veröffentlicht am 03.03.2016

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

März 1916


1. März: „In den Tagen am 9., 10. und 11. März d. Js. (…) wird in dem Gelände des Tangen-Sand nördlich und westlich Nordlohne von der 1. Kompagnie 3. Landst.-Inf.-Ersatz-Batl. Oldenburg (10.18) Lingen scharf geschossen. (…) Das Betreten des bezeichneten Geländes, sowie das Austreiben von Vieh dortselbst (…) ist verboten.“ (LW)

4. März: „Arbeiterverein. Die Generalversammlung am vorigen Sonntag war recht zahlreich besucht. (…) Von den 220 aktiven Mitgliedern sind 20 zum Militärdienst einberufen, 15 zu Arbeiten in Feindesland oder im Fahrdienst abkommandiert. 3 Mitglieder sind im Kriege verwundet, 3 aktive und 3 Ehrenmitglieder gestorben.“ (LV)

4. März: Den russischen Arbeitern und Arbeiterinnen (ist) verboten, den Ortspolizeibezirk ihres Aufenthaltsortes ohne Erlaubnisschein zu verlassen. (…) Das Publikum wird (…) ersucht, die Bahnbeamten und Polizeibeamten auf reisende russische Arbeiter und Arbeiterinnen aufmerksam zu machen.“ (LV)

8. März: „Öffentliche Sitzung der Städtischen Kollegien v. Lingen, 3. März 1916. (…) Auf Antrag des Bürgervorsteher-Kollegiums wurde die Abschaffung des Polizeihundes beschlossen.“ (LV)

8. März: „Die durch die Speisung der Gefangenen im hiesigen Gefängnis entstehenden Küchenabfälle sollen vom 1. April ds. Js. ab auf ein Jahr verpachtet werden (…) Kgl. Gefängnis-Direktion Lingen (LV)

11. März: „Betrifft: Kriegsgefangene. Die Inspektion der Gefangenenlager gibt bekannt, daß bedeutend mehr Gefangene beantragt sind, als im Korpsgebiet vorhanden seien. (…) Es kommen in Betracht Zweiglager Vinter-Moor: f. d. Gemeinden Ahlde, Beesten; Zweiglager Achter-Moor (Fuchsberg): f. d. Gem. Altenlünne-Plantlünne; Zweiglager Bexten-Listrup: f.d. Gem. Andervenne; Zweiglager Großes Moor (Moorzentrale): f. d. Gem. Langen; Zweiglager Gräftenierung: f. d. Gem. Andervenne, Bawinkel, Bernte, Elbergen, Brögbern, Duisenburg, Clusorth-Bramhaar. Die Inspektion weist ferner darauf hin, daß Hofesarbeiten durch die Frauen zu verrichten sind, und Gefangene nicht zur Vertretung der Dienstboten und häuslichen Arbeiten, z. B. Kinderhüten, verwendet werden dürfen.“ (LW)

15. März: „Wie im vorigen Herbst, wurden auch jetzt wieder alle Schulen des Kreises Lingen zu Zahlstellen für die Kriegsanleihen gemacht. Jedem Schulkinde wird zunächst ein packender Aufruf nebst einem besonderen Zeichnungsschein zur Weitergabe an die Eltern ausgehändigt. Die daraufhin eingehenden Beträge (von 1 M. an) werden vom Lehrer in das Kriegssparbuch der Schule eingetragen und bei einer der drei mündelsicheren Sparkassen des Kreises eingezahlt. Zwei Jahre nach Friedensschluß können diese Beträge nebst 5 Prozent Zinsen durch die Schule wieder erhoben werden. Die Sparkassen werden so in den Stand gesetzt, für die eingezahlten Beträge ihrerseits Kriegsanleihe zu zeichnen. Auf diese Weise sind seinerzeit von den Schulen des Kreises Lingen 114 000 M. auf die dritte Kriegsanleihe gezeichnet worden.“ (LV)

15. März: „Die Kreiseingesessenen werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Magistrat der Stadt Lingen die Versorgung der Einwohner der Stadt Lingen mit Kartoffeln übernommen hat. Es dürfen deshalb aus den Landgemeinden des Kreises ohne vorherige Genehmigung des Magistrats in Lingen keine Eßkartoffeln an Einwohner der Stadt Lingen abgegeben werden.“ (LW)

15. März: „Die Zentrumssache unterstützt: Jeder, der die Zeitung ‚Germania‘, das Hauptorgan der Zentrumspartei, hält, (…) wer die ‚Germania‘ in Hotels etc. (…) immerfort verlangt, (…) wer der Geschäftsstelle der „Germania“ Adressen von Katholiken einschickt.“ (LV)
 
18. März: „Dienstags und Freitags dürfen Fleisch, Fleischwaren und Speisen, die ganz oder teilweise aus Fleisch bestehen, in Haushaltungen überhaupt nicht verbraucht werden. Montags und Donnertags dürfen Fleisch oder Fische in Haushaltungen nur dann verbraucht werden, wenn sie nicht mit Fett oder Speck gebraten, gebacken oder geschmort sind. (…) Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder Geldstrafe bis zu fünfzehnhundert Mark bestraft.“ (LV)

19. März: „Die Einwohner Lingens und Umgebung werden gebeten, beim Einkauf von Backwaren Brotbeutel, Körbe oder Einwickelpapier mitzubringen. Papier ist sehr teuer geworden und kaum noch zu haben. (…) Freie Bäckerinnung Lingen.“ (LW)

25. März: „Lingen, 22. März. Auf die 4. Kriegsanleihe wurden hier gezeichnet: Kreissparkasse 1 164 500 Mark, Nationalbank 177 200 M. (…), Osnabrücker-Bank 407 300 M., Städtische-Sparkasse 511 000 M., darunter die Sparkasse 100 000 M., die evangelische Volksschule 6 523 M., kath. Volksschule 15 078 M., und das Gymnasium 3 636 M., die Städtische höhere Mädchenschule hat 3 300 M. gezeichnet. (…) Das Zeichnungsergebnis bei der hiesigen Reichsbank-Nebenstelle auf die 4. Kriegsanleihe beläuft sich auf insgesamt 4 043 200 Mark.“ (LV)

25. März: „Brot darf vom Sonntag den 26. ds. Mts. ab nur noch gegen Brotmarken abgegeben und entnommen werden, welche einen Teilabdruck des in grüner Farbe den Brotmarken aufgedruckten Stempels ‚Brotkartenausgabe der Stadt Lingen‘ tragen. Auf die Abgabe und Entnahme von Mehl findet diese Anordnung sinngemäß Anwendung (…). Der Magistrat. Meyer.“ (LV)

26. März: „Zur Veröffentlichung von Darstellungen, die größere Abschnitte des Krieges umfassen, ist jetzt die Zeit noch nicht gekommen. (…) Es ist daher zwecklos, derartige Arbeiten der Zensur vorzulegen, da ihre Zulassung doch ausgeschlossen ist. Den Verfassern wird anheimgegeben, mit der Veröffentlichung ihrer Aufzeichnungen bis nach dem Kriege zu warten.“ (LW)

29. März: „Es sind wieder Fälle vorgekommen, wo die Gefangenen von der Zivilbevölkerung alkoholische Getränke erhalten haben. Dabei ist es zu Ausschreitungen gekommen, wobei ein Gefangener erschossen werden mußte. Ich weise wiederholt darauf hin, daß die Verabreichung von alkoholischen Getränken an Gefangene auf das strengste verboten ist (…). Ebenso ist der Verkauf von Eiern, Butter und Schinken an die Gefangenen verboten. Der Landrat. von Lympius.“ (LV) 
 
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A.