veröffentlicht am 07.12.2016

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Dezember 1916

 
2. Dez.: „Wie wir hören, hat sich das Reichsbank-Direktorium an alle kaufmännischen, gewerblichen und landwirtschaftlichen Körperschaften und Verbände mit dem Ersuchen gewendet, durch eine umfassende Aufklärungsarbeit aller Kreise der städtischen und ländlichen Bevölkerung auf die Schädlichkeit der zweifellos neuerdings um sich greifenden Aufspeicherung von Zahlungsmitteln hinzuweisen. Am 7. November d. J. befanden sich 6,5 Milliarden Mark Zahlungsmitteln mehr im Verkehr als Mitte Juli 1914“ (LV)

2. Dez.: „In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Lingen Grafschafter Bank Aktiengesellschaft, in Lingen ist (…) der Schlußtermin auf Mittwoch, den 27. Dezember 1916 (…) bestimmt. (…) Die dabei zu berücksichtigenden nicht bevorrechtigten Forderungen betragen 725.399,54 Mark.“ (LV)

2. Dez.: „Umlaufenden Gerüchten gegenüber, die von einem bevorstehenden Verbot der Hausschlachtungen (…) wissen wollen, erklären wir mit Bestimmtheit, daß ein solches Verbot nicht beabsichtigt ist. Provinzialfleischstelle für die Provinz Hannover.“ (LV)

6. Dez.: „Aus Anlaß des Sieges über die Rumänen am Argesul war am Montag Kirchengeläute angeordnet. In den Straßen waren die Häuser stark beflaggt.“ (LV)

6. Dez.: „Es sind nunmehr folgende Milchverkaufsstellen eingerichtet (…): Molkerei Kaiserstraße, Markt, Hinsken Meppenerstraße, Scheele Wilhelmstraße, Höfker Georgstraße, Keizer Haselünnerstraße, Köster Haselünnerstraße, Tenfelde Unter den Linden, Wömmel Rheinerstraße.“ (LV)

9. Dez.: „Der Sodalenabend, der am vorigen Sonntag bei Heeger stattfand, war von den Mitgliedern der Jünglingssodalität, deren Eltern und Angehörigen zahlreich besucht. (…) Herr Dechant Scheitermann dankte (…) dem Vorstande der Sodalität und den Sängern (…) und sprach den Wunsch aus, daß solche Abende, Sodalenabende, noch öfters geboten werden möchten. (…) Im Laufe des abends teilte der Präses Herr Vikar Riese u. a. mit, daß von den Mitgliedern 100 zum Heeresdienst eingezogen, 17 auf dem Felde der Ehre gefallen, mehrere vermißt oder in Gefangenschaft sind.“ (LV)

9. Dez.: „Die hiesigen Straßen und Plätze, auf welchen der zwecklose Aufenthalt sowie zielloses Auf- und Abgehen der Jugendlichen während der Dunkelheit verboten ist, sind laut Bekanntmachung vom 29. Dezember 1915 folgende: am Wall; auf dem Verbindungswege zwischen der Baccumerstraße und der Wilhelmstraße (Straße IV); in der Mühlenstiege (Straße VI); am Gasthausdamm; (…) die sog. Bögengärten; auf der Hafenstraße; auf dem sogenannten Kastellweg, welcher von der Kastellstraße beim Schulplatze abzweigt; im Stadtpark und auf dem Pferdemarktplatze. (…) Der Magistrat“ (LW)

9. Dez: „Kriegsgefangene. Auf höhere Anordnung ist die Anzahl der Hülfswachtleute bei den einzelnen Kommandos baldigst mindestens zu verdoppelt. (…) Des Weiteren mache ich darauf aufmerksam, daß von jetzt ab möglichst viele Gefangene in Einzelgestellung übernommen werden können. Diejenigen Landwirte, welche die Gefangenen in ihrer Wohnung unter zu bringen wünschen, wollen mir daher die Anträge einreichen. Der Landrat.“ (LW)

13. Dez.: „Einschränkung der Reisen zu Weihnachten. Die von verschiedener Seite verbreitete Nachricht, daß die Staatseisenbahn beabsichtige, die Ausfühurng von Reisen von der Ausstellung besonderer Erlaubnisscheine abhängig zu machen, ist unzutreffend. Eine derartige Maßnahme (…) wird auch in Zukunft nicht in Betracht kommen, wenn das Publikum sich hinsichtlich der sogenannten Vergnügungsreisen eine gewisse Beschränkung auferlegt. Dies gilt insbesondere für das bevorstehende Weihnachts- und Neujahrsfest.“ (LV)

13. Dez.: „Hindenburgspende. Der bekannte Hindenburgbrief, in welchem der Herr Generalfeldmarschall es als die Aufgabe der Landwirtschaft bezeichnet, ihre Produkte, insbesondere Fett, in weitestem Maße freiwillig dem Verbrauche durch die Kriegsindustriearbeiter zuzuführen, hat überall im Reiche zu einer lebhaften Sammeltätigkeit angespornt. (…) In der Meinung, daß auch die Einwohner unserer Stadt (…) sich zum Wohle des Vaterlandes an der Sammlung beteiligen wollen, haben wir in unserer städtischen Eierverkaufsstelle 1 eine Sammelstelle eingerichtet. (…) Der Magistrat“ (LW)

20. Dez.: „Heute früh hat der Senator der Stadt Lingen Herr Louis Goosmann nach langem Leiden sein arbeitsreiches Leben beendet. (…) Der Verstorbene, geboren am 24. Oktober 1861, hat fast 23 Jahre lang den städtischen Kollegien angehört; er wurde im Januar 1894 zum Bürgervorsteher und im Juli 1913 zum Senator gewählt. Er war lange Zeit Vorsitzender des Vorstandes der städtischen Sparkasse, Mitglied der städtischen Schuldeputation, des Kuratoriums der höheren Mädchenschule und der Armenkommission, Kreistagsmitglied und auch Mitglied des Vorstandes der Kreissparkasse. (…) Lingen, den 18. Dezember 1916“ (LV)

23. Dez.: „Der Arbeiterverein begeht am 2. Weihnachtstag seine Weihnachtsfeier, die umständehalber pünktlich um 4 Uhr beginnen muß. Eine Kinderbescherung findet nicht statt; die kleinen Kinder dürfen nicht mitgenommen werden.“ (LV)

30. Dez.: „Der vaterländische Frauen- und Rote Kreuz Verein veranstaltete am Sonntag nachmittag für die Verwundeten im hiesigen Vereinslazarett Gesellenhaus eine Weihnachtsbescherung. (…) Im Rekrutendepot fand gleichfalls eine Weihnachtsfeier statt.“ (LV)

30. Dez.: „Zur dritten Kriegsjahres-Wende. Wenn nicht alles täuscht, so stehen wir an der Schwelle des entscheidenden Jahres des großen Weltkrieges. (…) Das neue Jahr steht im Zeichen der Arbeitspflicht des ganzen deutschen Volkes. (…) Gewiß, wir alle haben den Krieg am eigenen Leibe gespürt, keine Familie ist wohl ohne den schmerzlichen Blutzoll davon gekommen. (…) Aber der Stolz ist das gute Recht der deutschen Volksgemeinschaft, daß es allen voran ein Vorbild der Einigkeit, ein Muster der Organisation, eine unerschöpfliche Quelle aller Kräfte war und ist, die befähigt sind, gegen eine Welt von Feinden seine Heimstätte zu verteidigen (…). Und woher diese geheimnisvollen Kräfte? Nirgend anders sind sie Wurzeln zu suchen, als in dem welteroberndem Geiste christlicher Lebensauffassung, der unsere Krieger freudig zum Opfertode befähigt. (…) Voran denn, siegreiche Truppen, unbezwungene opferbereite Heimarmee, es gilt die Entscheidung, sie fällt mit Gott und „Gott mit uns!“. Glückselig Neujahr 1917!“ (LV) 
 
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Stadtarchiv Lingen