veröffentlicht am 07.12.2015

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Dezember 1915


1. Dezember: „Die Kgl. Samendarre in Lingen kauft von heute an frische, nach dem 1. Dezember gepflückte Kiefernzapfen und zahlt gute Preise. Abnahme bis zum 15. Dezember Mittwochs und Sonnabends von 5 Uhr abends an, dann alle Tage.“ (LV)

7. Dezember: „Am nächsten Sonntag veranstalten der Kaninchenzuchtverein Lingen und Umgegend im Clublokal eine Ausstellung von Tieren, Pelzprodukten, gegerbten Fellen usw. Aus Kaninchen-Züchterkreisen wird uns dazu folgendes geschrieben: Bei der jetzigen Fleischteuerung ist es gewiß von allgemeinem Interesse, auf den wesentlich billigeren Ersatz des Kaninchen-Fleisches hinzuweisen. Es besteht leider immer noch eine starke Abneigung gegen den Genuß des Kaninchen-Fleisches. (…) Wer nun einige Quadratmeter freien Raum für diesen Zweck zu Verfügung hat, sollte sich der Zucht von Kaninchen zuwenden.“ (LW, LV)

10. Dezember: „Warnung. Wegen Verfütterns von Roggen ist der Kolon Berning in Darme mit 300 Mk. und dessen Ehefrau mit 200 Mk. bestraft worden. Der Landrat. v. Lympius.“ (LV)

14. Dezember: „Verordnung betr. Kuchenback-Verbot. Auf Grund der Kaiserlichen Verordnung wird (…) folgendes angeordnet: § 1. Die Herstellung von Kuchen in gewerblichen Betrieben und im Haushalt ist verboten. Erlaubt ist die Herstellung von Keks, Zwieback (…) und Lebkuchen.“ (LV)

15. Dezember: „Lingen, 14. Dez. Vorgestern wurde im früheren Restaurant Hartmann für die hiesigen Landstürmer und Verwundeten ein Soldatenheim eröffnet. Es ist Gelegenheit zum Schreiben und Lesen gegeben und stehen den Soldaten zu mäßigen Preisen Speisen und Getränke zur Verfügung. Da die Miete der Räumlichkeiten und die Einrichtung nucht unerhebliche Kosten verursacht, so sind freiwillige Spenden herzlich willkommen.“ (LV)

18. Dezember: „Der Fischreichtum der Ems. Einen ertragreichen Fischzug machte Gastwirt Terveer aus Herbrum in der Ems. Bei einem einzigen Fischzug fielen ihm fast 2000 Pfund Fische, sogen. Brassen, ins Netz.“ (LV)

20. Dezember: „Die Blüte unseres Volkes, die kräftigsten und tüchtigsten Männer und Jünglinge stehen seit Monden draußen im Kampfe für König und Vaterland. Viele Tausende von ihnen werden leider nicht heimkehren (…) In allen Berufen wird es dann an Arbeitskräften fehlen (…) Es ist für unser Vaterland von größter Wichtigkeit, daß diese schmerzlichen Lücken dann bald ausgefüllt werden, und sie können ausgefüllt werden nur durch die jetzt daheim bleibende Jugend. Elternhaus und Schule müssen darum mehr als je mit Eifer und in Eintracht zusammenwirken, um diese Jugend (…) in Tugend und Gottesfurcht zu erhalten, (…) müssen doch von den 859 kath. Schulkindern in Lingen etwa 250 z. Zt. der väterlichen Zucht und Aufsicht entbehren. Vielerorts sucht man sich der mehrenden Verwilderung und Zügellosigkeit der Jugend, z. B. dem abendlichen Umhertreiben auf den Gassen und dem gesundheitsschädlichen Zigarettenrauchen, durch Polizeiverordnungen zu steuern. Möchten doch alle Lingener Eltern und Vorgesetzten ihre Pflicht tun, damit ein solches Vorgehen hier nicht notwendig werde. Das sind einige der vielen beherzigenswerten Gedanken, die auf dem gestrigen vom Lehrerkollegium der katholischen Volksschule vorbereiteten Elternabend zur Aussprache kamen. Etwa 400 Personen, fast ausschließlich Familienväter und -Mütter, folgten mit sichtlichem Interesse und mit gespannter Aufmerksamkeit den Begrüßungsworten des Herrn Rektors Stevens. (…) Passende Deklamationen und gemeinschaftlich gesungene Lieder füllten die Pausen.“ (LV)

27. Dezember: „Am heiligen Abend fanden hier in allen Lazaretten für die verwundeten Soldaten Weihnachtsfeiern statt, die den Teilnehmern wohl unvergeßlich sein werden. Der Vaterländische Frauenverein hatte mit viel Sorgfalt und Liebe 320 Pakete zusammengestellt und den Verwundeten überreichen lassen. Der Dank der Beschenkten ist ihm dafür sicher.“ (LV)
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de

Die Abbildungen zeigen Inserate Lingener jüdischer Geschäftsleute, die nach 1933 Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. An den Orten der Geschäfte erinnern heute Stolpersteine an die ehemaligen Mitbürger.


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A., o.A., o.A., o.A.