veröffentlicht am 12.11.2016

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

November 1916

 
1. Nov.: „Die Endkämpfe im Wehrturnen der Jugendwehren des Regierungsbezirks Osnabrück, welche am 29. d. Mts. in Osnabrück stattfanden, brachten der Jugendkompagnie Lingen folgende Preise: im Dreikampf: 5. Preis Stern (…), 100 Meter Lauf: 1. Preis Timmer (…) Reck: 4. Preis Schneebeck (…) Barren: 6. Preis Bönisch. Hochsprung: 10. Preis, Wellermann. Stabfechten: 5. Preis, Woeste.“ (LV)

1. Nov.: „Schafft Weihnachtsgaben für unsere Truppen! (Es) ist nur der Versand folgender Dinge erwünscht: Hosenträger (ohne Gummi), Zahnbürsten, (…) Briefpapier, (…) Büchsenöffner, Mundharmonika, Nähkästchen, (…) Zigaretten, (…) Kartenspiele, (…) Räucherfische, Nüsse ohne Schale, Bier, Rotwein, (…) Lesestoff, Spiele (Schach, Domino, Halma) usw.“ (LV)

4. Nov.: „Sammlung von Weihnachts-Liebesgaben für die Truppenteile im Felde. (…) Das Rekruten Depot des 2. Landsturm Inf. Ers. Bat. X 30 (Braunschweig) zu Lingen nimmt Gaben entgegen für die beiden Landst. Inf. Regimenter 10 und 35.“ (LV)

4. Nov.: „Im vaterländischen Interesse ist es dringend erwünscht, den Bargeldverkehr möglichst einzuschränken. Zur Erreichung dieses Zweckes sollte sich jedermann ein Bank- oder Postscheck-Konto einrichten lassen und alle Zahlungen durch den Scheck- oder Überweisungsverkehr regeln. (…) Deutsche Nationalbank Lingen“ (LV)

5. Nov.: „(Es) wird für jeden Haushaltsvorstand des Kreises, welcher in der Zeit bis zum 1. Februar 1917 ein Schwein schlachtet, zwecks Bereitung von Wurstebrot einmalig der Ankauf einer Menge von 8 Pfund Roggenmehl oder Roggenschrot oder die Ausmahlung von 5 kg Roggen gestattet. (…) Die Ausgabe des Wurstebrotzettels ist in der Brotmarkenliste zu vermerken.“ (LW)

5. Nov.: „3. November. Heute fand eine Besichtigung des hiesigen Rekruten-Depots durch den Herrn Major Osius statt, welche zur Zufriedenheit ausfiel (…). Die Ausbildung der Garnison ist damit in der Hauptsache beendet und die Mannschaften rücken nun zu ihren in der Etappe stehenden Ersatztruppenteilen (den Landsturm-Infanterie-Regimentern 10 und 35) demnächst aus, um neuen auszubildenden Mannschaften Platz zu machen.“ (LW)

8. Nov.: „Schutz gegen feindliche Luftangriffe. Liegt Gefahr vor, daß feindliche Flieger die Stadt bedrohen, so wird die Bevölkerung bei Tage (…) durch das militärische Signal ‚Feueralarm‘, das von Hornisten des Rekrutendepots gegeben werden soll, von der Gefahr benachrichtigt werden und ferner durch ein mit der Dampfpfeife der Eisenbahnwerkstätte gegebenes Signal, bestehend aus 3 kurzen mehrmals zu wiederholenden Tönen. Bei Nachtzeit unterbleibt die Benachrichtigung der Bevölkerung. Ferner wird in solchem Falle die ganze Gasbeleuchtung ausgeschaltet werden. Bei Bekanntwerden eines Angriffs soll jedermann möglichst sein Haus aufsuchen, wobei Räume im Keller oder Erdgeschoß zu bevorzugen sind. Der Aufenthalt in der Nähe der Fenster und Türen ist (…) zu vermeiden. (…) Bei Versammlungen, Theatern und sonstigen Veranstaltungen (…) werden die Leiter durch die Polizei benachrichtigt. Diese haben dann abzuwägen, ob eine etwa eintretende Panik in Verbindung mit dem Drängen nach dem Ausgange größere Nachteile hervorruft, als wenn die Schließung der Versammlung unterbleibt. (…) Ist die Gefahr vorüber, so sollen drei lange Töne mit der Dampffeife der Werkstätte gegeben werden. (…) Der Magistrat. J. Meyer“ (LW)

11. Nov.: „Der Vaterländische Frauenverein begeht heute die Fünfzigjahrfeier seines Bestehens. (…) Jetzt, nach fünfzigjährigem Bestehen, umfaßt der V. F. V. rund 2320 Zweigvereine mit mehr als 800 000 Mitgliedern, ohne Unterschied der Konfession. Neben der Fürsorge der Armen- und Krankenpflege im weitesten Sinne in Friedenszeiten ist es natürlich die Hauptaufgabe des Vereins, die Kriegsarbeit vorzubereiten. (…) Hier in Lingen unterhält der Zweigverein des Vaterländischen-Frauen-Vereins, der vor 10 Jahren gegründet wurde und 161 Mitglieder zählt, u. a. im Verein mit dem Roten Kreuz die Lazarette im Gesellenhaus und St. Bonifatiushospital. (…) Der hiesige Zweigverein (glaubt) im Sinne seiner Mitglieder zu handeln, wenn er von einer größeren Feier absteht, und statt dessen eine allgemein Sammlung in Lingen, bei den Mitgliedern und Nichtmitgliedern, veranstaltet.“ (LV)

11. Nov.: „(Es) wird angeordnet. Daß auswärtige Milchlieferer (…) an Verbraucher der Stadt keine Vollmilch mehr liefern dürfen und die hiesigen Verbraucher ihren Bedarf an Vollmilch von den Verkaufsstellen der hiesigen Molkerei zu entnehmen haben.“

12. Nov.: „Alle Kuhhalter müssen vom 15. dieses Monats an die in ihrer Wirtschaft erzeugte Vollmilch (…) an die hiesige Molkerei abliefern. Zurückbehalten werden dürfen (…) für den persönlichen Gebrauch nicht mehr als ¼ Liter auf den Kopf der Haushaltsangehörigen.“ (LW)

19. Nov.: „Am 1. Dezember 1916 findet (…) eine Volkszählung statt. (…) Die Gemeindebehörden (…) sichern sich rechtzeitig die erforderliche Anzahl freiwilliger Zähler. Gegebenenfalls ist auf geeignete weibliche Personen zurückzugreifen.“ (LW)

19. Nov.: „Schiffe, die bei Dunkelheit, bei Nebel oder bei unsichtigem Wetter die Ems befahren bezw. Ein- oder auslaufen, setzen sich der Beschießung aus.“ (LW)

25. Nov.: „Unter der Bezeichnung „Städtisches Kriegswirtschaftsamt“ haben wir eine im Stadthause (…) befindliche Geschäftsstelle zusammengefasst, welche neben den Angelegenheiten des bisherigen Lebensmittelamtes auch andere kriegswirtschaftliche Maßnahmen zu besorgen hat. (…) Vorsteher des Kriegswirtschaftsamtes ist der Polizeikommissar Gilles. (…) Der Magistrat“ (LV)

29. Nov.: „Wir nehmen erneut Veranlassung, diejenigen zu warnen, welche sich nicht vor Unwahrheiten scheuen und nur aus reiner Lust am Auffallenden Gerüchte in Umlauf zu setzen, an denen kein Wort zutreffend ist. Ganz besonders leichtfertig gehen einige Frauen mit dem Gefasel „Holland erkläre uns den Krieg“ und anderem dummen Gerede um, und rufen damit bei vielen Mitmenschen eine ständige Furcht hervor (…) Wir bitten daher um Mitteilung der Namen solcher Personen, welche obige Gerüchte in Umlauf bringen.“ (LW)

29. Nov.: „Unser Volksverein (hatte) die Freude, in Heegers Saal einem Redner von der rühmlichst bekannten Hauptleitung in M. Gladbach zu lauschen, (…) Herr Dr. Berger. (…) In ebenso glänzender wie überzeugender Weise führte er aus, daß Mannschaften, Geld, Lebensmittel und Munition unserseits vollauf genügend vorhanden sind. (…) Die Versorgung mit Lebensmitteln ist im wesentlichen gesichert; sie muß und wird weiterhin gesichert werden durch die in Not entflammende Liebe.“ (LV) 
 
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


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