veröffentlicht am 05.04.2016

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

April 1916


1. April: „(Es) wird für den Regierungsbezirk Osnabrück bestimmt, daß im Jahre 1916 Kiebitzeier bis zum 10. April einschließlich gesammelt werden dürfen.“ (LV)

1. April: „Am Mittwoch, den 5. April (…) werde ich im Auftrage des Fräuleins Engeline Mars, wegen Aufgabe des Haushalts, bei ihrer Wohnung im Deeterschen Hause 52 an der Lengericherstraße in Laxten 2 eintürige Kleiderschränke, 1 großen Küchenglasschrank, 2 Anrichten, 1 Kommode, 1 Sofa (…) öffentlich meistbietend verkaufen. Georg Schröder, Königl. Auktionator.“ (LV)

5. April: „Zwecks Papierersparnis sind Eingaben und Berichte an mich, abgesehen von solchen betr. Heeresangelegenheiten nicht mehr auf gebrochenem Bogen zu schreiben. (…) Der Landrat.“ (LV)

5. April: „(Es) wird hiermit bekannt gemacht, daß im Stadtbezirke Lingen an direkten Kommunalsteuern für 1916 220% Zuschläge zur Staatseinkommenssteuer und zur fingierten Einkommensteuer, 220% der staatlich veranlagten Grundsteuer, 220% der staatlich veranlagten Gebäudesteuer und 220% der staatlich veranlagten Gewerbesteuer vom stehenden Gewerbe erhoben werden. (…) Der Magistrat.“ (LW)

5. April: „An den ersten beiden Montagen und Donnertagen in jedem Monat vormittags wird die städtische Warm-Badeanstalt vom Militär benutzt. Für andere Badegäste ist sie während dieser Zeit geschlossen. Der Magistrat“ (LW)

8. April: „Zeichnung der 4. Kriegsanleihe durch die Schulen des Kreises Lingen (…) 151.206,50 Mk.“ (LV)

8. April: Im Auftrage der Wwe. Meiners, Brockhausen werde ich am Montag, den 17. April (…) wegen Aufgabe des Haushalts (…) 2 Kühe, 1 Dreschmaschine mit Göpel, (…) und was sonst noch zum Vorschein kommt öffentlich meistbietend gegen Kredit verkaufen (…). F. Fehren, Auktionator.“ (LV)

8. April: „Im Auftrage des Herrn G. Schomacker Baccum werde in dessen Wohnung am Donnerstag, den 13. d. M. (…) wegen Aufgabe der Landwirtschaft 1 neue Dreschmaschine, (…) 3 Enten und was sonst noch zum Vorschein kommt öffentlich meistbietend gegen Kredit versteigern. (…) F. Fehren, Auktionator.“ (LV)

15. April: „Im Wege der Zwangsvollstreckung soll am 5. Juni 1916 (…) an der Gerichtsstelle, Am Schulplatz Nr. 3 (…) versteigert werden das (…) Grundstück (…) Am Markt Nr. 2, Nutzungswert 2025 Mk. und Lagerhaus nebst Anbau und abgesondertem Stall an der Bauerntanzstraße Nr. 2, Nutzungswert 180 Mk. (…) Königliches Amtsgericht:“ (LW)

19. April: „Gestern wurde auch hier die Fleischkarte eingeführt. Für die Zeit vom 17.-23. April steht pro Kopf 200 Gramm Fleisch zur Verfügung.“

22. April: „Lingen, 20. April. Heute vormittag wurde auf dem hiesigen Friedhofe der im Krankenhaus verstorbene kriegsgefangene belgische Infanterist Lambert Repaume aus Huy in Belgien zur letzten Ruhe bestattet. Eine Abteilung belgischer Kameraden und Russen, sowie die Spitzen der Militärbehörden und zahlreiche Vereine gaben ihm das letzte Geleit. (…) Am Grabe hielt der kath. Geistliche folgende Ansprache: ‚(…) Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde! (…) Aber ist denn das Gebot der Feindesliebe jetzt im Kriege nicht aufgehoben? Keineswegs. Es tritt in dem Augenblick wieder in Kraft, wo der feindliche Soldat als wehrloser Gefangener vor uns steht. (…) So bestimmt es schon die Genfer Konvention (…). Wir Deutsche sind stolz darauf, das Völkerrecht stets beobachtet zu haben.‘“ (LV)

Anmerkung: Der ohne jede Kriegserklärung erfolgte deutsche Überfall auf das neutrale Belgien am 4. August 1914 war zweifellos völkerrechtswidrig. 
 
26. April: „Mit Beginn des Schuljahres wird Herr Direktor Kluge, z. Zt. Hauptmann der Res. in Soltau, die Leitung des Gymnasiums Georgianum wieder übernehmen.“ (LV)

26. April: „Die Städtische Höhere Mädchenschule befindet sich von heute ab im Gebäude der Fortbildungsschule am Stadtpark, da sich die Gebäude in der Hafenstraße als zu klein erwiesen. Das neue Schuljahr beginnt mit 72 Schülerinnen.“ (LV)

26. April: „An Fleisch stehen auch in dieser Woche pro Kopf der Bevölkerung 200 Gramm zur Verfügung. In den nächsten Tagen werden Zuckermarken von 500 Gramm pro Kopf und Monat ausgegeben.“ (LV)

26. April: „Für den Kreis einschließlich der Stadt Lingen: Vom 1. Mai ab darf Zucker nur gegen Zuckerkarten abgegeben werden. Letztere werden (an den Haushaltsvorstand gleichzeitig mit den Brotmarken und Mahlkarten) ausgegeben. Bäckereien, Konditoreien, Gasthäuser, Anstalten und dergl. haben ihren Bedarf unter glaubhafter, von der Gemeindebehörde zu bescheinigender Nachweisung des Aprilverbrauchs (…) beim Landratsamt besonders schriftlich anzumelden. (…) Der Kreisausschuß.“ (LW)

29. April: „Sitzung der städtischen Kollegien am 25. April 1916. (…) Bürgermeister Meyer (…) bemerkte u.a.: ‚In letzter Zeit ist (…) der Magistrat verschiedentlich durch boshaftes Gerede verlästert. Erstens ist behauptet worden, das Grenzschutzkommando und eine Landsturmkompagnie seien von hier wegverlegt infolge von Streitigkeiten der Stadtverwaltung mit der Militärbehörde. Ich kann ein solches Gerede nur als eine unsinnige und böswillige Erfindung bezeichnen. (…) Zweitens sind ebenso unwahre Behauptungen, die gegen den Magistrat oder gegen meine Person gerichtet waren, bezüglich des gegenwärtigen Fleischmangels zu meiner Kenntnis gelangt. (…) Ich bitte Sie, mir ihre etwaigen Wahrnehmungen und die Urheber mitzuteilen.‘ Die Fleischversorgung geschieht jetzt nach gesetzlicher Vorschrift kreisweise, also durch die Landräte. Die Städte haben dabei wenig mitzureden. (…) Bürgervorsteher-Wortführer Bergen: ‚Ich bitte den Magistrat in Erwägung zu nehmen, ob die Fleischmarken wirklich notwendig sind. Ferner mache ich darauf aufmerksam, daß von auswärts Fleisch zum Schlachthofe gebracht worden ist, welches zum menschlichen Verbrauche ungeeignet war.‘ Vorsitzender: ‚Die Fleischmarken sind in voriger Woche auf Anregung des Herrn Landrats ausgegeben für Lingen und die Nachbargemeinden (…). Da erst am letzten Wochentage vorher die bestimmte Zahl Schlachttiere (…) von Hannover überwiesen wurde, mußte dies in größter Eile geschehen. (…) Der Magistrat werde versuchen, die Fleischmarken soweit möglich zu vermeiden.‘“ (LV)

30. April: „Lingen, 29. April. Die Garnisonsverwaltungsnebenstelle in Lingen ist mit dem heutigen Tage nach Nordhorn (Grafschaft Bentheim) verlegt.“ (LW) 

 Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A.