sind nicht übertragbar. (…) (Der Magistrat) ist befugt, nur bestimmte Kleinhändler beim Vertrieb (…) zuzulassen. (…) Der Kleinhändler hat dem städt. Kriegswirtschaftsamte (…) die von ihm abgetrennten Bezugsabschnitte zu je 100 Stück gebündelt oder auf eine Schnur aufgereiht einzusenden. (…) Diese Verordnung tritt am 14. Mai ds. Js. in Kraft. Die Verbrauchsregelung durch Kundenliste wird aufgehoben. (…) Der Magistrat.“ (LW)

11. Mai: „Die Feinde versuchen, (…) den schändlichen Aushungerungsplan durchzusetzen. (…) Sie senden (den Kriegsgefangenen) in Brot, Kuchen, Schokolade, Zigaretten usw. verpackt, Apparate, um die Keime der Saatkartoffels auszustechen, Mittel, die Lager der Maschinen zu beschädigen, Apparate zur Brandstiftung, die so raffiniert eingerichtet sind, daß sie erst mehrere Stunden nach der Anwendung zünden, Pastillen zur Verseuchung des Viehs usw. (…) Bewacht die Kriegsgefangenen, welche bei Euch arbeiten, gut, beobachtet sie (…). Traut keinem Kriegsgefangenen (…), auch wenn er noch so deutschfreundlich tun sollte. (…) gez. v. Hänisch, General der Infanterie“ (LW)

16. Mai: „Die sämtlichen männlichen Personen des Kreises Lingen einschl. Stadt Lingen, welche im Jahre 1900 geboren sind, werden hierdurch (…) aufgefordert, sich (…) zur Landsturmrolle anzumelden. (…) Der komm. Landrat“ (LW)

23. Mai: „Dem Offizier-Stellvertreter H. Stinner aus Lingen wurde für außerordentliche Verdienste an der Irakfront der türkische Halbmond verliehen.“ (LV)

23. Mai: „Die neu angemeldeten Ferienkinder aus Recklinghausen-Süd kommen morgen (Donnerstag) Nachmittag 539 Uhr. Die Pflegeeltern werden gebeten, dieselben am Bahnhof in Empfang zu nehmen.“ (LV)

23. Mai: „An den beiden Pfingsttagen wird der hiesige Kaninchenzuchtverein in den Naveschen Anlagen seine 5. Ausstellung begehen. Es ist dieses im Interesse der Fleischgewinnung in jetziger schwerer Zeit zu begrüßen.“ (LV)

26. Mai: „Kath. Kreuzbündnis. Am Christi-Himmelfahrtstage hatten die Ortsgruppen Lingen und Laxten ihre gemeinschaftliche hl. Kommunion. Nachmittags war Versammlung und feierliche Aufnahme der Kinder in den Schutzengelbund. (…) Das Kreuzbündnis, welches auf 5jähriges Bestehen zurückblicken kann, ist trotz der vielen wackeren und eifrigen Mitglieder, welche zum Heere einberufen sind, erhalten geblieben.“ (LV)

26. Mai: „Pfingstverkehr. Die Lokomotiven und Wagen werden augenblicklich für die Bedürfnisse der kämpfenden Heere, der Volksernährung und der Kriegswirtschaft gebraucht. Für Zwecke des Personenverkehrs stehen sie nur in geringem Umfange zur Verfügung. (…) Der Ernst der Stunde verlangt dringend, daß die sonst üblichen Ausflüge und Vergnügungsfahrten zu Pfingsten unterbleiben. (…) Der komm. Landrat.“ (LW)

26. Mai: „U-Boot-Spende. (…) In der ersten Juni-Woche werden Einzeichnungslisten von Haus zu Haus herumgereicht werden und am 7. Juni wird ein Opfertag abgehalten mit Büchsensammlung und Verkauf von Erinnerungsmedaillen etc. (…) Der Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins Lingen. Der Vorstand des Marinevereins Lingen.“ (LV)

30. Mai: „Am Samstag kamen 60 Verwundete hier an. Zur Wilhelmshöhe kamen 30, zum Krankenhaus 7 und nach Nave 23 Verwundete. Ein weiterer Verwundetentransport ist am Dienstag abend 11 Uhr eingetroffen. Die Verwundeten wurden verteilt auf das Vereinslazarett Gesellenhaus 43, Krankenhaus 23 und zur Wilhelmshöhe 14.“ (LV) 

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A.