veröffentlicht am 06.05.2016

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Mai 1916


3. Mai: „Zwecks Regelung des Eier- und Butterhandels werden sämtliche hiesigen Kaufleute, welche mit Eier oder Butter handeln, aufgefordert, sich am Donnerstag den 4. Mai ds. Js. Nachmittags um 6 Uhr im kleinen Saale des Hotel Heeger hierselbst zu versammeln. (…) Der Magistrat. J. Meyer“ (LV)

3. Mai: „Nach der Bundesratsverordnung vom 11. v. Mts. hat jeder Verkäufer von Käse, welcher im Auslande hergestellt ist, (…) den Käse äußerlich erkennbar durch die Bezeichnung ‚Auslandskäse‘ zu kennzeichnen. (…) Die Zeichen (…) sind durch unser Polizeibüro zu beziehen.“ (LW)

3. Mai: „Die Arbeitsüberhäufung und der Personalmangel, welche durch die Kriegszeit eingetreten sind, gestatten es nicht, daß die städtischen Beamten außerhalb der Dienststunden von der Verrichtung der ihnen obliegenden Dienstgeschäfte abgehalten werden. Die Dienststunden für den Verkehr des Publikums sind: im Magistratsbüro vormittags von 9 bis 12 Uhr und nur für das Standesamt von 12 bis 1 Uhr, in den übrigen Büros von 9 bis 1 Uhr vormittags.“ (LW)

6. Mai: „Der Stadt ist ein Posten rumänische vollkörnige Gerste überwiesen, welche, soweit der Vorrat reicht, beim Mühlenbesitzer Koke zum Preise von 30 Pfennig das Pfund abgegeben wird. An jeden Käufer (Haushalt) werden höchstens 20 Pfund abgegeben.“ (LV)

13. Mai: „Der Kreis hat eine Ladung prima-Vollheringe erworben, das Faß bis zu 750 bis 850 Stück. (…) Die Abgabe erfolgt an die Wiederverkäufer nur unter folgenden Bedingungen: (…) Die Heringe sind mit höchstens 23 Pfennigen das Stück feilzuhalten, (…) Bestellungen sind an den Kreiskommissionär August Klukkert in Lingen spätestens bis zum 20. ds. Mts. zu richten.“ (LV)

13. Mai: „Die Ausgabe der Seifenmarken erfolgt in der nächsten Woche gleichzeitig mit der Ausgabe der Brotmarken. Die Händler (…) haben die im Laufe eines Monats entgegengenommenen Marken am folgenden Monats-Ersten gesammelt in einem Papierumschlag mit Namensaufschrift im Polizeibüro abzuliefern.“ (LV)

14. Mai: „Zur Vermeidung unbegründeter Verdächtigungen wird bekannt gegeben, daß bei sämtlichen hiesigen Schlachtern in diesen Tagen eine polizeiliche Besichtigung und Durchsuchung der Räumlichkeiten nach etwa zurückgehaltenen Fleisch- und Fettwaren stattgefunden hat und bei keinem derselben eine unerlaubte Zurückhaltung von Waren sich ergeben hat. (…) Der Magistrat.“ (LW)

20. Mai: „Zur Verstärkung des Goldschatzes der Reichsbank sollen auch hier Goldsachen, Schmuck- und Gebrauchsgegenstände angekauft werden. (…) Es wird der reine Goldwert ersetzt, die Arbeit selbst wird nicht vergütet.“ (LV)

20. Mai: „Lingen, 18. Mai. Von zwei gestern aus dem hiesigen Gefängnis entwichenen Sträflingen wurde einer bereits gestern Abend durch einen Landsturmmann hinter Altenlingen wieder dingfest gemacht.“ (LV)

20. Mai: „In der nächsten Woche sollen Fleischmarken ausgegeben werden, welche für die auf denselben angegebenen Zeitraum (erstmalig vom 30. Mai bis 3. Juni ds. Js.) Gültigkeit haben. (…) Die Fleischmarken haben Gültigkeit nur bis Samstag Nachmittags 6 Uhr derjenigen Woche, auf welche sie lauten. (…) Nach dieser Zeit darf das bis dahin nicht gegen Marken eingetauschte Fleisch markenfrei verkauft werden. (…) Der Magistrat. L. Goosmann.“ (LV)

20. Mai: „Den Heldentod fürs Vaterland starb in einem Lazarett zu Augsburg unser lieber Sohn und Bruder Hermann, 22 Jahre alt. In tiefer Trauer Familie S. Hanauer.“ (LV)

21. Mai: „Wegen enormer Teuerung unserer Gebrauchsgegenstände sehen wir uns veranlaßt, vom 1. Juni ab den Preis für das Rasieren von 10 Pfg. auf 15 Pfg. zu erhöhen. (…) Die Friseure der Stadt Lingen“ (LW)

24. Mai: „Unsere Jugendwehr, die jetzt etwa 200 Mitglieder zählt, rückte am Sonnabend gegen 7 Uhr zu einer Nachtübung bei Ramsel aus.“ (LV)
 
24. Mai: „Vom 28. Mai bis 3. Juni ds. Js. findet eine Reichsbuchwoche statt. Diese Reichsbuchwoche soll dem deutschen Volke die Pflicht erfüllen helfen, ihrer Volksgenossen im Felde durch Versorgung mit guter geistiger Kost zu gedenken (…). Ungeeignet sind (…) schlüpfrige und unsittliche Schriften, auch sogenannte Schundliteratur wie die bekannten 10-Pfennighefte und schlechte Detektivromane, (…) Jugendschriften, die für ein kindliches Alter oder für Mädchen bestimmt sind, (…) gelehrte Bücher. Schriften über den Krieg mögen die Soldaten in den Schützengräben in der Regel nicht lesen.“ (LW)

27. Mai: „Die Glocken der katholischen Kirche wurden mit elektrischem Antrieb versehen.“ (LV)

27. Mai: „Gestern traf hier nach langer Zeit wieder ein Verwundetentransport von 70 Mann ein, welche auf die einzelnen Lazarette verteilt wurden.“ (LV)

27. Mai: „Unter denjenigen Kamerunern, welche nach Spanisch-Guinea übergetreten und von dort nach der Insel Fernando Poo übergeführt sind, befindet sich ein Sohn unserer Stadt, der Oberarzt in der Schutztruppe Dr. Kluge.“ (LV)

27. Mai: „Ein äußerst heftiges Gewitter brachte uns gestern abend gegen 8 ½ Uhr erquickenden Mairegen in Fülle. Der Blitz schlug am Kanal auf dem Wege nach Hanekenfähr in eine dicke Eiche, welche glatt abgeknickt wurde. An der Rheinerstraße wurden vom Blitz zwei Häuser getroffen und in der Bahnhofstraße durchschlug er den rückseitigen Giebel der Caplanei.“ (LV) „Im benachbarten Darme traf ein Blitzstrahl das Wohnhaus des Zimmermanns Lögering, beschädigte das Dach und setzte das Haus in Brand.“ (LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A.