veröffentlicht am 04.11.2015

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

November 1915


2. November: „Die aus Anlaß des Geburtstages unserer Kaiserin veranstaltete Sammlung hatte einen sehr guten Erfolg. Es wurden auf die hiesigen 5 Lazarette gleichmäßig verteilt: 600 Pfd. Saft, 400 Pfd. eingemachten Früchte und 250 Pfd. Marmeladen und Gelees.“ (LV)

3. November: „Unsere Lebensweise. Wie ist das alles nun so anders geworden, als wie wir es früher gewöhnt waren. Sonst redeten wir von (…) den brennenden Zeitfragen (…), von den politischen und den Weltfragen. Jetzt reden wir über Kartoffeln und Obst, über Mehl und Brot, über die täglichen, kleinen Sorgen.“ (LV)

5. November: „Wegen der fleischlosen Tage hat das Schlachthaus fortan Mittwochs und Sonnabends für Schlachtungen geschlossen.“ (LV)

6. November: „Vor dem hiesigen Kriegerdenkmal hat das vom Stellvertret. Generalkommando 10. Armeekorps unserer Stadt leihweise überlassene Beutegeschütz (es ist ein alter 90 Millimeter-Geschütz belgischer Herkunft mit hölzerner Lafette) Aufstellung gefunden.“ (LW)

9. November: „Betrifft: Ausschank alkoholischer Getränke. Am Freitag, den 12. d. Mts. findet hierselbst Rekruten-Kontrollversammlung und am Sonnabend, den 13. (…) Musterung statt. Nach der Verordnung des kommandierenden Generals vom 17. Juli d. Js. ist an diesen Tagen der Verkauf und Ausschank von alkoholischen Getränken verboten. Von drei Uhr nachmittags an ist der Verkauf und Ausschank von alkoholischen Getränken wieder gestattet. (…) Der Magistrat. J. Meyer“ (LV)

9. November: „Heute Nachmittag fand im benachbarten Hanekenfähr die Sprengung eines alten Brückenpfeilers statt. Die unter Beobachtung strenger Vorsichtsmaßnahmen getroffenen Vorbereitungen hatten vollen Erfolg; die elektrisch zur Entladung gebrachten Schüsse haben den Pfeiler ohne nennenswerte äußere Erschütterung so gesprengt, daß mit einem schon bereit gehaltenen Bagger die Abraumarbeiten sofort beginnen können.“ (LW)

12. November: „Wer etwa noch Roggen hat, den er abliefern muß, hat denselben schleunigst vor der am 16. d. Mts. stattfindenden Bestandsaufnahme an den Mühlenbesitzer Koke abzugeben. Der Landrat. v. Lympius.“ (LW)

14. November: „Übung der Jugendkompagnien Meppen und Lingen. Unter Beteiligung von Hunderten von Zuschauern fand am letzten Sonntag eine gemeinsame Übung der Meppener und Lingener Jugendkompagnien statt. (…) Nach Empfang am Bahnhof zogen die Meppener unter klingendem Spiel einer starken Kapelle die Rheiner Straße hinauf zur Besichtigung der Schützengräben.
Danach wurde an einer nahen Stelle Kaffee gekocht. Am Nachmittag rückte die Lingener Jugendkompagnie zur Gefechtsübung gegen die Meppener aus. (…) Die Meppener bezogen auf den Höhen zwischen Rheiner Straße und dem Wellberge gut gewählte Stellungen. Lingen sollte diese angreifen und, um sich durchzuschlagen. Die Aufgabe war äußerst schwierig, da die von Meppen besetzen Höhen das Gelände beherrschten. (…) Die Lingener taten aber alles, um ihre ungünstige Lage durch gute Erkundung, sorgfältige Ausnutzung des Geländes und schneidiges Vorgehen auszugleichen. (…) Die ganze Vorwärtsbewegung der Lingener Kompagnie (…) machte einen schon recht kriegsgemäßen Eindruck. Mit dem Sturm auf die Meppener Stellung schloß diese sehr gut gelungene Felddienstübung. (…) Darauf marschierten beide Kompagnien, die Meppener voran, zum Marktplatz zurück und (…) hatten hier die Ehre, unter den Augen (…) einer größeren Anzahl von Offizieren der hiesigen Garnison (…) im Parademarsch ihre Disziplin zu zeigen. (…) Mit Vergnügen werden alle Beteiligten auf diesen Nachmittag zurückblicken. Die Jugendkompagnie (…) gibt sich der angenehmen Hoffnung hin, daß ihr das durch diese Übung sichtlich neu geweckte Interesse der Militärbehörden zustatten kommt. Erfreulich war auch die überaus starke Anteilnahme der Lingener Bevölkerung; doch wäre hier etwas mehr Zurückhaltung wünschenswert gewesen.“ (LV)

14. November: „Die städtischen Kollegien haben beschlossen, ein Kriegswahrzeichen zur Benagelung anzuschaffen. Dasselbe soll nach einer künstlerischen Skizze gefertigt werden, welche in ihrem oberen Teile das Eiserne Kreuz, in einem unteren Teil das Stadtwappen darstellt und die Inschrift „Dankesopfer“ tragen soll. Ein jeder, der einen Nagel einschlägt, zahlt dafür einen bestimmten Preis, der ein Dankesopfer für unsere Krieger sein d.h. einer örtlichen Wohlfahrtseinrichtung zu Gunsten unserer Krieger und ihrer Hinterbliebenen zugeführt werden soll.“ (LW)

26. November: „An die Herren Gemeindevorsteher: Die Maul- und Klauenseuche hat im Kreise z. Zt. eine erhebliche Ausbreitung erfahren. Die Herren Gemeindevorsteher ersuche ich, den Gemeindeeingesessenen zu empfehlen, keine fremden Personen ihre Viehställe betreten zu lassen, damit die Gefahr der Übertragung der Seuche durch fremde Personen beseitigt wird. Der Landrat. v. Lympius“ (LW)


Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems).


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A., o.A.