veröffentlicht am 05.02.2016

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Februar 1916


2. Februar: „Es ist in den letzten Tagen festgestellt worden, daß die Ehefrau des Kolons Giese und der Heuermann Wellen in Langen Roggen an das Vieh verfüttert haben. Die Genannten sehen ihrer gerichtlichen Bestrafung entgegen. Außerdem habe ich Ihnen das Recht der Selbstversorgung entzogen. Die Herren Gemeindevorsteher ersuche ich, die Gemeindeeingesessenen wiederholt von der Verfütterung von Brotkorn zu warnen. In denjenigen Gemeinden, in welchen fernerhin noch die Verfütterung von Brotkorn festgestellt wird, werde ich die sämtlichen noch ungedroschenen Roggenvorräte sofort ausdreschen lassen. Der Landrat. v. Lympius.“ (LW)

2. Februar: „Verdingung. Die Arbeiten zur Erbauung eines Aufenthalts- und Übernachtungsgebäudes am neuen Lokomotivschuppen in Lingen sollen in einzelnen Losen vergeben werden und zwar:
Los 1: Erd-, Maurer-, Asphalt-, Steinmetz-, Staker- und Eisenarbeiten
Los 2: Zimmerarbeiten
Los 3: Dachdecker- und Klempnerarbeiten
Los 4: Tischlerarbeiten
Los 5: Schlosserarbeiten
Los 6: Glaserarbeiten
Los 7: Anstreicherarbeiten (…)
Kgl. Eisenbahnbetriebsamt Rheine.“ (LV)

2. Februar: „Verbot des Hausierhandels mit Kriegerandenken. Ausgeschlossen vom Gewerbebetrieb im Umherziehen (…) sind: Das Feilbieten von Waren (…), die dem Gedenken an Heeresangehörige oder an gefallene Kriegsteilnehmer zu dienen bestimmt sind. (Gedenkblätter, Umrahmungen, Photographievergrößerungen usw.) Zuwiderhandlungen werden (…) mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft.“ (LV)

6. Februar.: „In der hiesigen Königl. Hauptwerkstatt werden seit einigen Tagen etwa 120 kriegsgefangene Russen, alles gelernte Handwerker, beschäftigt. Sie sind nebst ihren Bewachungsmannschaften in dem alten Verwaltungsgebäude der Königl. Hauptwerkstatt untergebracht. Die Verpflegung liegt in den Händen des Bahnhofswirtes, Herrn C. Johannsen.“ (LW)

Schonet die Nußbäume! In manchen Kreisen ist die Ansicht verbreitet, daß infolge der Bekanntmachung (…) vom 15. Jan. 1916 das Fällen der angemeldeten stehenden Walnußbäume angeordnet worden sei oder die angemeldeten Bäume demnächst gefällt werden. Diese Ansicht ist irrig.“ (LV)

„7. Februar. Vorgestern Mittag entstand in der Buchbinderei der Firma R. van Acken auf bisher unaufgeklärte Weise ein Brand, der dank dem schnellen und energischen Eingreifen der Freiwilligen-Feuerwehr auf diesen Raum beschränkt wurde. Größere Bestände an Verlagswerken und die sehr wertvollen Maschinen fielen dem Feuer zum Opfer. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die in demselben Gebäude befindliche Druckerei und das umfangreiche Lager haben keinerlei Schaden erlitten. In etwa 8 Tagen wird der Betrieben der Buchbinderei wieder in vollem Umfange aufgenommen.“ (LV)

„Lingen, den 18. Februar 1916. Betrifft: Gefangene. Seitens einiger Gemeindevorsteher und Beteiligten laufen fortgesetzt Anfragen ein, wann die zur Frühjahrsbestellung beantragten Gefangenen eintreffen würden. Ich weise darauf hin, daß die von den Kreisen gesammelten Anträge erst zum 15. Februar der Inspektion der Gefangenenlager vorzulegen waren, und daß die Bearbeitung der Tausende, aus der ganzen Provinz, zusammenlaufenden Anträge natürlich erhebliche Zeit erfordert. Der Landrat. v. Lympius.“ (LV)

„Lingen, 22. Febr. Der ev. Arbeiterbildungsverein veranstaltet am nächsten Sonntag im Heegerschen Saale einen Familienabend. Herr Gymnasiallehrer Brunotte wird auf Grund persönlicher Erlebnisse ‚Eine Reise durch den Harz‘ schildern. Die Ausführungen des Redners werden durch prachtvoll kolorierte Lichtbilder erläutert.“ (LW)

„Lingen, 24. Febr. Der heutige Viehmarkt war infolge des unaufhörlichen Schneetreibens schwach besucht. (…) Der Schnee liegt stellenweise 20-30 cm hoch.“ (LV)
 
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A., o.A., o.A.