veröffentlicht am 04.02.2015

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Februar 1915


3. Februar: „Betrifft Anzeige der Getreide- und Mehlvorräte. Die Anzeige-Formulare für die im deutschen Reiche (…) erfolgende Aufnahme der Getreide- und Mehlvorräte sind in hiesiger Stadt verteilt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass jeder, der Vorräte von Weizen, Roggen, Hafer, Weizenmehl, Roggenmehl, Hafermehl oder Gerstenmehl im Besitz hat, diese (…) anzeigen muß. (…) Da auf die Nichtbefolgung der Vorschriften (…) hohe Strafen gesetzt sind, sind die Anzeigen sorgfältig auszuführen.“ (LW)

3. Februar: „Den in unserem Kreise untergebrachten ca. 800 Ostpreußen mangelt es sehr an Leibwäsche und werden unsere Mitbürger und Kreiseingesessenen gebeten, gütige Gaben dem Vaterländischen Frauenverein zur Vermittlung zu übergeben.“ (LV)

6. Februar: „4. Febr. Im Hotel Heeger fanden heute Nachmittag die beiden Vorträge statt: ‚Über Küche und Hauswirtschaft während der Kriegszeit’. Die beiden Vorträge hielt eine Schwester vom St. Georgsstift in Thuine. (…) Ausgehend von den schwierigen Zeitverhältnissen und der Unmöglichkeit, von auswärts Lebensmittel zu erhalten, behandelte die Vortragende in recht verständlicher und durch Einschiebung von Kochrezepten auch in praktischer Weise den Gegenstand ihres Vortrags. (…) Wurst- und Fleischaufschnitt zum Frühstück könne sehr wohl in Wegfall kommen; Weizenbrot und Kuchen sollten während der Kriegszeit in keinem deutschen Haus zu finden sein.“ (LV)

7. Februar: „In den letzten Tagen hat man in Lingen und Umgegend verschiedene pflichtvergessene Bäcker abgefasst und bei ihnen größere Mengen Brot beschlagnahmt, weil dasselbe, entgegen den Vorschriften, wie in Friedenszeit mit Weizenzusatz bereitet war. (…) Abgesehen von der Einziehung des Brotes dürften die betreffenden Bäcker einer recht empfindlichen Bestrafung entgegensehen.“ (LW)

10. Februar: „Seit einiger Zeit werden öfters Gummiballons aufgefunden, die mit einer elektrischen Batterie und einer Glühbirne versehen sind. Diese Ballons – sogen. Pilotballons, die von militärischen Dienststellen zur Feststellung der Windstärke und Windrichtung in höheren Luftschichten aufgelassen sind – können von der Heeresverwaltung noch weiter benutzt werden.“ (LW)

10. Februar: „Da unserer Stadt nur eine bestimmte Brotmenge bis zur nächsten Ernte überwiesen wird, müssen alle dazu beitragen, dass wir damit auskommen und später nicht Not leiden müssen. Ein jeder muß das ihm und den Seinigen zustehende tägliche Brot von 2 kg für den Kopf und die Woche (…) einteilen. (…) Der gute Wille jedes Einzelnen von uns muß mithelfen, dass wir den verruchten Versuch des perfiden England, uns eine Hungersnot ins Land zu schicken, glänzend vereiteln.“ (LV)

14. Februar: „Vom 12. Februar an werden die kriegsgefangenen Franzosen, die für den Schwerverwundeten-Austausch in Frage kommen, für den späteren Abschub in Konstanz vereinigt. (…) Die für den Austausch in Frage kommenden Engländer werden bis 14. Februar in Lingen oder in Lüttich vereinigt.“ (LW)

17. Februar: „Lingen, 12. Febr. In der heutigen öffentlichen Sitzung der Städt. Kollegien wurde beschlossen, von einer Firma 32 000 Zentner Speise-Kartoffeln zum Preise von Mk. 3,45 pro Zentner ab Verladestation Posen einzukaufen, um dieselben an hiesige Bewohner gegen Barzahlung wieder zu verkaufen.“ (LV)

17. Februar: „Um alle Zweifel zu beseitigen, wird nochmals darauf hingewiesen, dass (…) schon jetzt verboten ist, mehr als 2 Kilogramm Brot und Mehl wöchentlich auf den Kopf des Haushalts bei den Bäckern bezw. Händlern zu entnehmen, oder mit anderen Worten: Ein jeder darf täglich nur ein halbes Pfund Brot verzehren. (…) Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. bestraft. Eine Kontrolle (…) kann (…) jederzeit für jeden Haushalt auf Grund der Aufzeichnungen der Bäcker stattfinden. (…) Der Magistrat J. Meyer“ (LV)

20. Februar: „Verordnung betreffend den Verbrauch von Brot und Mehl in der Stadt Lingen. (…) Für die Abgabe von Backware und Mehl werden vom Magistrate für jeden Haushalt Ausweise (Brotkarten) ausgegeben und zwar bis auf weiteres für jede Kalenderwoche in einer abweichenden Farbe. Ort und Zeit der Ausgabe wird in den hiesigen Blättern bekannt gemacht. Die Brotkarte hat nach Ablauf der Woche, für welche sie ausgegeben ist, noch eine Woche Gültigkeit. (…) Jede Karte ist in eine Anzahl Teilstücke eingeteilt, welche für je die auf ihnen angegebene Gewichtsmenge gelten und leicht von einander getrennt werden können. (…) Diese Verordnung tritt am 1. März 1915 in Kraft.“ (LV)

20. Februar: „Die Brotkartenausgabe findet im Rathause am Markt Nr. 15 statt und zwar Vormittags von 9 bis 1 Uhr und Nachmittags von 3 bis 7 Uhr. (…) Damit aber am 1. März bereits ein jeder seine Brotkarte besitzt, findet die erste Brotkarten-Ausgabe bereits in der Zeit vom 22. bis 26. Februar d. Js. statt. (…) Es wird empfohlen, diese Zeitungsnummer sorgfältig aufzubewahren.“ (LV)

21. Februar: „Zur Inbetriebnahme des Ems-Weser-Kanals. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat die Verbindung zwischen Rhein und der Weser als nunmehr hergestellt erklärt. Die gesamte Kanalstrecke wird zunächst versuchsweise mit einem vorläufig auf 1,50 m festgesetzten Tiefgang für beladene Kähne in Benutzung genommen werden.“ (LW)

27. Februar: „Mit der Ausschachtung der Erdarbeiten zur neuen Gewerbeschule auf dem von der Stadt erworbenen Wille’schen Grundstück am Pferdemarkt ist in diesen Tagen begonnen worden. In der zu erbauenden Gewerbeschule soll im Winter auch die landwirtschaftliche Winterschule Unterkunft finden.“ (LV)


Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Lingener Stadtarchiv