veröffentlicht am 06.03.2017

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

März 1917

 
1. März: „Elbergen. In vergangener Nacht gelang es der Wache auf der Eisenbahnbrücke zwei Franzosen, die die Brücke kriechend zu passieren suchten, gefangen zu nehmen, leider ist der Dritte in der Dunkelheit entkommen, trotzdem der Posten mehrere Schüsse auf den Flüchtling abgab. Heute nachmittag wurden unweit unseres Ortes zwei Russen gefaßt. Die Franzosen kamen von Hesepe bei Bramsche, die Russen von Burgsteinfurt. Die Franzosen waren mit Schokolade und feinem Gebäck versehen, die Russen führten nichts bei sich.“ (LV)

7. März: „Wer von dem Aufenthalt eines Fahnenflüchtigen oder einer Militärperson, welche von ihrer Truppe oder Dienststellung sich eigenmächtig entfernt hat oder ihr vorsätzlich fernbleibt oder den ihr erteilten Urlaub eigenmächtig überschreitet und sich verborgen hält oder sich auf andere Weise der militärischen Kontrolle entzieht, glaubhafte Kenntnis erhält, hat der nächsten Militär-oder Polizeibehörde von deren Aufenthalt unverzüglich Anzeige zu machen.“ (LW)

7. März: „Infolge anhaltenden Mangels an Kohlenzufuhr hat das Gaswerk nur noch für einige Tage Kohlen. Falls unsere bei allen zuständigen Stellen dringlichst eingesetzten Bemühungen um Kohlenzufuhr keinen Erfolg haben sollten, muß das Gaswerk stillgelegt werden. Um dieses möglichst lange hinauszuschieben, wird jeder Gasverbrauch nach 9 Uhr abends von Montag, den 12. ds. Mts. an untersagt. Zuwiderhandelnden wird die Gaslieferung gesperrt. (…) Der Magistrat.“ (LW)

7. März: „Die Herren Bäckermeister des Kreises und der Stadt ersuchen wir, sich am Freitag, den 9. ds. M. nachmittags Punkt 3 Uhr zu einem Vortrage des Herrn Bäckermeisters Brockmann aus Osnabrück über die Behandlung des nach den neuen Vorschriften hergestellten Mehles im heegerschen Saale in Lingen einzufinden. (…) Der Landrat. Der Magistrat.“ (LV)

10. März: „In 2 Versammlungen, von denen die eine Montag in Thuine u. die andere Dienstag in Suttrup gehalten wurde, hielt die Schwester Romedia vom Georgsstift auf Anregung des Landrats vor zahlreich erschienenen Hausfrauen und Töchtern einen Vortrag über Ernährung u. Haushaltung in jetziger Kriegszeit.“ (LW)

10. März: „Wegen des zurückgegangenen Schlachtbetriebes ist das Schlachthaus bis auf weiteres nur noch geöffnet: Montags, Mittwochs und Donnerstags von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 6 Uhr nachmittags. Der Magistrat.“ (LW)

15. März: „Der An- und Verkauf von Legehühnern ist streng untersagt. Die Händler und Landwirte werden erneut darauf hingewiesen, daß sie auch Geflügel nur gegen Fleischkartenabschnitte verabfolgen dürfen. Der Landrat.“ (LW)

17. März: „In mehreren Orten unseres Kreises werden in den nächsten Tagen aufklärende Volksversammlungen des kath. Volksvereins abgehalten, deren Besuch auch im Vaterländischen Interesse dringend empfohlen wird.“ (LV)

17. März: „Wegen der schlechten Zugverbindung muß sich der Kreislehrerverein teilen, die Mitglieder im südlichen Bezirk werden ihre Versammlung am Mittwoch d. 21. d. Mts. bei Herrn Breloh in Leschede abhalten, wogegen der andere Teil wie sonst in Lingen tagen wird.“ (LV)

23. März: „Der Frühling hat sich diesmal recht wenig frühlingsgemäß eingeführt. Statt warmen Sonnenschein und linden Lenzlüften pfiff einem ein eisiger Wind um die Ohren, das Thermometer sank auf mehrere Grad unter Null und auch ein regelrechter Schneefall blieb nicht aus. Hoffen wir, daß auf diesen ungebührlich langen Winter ein umso schönerer Frühling und Sommer folgt, der vor allem eine gute Ernte reifen lassen und uns damit den Rücken weiterhin stärken möge für den schweren Kampf, den wir um unser Dasein führen.“ (LV)

26. März: „Es wird erneut darauf hingewiesen, daß nach N. 2 der Verordnung über Eier für den Kreis Lingen vom 15. 9. 1916 die Abgabe von Eiern seitens der Erzeuger nur an die mit einem Ausweis versehenen Auskäufer oder an die Versandstellen erfolgen darf und daß die Auskäufer beim Kaufen der Eier diesen von mir ausgestellten Ausweis vorzulegen haben. (…) Der Landrat.“ (LW)

28. März: „Sonntagszüge – Osterverkehr. Die Eisenbahnen dienen gegenwärtig in erster Linie der Kriegsführung. Da hierzu die verfügbaren Maschinen und Personal verwendet werden müssen, können an Sonn- und Feiertagen für den Sonntags- und Ausflugsverkehr keine besonderen Züge gefahren werden. Den Reisenden stehen nur die fahrplanmäßigen Züge zur Verfügung, so daß diejenigen, die in diesen Zügen keinen Platz finden, zurückbleiben müßen.“ (LV)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen,
Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems).
www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A., o.A., o.A.