veröffentlicht am 05.12.2014

Zeitungschronik - Lingen im Ersten Weltkrieg

 

Dezember 1914


2. Dezember - „Feldpostbrief eines San. Unteroffz. an ….. in Lingen. ‚(…) In Charleroi (Belgien) erhielt ich meine erste Feuertaufe. (…) Es waren erbitterte Straßenkämpfe, wirklich grässlich. (…) Mit einem Male fangen alle Glocken der verschiedenen Kirchen an zu läuten und bums, pautz …. Begann aus allen Gegenden ein unheimliches Feuer, keiner weiß woher! (…) Tausende von Schüssen fallen, die Maschinengewehre fangen an zu mähen; selbst die Kanonen lassen sich hören. (…) Jetzt floß das Blut, und keine halbe Stunde später lagen die Leichen der Elenden zu Hunderten auf der Straße, leider auch eine Anzahl unserer Kameraden. (…) Ohne Erbarmen wurde jetzt alles, was sich in den Weg stellte, durchsucht und angesteckt, und die auf uns geschossen hatten, gefesselt und am nächsten Tage erschossen.“ (LV)

2. Dezember - „In diesem Kriegsjahre können wir nicht so leichtfertig mit dem Brot umgehen wie in früheren Jahren, da uns das Ausland jede gewünschte Menge Brotgetreide in das Land brachte. Wir haben genug, um uns satt zu essen, aber auch nicht mehr. Hausfrauen, handelt danach.“ (LV)

2. Dezember – „Weihnachten, das Fest der Liebe, naht heran; da gilt es die Vorbereitungen zu treffen, daß auch den in den hiesigen Lazaretten untergebrachten Verwundeten (…) ein Zeichen der Liebe unter den Christbaum gelegt werden kann. (…) Nach der demnächstigen Einrichtung zweier weiterer Reservelazarette sind in Lingen ungefähr 500 Verwundete zu bedenken.“ (LV)

9. Dezember - „Die Maul- und Klauenseuche herrscht in den benachbarten Regierungsbezirken zum Teil in großem Umfange. (…) Die Gefahr der Einschleppung und Verbreitung der Seuche im hiesigen Bezirk, der bis vor Kurzem noch seuchenfrei war, ist daher groß.“ (LW)

12. Dezember - „Ein von Osnabrück an die Front gesandter Liebesgabentransport hat dem 3. Bataillon Reserve-Infanterie-Regiment 92 reiche Gaben aus Lingen überbracht, die jetzt zur Verteilung kommen konnten. (…) Wie wir erfahren haben, hat allein die Arbeiterschaft der Königlichen Eisenbahnwerkstätte für die Sammlung eine Summe von über 1000 Mk. gespendet. (…) Manch dankbarer Gruß aus fernem Lande wird in nächster Zeit noch wohl nach Lingen eilen und dazu beitragen, erneut die freundschaftlichen Bande zu befestigen, die die Bewohner von Stadt und Land Lingen mit dem Bataillon verbinden. Larenz, Hauptmann und Bataillon-Führer“ (LV)

16. Dezember - „Nach Anordnung des Kriegsministeriums dürfen die Abnahmestellen alkoholische Getränke, abgesehen von Rotwein, nicht mehr als Liebesgaben zur Verteilung an die Feldtruppen annehmen. (…) Ich (weise) bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß der deutsche Rotwein einen vollgültigen Ersatz für den französischen Rotwein bietet und wegen seines dem Burgunder ähnlichen Gehalts eine besonders wärmende Wirkung ausübt. (…) von Lympius“ (LW)

16. Dezember - „Am nächsten Sonntag findet die Monatsversammlung für den kath. Arbeiterverein statt. Zu dieser Veranstaltung haben auch die Frauen Zutritt.“ (LV)

20. Dezember - „Unsere 92er bedanken sich noch immer durch Feldpostbriefe und -karten. (…) Feldwebel Tremper (…) schreibt unterm 1. Dezember: ‚(…) In einer großen Scheune unter dem Donner der Kanonen fand die Verteilung statt, es war ein wunderbares Bild, nur der Weihnachtsbaum fehlte, sonst war alles vorhanden.’“ (LW)

23. Dezember - „Die Weihnachtsgabensammlung des Vaterländischen Frauenvereins für unsere Feldtruppen hat folgendes erfreuliches Ergebnis gehabt: Aus Lingen 164, aus Lengerich 64 und aus Salzbergen 27 Pakete zu je 5 Gaben. Ferner wurden von der evangelischen Bürgerschule Lingen 217 und von der höheren Töchterschule Lingen 23 ‚gemischte Liebesgabenpakete für je 1 Mann’ dem Verein übergeben. Insgesamt ist also 1515 Kriegern eine Weihnachtsfreude bereitet.“ (LV)

23. Dezember - „Das Tragen von Nachahmungen des Eisernen Kreuzes, auch im verkleinerten Maße, ist nach § 360 Str. G. B. verboten. Lingen, 18. Dez. 1914. Der Landrat v. Lympius. Der Magistrat. Meyer“ (LV)

24. Dezember - „Hundesteuer-Ordnung für die Stadt Lingen. (…) Wer in der Stadt Lingen einen nicht mehr an der Mutter saugenden Hund als Eigentümer oder aus einem anderen Rechtsgrunde besitzt (…), ist verpflichtet, für jeden solchen Hund eine Gemeindesteuer zu entrichten, welche jährlich beträgt: für einen Hund bis zu 45 cm Schulterhöhe 6 Mark, für einen Hund über 45 cm Schulterhöhe 12 Mark.“ (LV)

30. Dezember - „Die 3. Kompagnie des Landsturmbataillons beging am Nachmittage des 23. Dez. ihre Weihnachtsfeier im Klubsaale. Der Raum erwies sich für die große Zahl der Festteilnehmer als zu klein, was aber der fröhlichen Stimmung keinen Abbruch tat. (…) Die Feier verlief unter Ansprachen, allgemeinen Gesängen und Vorträgen des Gesangvereins der Kompagnie in angeregter Stimmung.“ (LV)

30. Dezember - „Erfreulicherweise sind die Lazarette ziemlich wieder leer. Der weitaus größte Teil der Verwundeten konnte als geheilt entlassen werden. Denjenigen aber, die (…) das Weihnachtsfest nun in den Lazaretten in Lingen verbringen mussten, hatten liebevolle, sorgende Hände eine erhebende Weihnachtsfeier bereitet.“ (LW)


Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW) zusammengestellt vom Stadtarchiv Lingen.
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Lingener Stadtarchiv, Lingener Stadtarchiv