veröffentlicht am 08.01.2016

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Januar 1916

 
5. Januar: „In Ausführung der Verordnung des kommandierenden Generals, (…) lautend: ‚Verboten ist: das zweck- und ziellose Auf- und Abgehen sowie der zwecklose Aufenthalt der Jugendlichen ohne Begleitung der Eltern‘ (…) wird folgendes angeordnet: Die vorstehende Bestimmung gilt im Stadtbezirke Lingen während der Zeit der Dunkelheit in folgenden Straßen und Plätzen: 1) am Wall; 2) auf dem Verbindungswege zwischen der Baccumerstraße und der Wilhelmstraße; 3) in der Mühlenstiege; 4) am Gasthausdamm; 5) auf den Wegen des Gebietes, welches umgrenzt wird von der Lookenstraße, dem Wall der Hafenstraße, dem Kanal und der Kanalgasse (die sogenannten Bögengärten); 6) auf der Hafenstraße; 7) auf dem sogenannten Kastellweg, welcher von der Kastellstraße beim Schulplatze abzweigt; 8) im Stadtpark und auf dem Pferdemarktplatze. (…) Der Magistrat. Meyer.“ (LV)

7. Januar: „Auf höhere Anordnung soll im Stadtbezirke Lingen eine Bestandsaufnahme über die jetzt vorhandenen Kartoffelvorräte stattfinden. Sämtliche Einwohner von Lingen, welche Kartoffeln in Mengen von mehr als 20 Pfund in Gewahrsam haben, sind verpflichtet, die bei ihnen vorhandenen Mengen (…) anzugeben. (…) Der Magistrat. J. Meyer.“ (LV)

8. Januar: „Nagelt das Kriegswahrzeichen! Es war ein schönes Bild, das der Marktplatz am Neujahrstage 1916 um 12 ¼ Uhr zeigt: Das Kriegerdenkmal eingerahmt von vier Masten, an denen vier Wimpel mit den Farben der Staaten des Vierbundes, Deutschlands, Österreichs, Türkei und Bulgariens, im Winde flatterten. (…) Vor diesem Mittelpunkt die Vertreter des Magistrats, die Herren des Ausschusses und die Vertreter der Militärbehörden. (…) Und ringsherum auf unserm stattlichen Marktplatz die dankbarfroh bewegte Menge in Erwartung der Feier. Das Ganze ein schönes Bild, das nur durch die zeitweise aufgespannten Regenschirme, die leider nötig waren, etwas gestört wurde. Die Feier wurde eröffnet durch zwei Lieder der (…) vereinigten Liedertafeln. (…) Herr Bürgermeister Meyer eröffnete darauf die Nagelung, indem er einen Nagel einschlug mit dem Spruche. ‚Lang blühe unsere liebe Stadt Lingen‘. Nun konnte jeder nageln, und wer es noch nicht getan, benutze bald die ihm sonntags von 11 ½ Uhr ab sich bietende Gelegenheit, damit er nicht bei denen fehle, die zu dem Dankesopfer ihr Scherflein beigetragen haben.“ (LV)

8. Januar: „Das Betreten des Krupp’schen Geländes (Clausheide) der dort befindlichen Anlagen, insbesondere des Gefangenenlagers wird hierdurch Unbefugten bei strenger Strafe verboten. Die Gutsverwaltung Clausheide.“ (LV)

12. Januar: „Die Beleidigung, welche ich gegen Frau Leising, ihrem Kinde gegenüber ausgesprochen habe, nehme ich hiermit als unwahr zurück. Frau Kleinpeter.“ (LV)

12. Januar: „Gemäß der (…) Bekanntmachung betreffend Enteignung, Ablieferung und Einziehung von Gebrauchsgegenständen aus Kupfer, Messing und Nickel erlasse ich zu derselben folgenden Ausführungsbestimmungen: (…) Die beschlagnahmten Gegenstände sind am Sonnabend den 5. Februar, vormittags 9-12 Uhr bei der (…) zuständigen Sammelstelle abzuliefern. (…) Der Landrat. v. Lympius.“ (LV)

19. Januar: „Diejenigen hiesigen Einwohner, welche ihre im Jahre 1915 impfpflichtigen Kinder noch nicht haben impfen lassen (…), werden aufgefordert, das Versäumte bis zum 1. Februar ds. Js. nachzuholen, bei Meidung der gesetzlichen Strafen. Der Magistrat. J. Meyer.“ (LV)

20. Januar: „In der letzten Zeit ist in den städtischen Forsten Holz gestohlen. Wer uns den Täter namhaft macht, erhält eine Belohnung von 20 Mark. Der Magistrat. J. Meyer“ (LV)
 
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Straße 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


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