veröffentlicht am 04.03.2015

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

März 1915


3. März: „In Veranlassung eines Erlasses des Herrn Reichskanzlers ersuchen wir die Bäcker dringend, in den nächsten Monaten nach Möglichkeit die frischen ungetrockneten Kartoffeln ins Brot zu verbacken. (…) Der Magistrat. Meyer.“ (LV)

6. März: „Nach heute eingetroffener Nachricht hat die Reichsverteilungsstelle die Höchsttageskostmenge an Mehl endgültig auf 200 Gramm festgesetzt. (…) Die Brotkarten, welche in der nächsten Woche ausgegeben werden, (…) haben deshalb eine geänderte Einteilung erhalten. (…) Der Magistrat. Meyer.“ (LV)

7. März: „Zeichnet die zweite Kriegsanleihe. (…) Die Anleihe dient ebenfalls zur Beschaffung der Geldmittel, deren das Reich zur siegreichen Durchführung des ihm aufgezwungenen Weltkrieges unbedingt bedarf. Die Anleihe steht den in Frieden ausgegebenen Anleihen des Reichs an Wert und Güte vollständig gleich (…). Dagegen bietet sie den Zeichnern viel günstigere Bedingungen als in Friedenszeiten.“ (LW)

10. März: „7. März. Im „Club“ tagte heute eine gut besuchte Versammlung des Zentralverbandes Deutscher Eisenbahner und des Elberfelder Reichskartells, die sich mit den englischen Aushungerungsplänen beschäftigte. Der Redner, Geschäftsführer Gutsche-Elberfeld (…) erörterte (…) die Pflichten der Hausfrauen (Kriegsküche), die Pflichten der Männer (Kriegsgerichte essen), die Pflichten der wohlhabenden Volksschichten, die der Organisationen, der Landwirte, des Staates und der Kommunen. Andererseits richtete die Versammlung an alle verantwortlichen Stellen (…) das dringende Ersuchen (…), die allgemeine Kartoffelknappheit und Kartoffelteuerung zu beseitigen, da auf diesem Gebiet die Zustände unhaltbar geblieben sind. Die Versammlung beauftragte ihre Zentralstelle (…) zu erwägen, ob wir nicht nach dem siegreich beendeten Kriege (…) die Ablösung der Privatmonopole im Getreide-, Mehl- und Kartoffelgroßhandel durch Staatsmonopole anstreben sollten.“ (LW)

10. März: „Um anscheinend hervorgetretene Zweifel auszuschließen, machen wir darauf aufmerksam, daß im Stadtbezirke Lingen für den Verkauf von Kartoffeln an Konsumenten keine Höchstpreise gelten (…). Der Magistrat. J. Meyer.“ (LV)

13. März: „Bekanntmachung betr. Erhebung der Kartoffelvorräte. Nach Verordnung des Bundesrats (…) ist jeder, der am 15. März Kartoffeln in Gewahrsam hat, verpflichtet, seinen Vorrat dem Magistrat bis zum 17. März d.J. anzuzeigen, gleichviel ob er Eigentümer ist oder nicht. (…) Wer (…) unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. (…) Der Magistrat. Meyer.“ (LV)

17. März: „Der Kartoffelhändler, mit welchem die Stadt einen Vertrag auf Lieferung von 16 Waggon Kartoffeln abgeschlossen hatte, stellte den Antrag, ihn von der Lieferung derselben zu entbinden, da es ihm nicht möglich sei, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Antrag wurde einstimmig abgelehnt (…).“ (LV)

20. März: „Mit dem 20. d.M. tritt für (…) die Kreise Aschendorf, Meppen, Bentheim und Lingen die Bestimmung in Kraft, daß bis auf weiteres sämtliche Briefe offen auszuliefern sind. Sendungen von oder an Staatsbehörden sind ausgenommen.“ (LV)

24. März: „Bei der hiesigen Reichbanknebenstelle sind insgesamt 1 Million 826 Tausend Mark Kriegsanleihe gezeichnet worden.“ (LW)

24. März: „Für den ganzen Bezirk des X. Armeekorps (…) bestimme ich: Die Polizeistunde darf in keinem Falle über 12 Uhr nachts ausgedehnt werden. (…) An Sonntagen und den gesetzlichen Feiertagen ist jeder Ausschank von stark alkoholischen Getränken (…) verboten. (…) Öffentliche Tanzlustbarkeiten sind verboten. (…) Der kommandierende General.“ (LV)

24. März: „Wir sind wiederholt ersucht worden, darauf hinzuweisen, daß es nicht angebracht sei, während der Kriegszeit das herkömmliche Volksfest, das Eierpicken zu Ostern, auch in diesem Jahre zu feiern. Das ganze deutsche Volk leidet schwer. (…) Da auch noch der übliche Festplatz, die Wilhelmshöhe, für die verwundeten Krieger reserviert ist und darum nicht benützt werden kann, so darf man wohl erwarten, daß das Eierpicken in diesem Jahre ausfällt.“ (LV)


Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen,
Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A., o.A.