veröffentlicht am 07.10.2014

Zeitungschronik - Lingen im Ersten Weltkrieg

 

Oktober 1914

 
4. Oktober - „Trotzdem in letzter Zeit verschiedentlich auf den Wert der Brieftauben zur Nachrichtenbeförderung für Kriegszwecke hingewiesen ist, treten immer noch Fälle ein, dass Brieftauben beim Feldern geschossen werden. (…) Fast täglich kehren Tauben nicht oder mit Schusswunden, zerschossenen Beinen usw. zu ihrem Schlage zurück (…) Um endlich diesem frevelhaften Treiben ein Ende zu bereiten, sieht sich der hiesige Militär-Brieftauben-Verein in die Notwendigkeit gesetzt, in jedem Falle eine hohe Belohnung für denjenigen zu gewähren, der einen Brieftaubenschützen so zur Anzeige bringt, dass derselbe gerichtlich belangt werden kann.“ (LW)

7. Oktober - „Der Musketier Bernh. Schröer aus Schale bei Freren ist im hiesigen Reservelazarett „Wilhelmshöhe“ infolge seiner auf dem Schlachtfelde erhaltenen Verwundung gestorben. Er wird heute per Wagen von hier nach seiner Heimat überführt und, wie wir hören, mit militärischen Ehren aus der Stadt geleitet werden.“ (LV)

10. Oktober - „Gestern Mittag traf hier abermals ein Verwundetentransport ein. Es befinden sich jetzt im Gesellenhause 63, im Krankenhause 58 und auf der Wilhelmshöhe 174 Verwundete.“ (LV)

11. Oktober - „Eine gewisse Aufregung machte sich heute Mittag (9. Oktober) in unserer Stadt bemerkbar. Es war die Meldung gemacht, dass vier englische Flieger beobachtet seien. Unser Landsturmbataillon traf daraufhin sofort seine Maßnahmen und besetzte mehrere hoch gelegene Punkte – unter anderen auch das Dach des Hauses unserer Geschäftsstelle – und hielt scharfen Ausguck nach den feindlichen Luftfahrzeugen, von denen sich aber keins sehen ließ.“ (LW)

14. Oktober - „Bereits am Freitag abend war die Nachricht von dem Fall der belgischen Festung Antwerpen in Form eines unbestimmten Gerüchtes in hiesiger Stadt verbreitet. Als am Samstag morgen (…) diese freudige Kunde bestätigt wurde, brach allenthalben froher Siegesjubel und helle Begeisterung aus. Die Kirchenglocken wurden geläutet, Böllerschüsse erdröhnten, und in kurzer Zeit prangte die Stadt in reichem Fahnenschmucke.“ (LV)

14. Oktober - „Herr Major Meyer, der als stellvertr. Bezirkskommandeur beim hiesigen Bezirkskommando die Mobilmachung leitete, steht jetzt als Kommandeur eines mobilen Bataillons, bei welchem auch viele Landwehrleute aus hiesiger Gegend dienen, vor Verdun. Er bittet, bei Liebesgaben auch seiner Landwehrleute zu gedenken; ganz besonders erwünscht sind Geldbeträge (auch die kleinsten), warme Sachen und Zigarren.“ (LW)

14. Oktober - „Sämtliche noch im Landwehrbezirk Lingen wohnende ausgebildete landsturmpflichtige Marine-Offiziere, Vizedeckoffiziere, Deckoffiziere, Unteroffiziere und „Gemeine als Spezialisten“ (…) haben sich sofort auf dem Bezirkskommando Lingen unter Vorlage der vorhandenen Malitärpapiere (sic!) zu melden. Es kommen die seedienstfähigen sowie die nur garnisondienstfähigen Personen in Frage und werden im Falle der Tauglichkeit sofort nach Wilhelmshaven abgesandt.“ (LW)

21. Oktober - „Die diesjährige Haupteberkrönung und Herbststierkrönung im vormaligen Amtsbezirk Lingen ist auf folgende Tage angesetzt:
(…) 27. Oktober d. Js. (…) nachmittags 3 Uhr in Baccum beim Wirt Overhoff, (…)
30. Oktober d. Js., morgens 10 Uhr in Schepsdorf bei Wirt Bruns (…)“ (LW)

24. Oktober - „Dem Divisionspfarrer Christian Meyer von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehen, weil es ihm gelang, im dichtesten Kugelregen Verwundete in sichere Deckung zu tragen, wobei er durch einen Schrapnellschuß leicht an der Stirne verwundet wurde.“ (LV)

25. Oktober - „Gestern Vormittag fand die Beerdigung des im hiesigen Lazarett verstorbenen Musketiers Jakob Hilfrich aus Lindenholzhausen b. Limburg a. Lahn mit allen militärischen Ehren statt.“ (LW)

28. Oktober - „In den letzten Wochen musste man mehrfach die Wirkung von Mitteilungen beobachten, welche von Leuten mit reger Fantasie und ängstlichem Herzen gemacht wurden (…), und darum wollen wir auch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass alle Gerüchte (…) keinen Anspruch auf Glaubwürdigkeit haben, wenn sie nicht durch das Wolff’sche Telegraphen-Büro bestätigt sind. (…) Dabei wollen wir nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass die Verbreiter von falschen Gerüchten sich sehr leicht der Gefahr aussetzen, wegen groben Unfugs bestraft zu werden.“ (LW)

31. Oktober - „Heute (30. Oktober) starb im hiesigen Reservelazarett der dritte Kriegsverwundete, der Monteur Gregor Wällisch aus Schweinfurt. Die Beerdigung findet Sonntag, den 1. November, 11 ¾ Uhr mit militärischen Ehren statt. R.i.P.“ (LV)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW) zusammengestellt von Dr. Mirko Crabus, Stadtarchiv Lingen.
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


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