veröffentlicht am 06.07.2016

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Juli 1916


2. Juli: „In Sachen betr. das Konkursverfahren über das Vermögen der Lingen-Grafschafter Bank, Aktiengesellschaft, in Lingen, wird (…) eine Gläubigerversammlung einberufen auf Montag, den 10. Juli 1916 (…). Königliches Amtsgericht.“ (LW)

2. Juli: „Den Schlachtermeistern Ottens, Schäfer und Schomaker wird wegen unerlaubter Zurückhaltung von Fleischwaren bis auf weiteres kein Vieh zur Schlachtung überwiesen und ist daher Fleisch bei ihnen bis auf weiteres nicht erhältlich. (…) Der Magistrat. J. Meyer“ (LW)

5. Juli: „Öffentliche Sitzung der Städtischen Kollegien v. Lingen, 4. Juli 1916. (…) Vertragsverhältnis betr. Bezirkskommando-Dienstgebäude. Es wurde beschlossen, dem mit Schreiben der Intendantur des 10. Armeekorps vom 15. Mai 1916 dem Magistrat übersandten abgeänderten Verhandlungsentwurf zu dem zwischen dem Reichsmilitärfiskus und der Stadtgemeinde Lingen abgeschlossenen Mietbauvertrage vom 10. November 1914 nicht zuzustimmen. (…) Es wurde genehmigt, 2 Klassenräume im ehemaligen Schulgebäude an der luth. Kirche von der luth. Kirchengemeinde zu angemessenem Mietpreise zur Unterbringung von Schulkindern der beiden christlichen Volksschulen zu mieten.“ (LV)

5. Juli: Sammelt Obstkerne zur Ölgewinnung. (…) Die Einwohner der Stadt Lingen werden ersucht, die Kerne (…) zu sammeln, zu reinigen und zu trocknen und sie an die demnächst bekannt zu machende Hauptsammelstelle abzuliefern. Der Magistrat.“ (LW)
7. Juli: „In Zukunft wird sämtlichen hiesigen Schlachtern wieder Schlachtvieh wie bisher überwiesen werden. (…) Der Magistrat.“

7. Juli: „Heute früh trafen hierselbst 90 Verwundete ein, welche auf die einzelnen Lazarette verteilt wurden. Ein Wagen des Lazarettzuges trug deutliche Spuren des am 6. Juli von der Obersten Heeresleitung gemeldeten Angriffs durch feindliche Flieger.“ (LV)

9. Juli: „Betrifft: Kriegsgefangene. Wegen der in letzter Zeit gehäuften Fluchtversuche der Gefangenen hat die Inspektion angeordnet, daß sämtlichen Gefangenen abends das Schuhwerk fortzunehmen und morgens nur das zur Arbeit notwendige Schuhwerk wieder auszuhändigen ist.“ (LW)

9. Juli: Zu dem in letzter Woche auch in Lingen verbreitet gewesenen Gerücht (welches besonders hartnäckig aus unserer Nachbarstadt Meppen immer wiederkehrte), ist (…) folgendes Telegramm zugegangen: ‚X. Armeekorps befindet sich in siegreichen Kämpfen. Niederschlagung anderer durchaus falscher Gerüchte erbeten. Generalkommando X.‘“ (LW)

12. Juli: „Lingen, 10. Juli. Heute früh trafen hier wieder 150 Verwundete ein.“ (LV)

12. Juli: „In der Zeit vom 15. bis zum 20. Juli kann an den vom Gemeindevorstand bestimmten Tagen von jeder Haushaltung eine Julizuckermarke über 1 kg gegen eine Brotmarke über 1 kg Brot oder 1500 Gramm Mehl umgetauscht werden.“ (LW)

12. Juli: „Um dem Andrange der Käufer vor den Schlachterläden abzuhelfen, wird folgendes angeordnet: Die Schlachter sind berechtigt, jederzeit im Laufe der Woche
Bestellungen auf Fleisch von den Fleischmarkeninhabern entgegenzunehmen, soweit der ihnen überwiesene Fleischvorrat reicht. Bei der Bestellung ist die Fleischmarke abzuliefern und abzunehmen. (…) Der Magistrat“ (LW)

19. Juli: „Gestern abend trafen wieder etwa 120 Verwundete hier ein, welche auf die verschiedenen Lazarette verteilt wurden. Von den in voriger Woche eingetroffenen Verwundeten wurden 90 den Lazaretten in der Grafschaft Bentheim, welche seit einigen Wochen geschlossen waren, überwiesen.“ (LV)

19. Juli: Im Kreise Lingen bestehen zur Zeit 7 Viehverwertungs-Genossenschaften, wovon die älteste im Jahre 1901 in Bawinkel gegründet wurde. Es folgten dann 1903 Freren und Spelle, 1907 Lengerich, 1908 Emsbüren, 1909 Messingen und 1911 Beesten. Die Mitgliederzahl der Genossenschaften beträgt 2422. (…) Durch die Viehverwertungs-Genossenschaften des Kreises Lingen wurde im Jahre 1915 an Fettvieh geliefert 5746 Rinder, 5329 Kälber, 3256 Schafe und 20370 Schweine.“ (LV)

19. Juli: Am Dienstag und Donnerstag jeder Woche, vormittags von 10 bis 12 Uhr, ist die städtische Männerbadeanstalt den Mannschaften des hiesigen Rekruten-Depots zur Verfügung gestellt und (…) für andere Badegäste geschlossen.“ (LW)

22. Juli: „An der städtischen Butterverkaufsstelle, welche gegenwärtig der hiesigen Molkerei Kaiserstraße Nr. 5 übertragen ist, dürfen nur diejenigen Personen Butter einkaufen, welche ihren Bedarf an Butter nicht anderweitig aus dem Kreise Lingen decken und welche in eine Kundenliste dieser Verkaufsstelle eingetragen sind. (…) Jeder in die Kundenliste der Verkaufsstelle Eingetragene erhält einen Bezugsschein, welcher nach Maßgabe seiner Farbe und seines Aufdrucks zur Entnahme von Butter an einem vom Magistrat durch Bekanntmachung zu bestimmenden Wochentage berechtigt.“ (LV)

22. Juli: „Oeffentliche Ausschreibung der Abbruch- und Maurer-pp.-Arbeiten zum Umbau des Königl. Amtsgerichts-Gebäudes zu Lingen a.d. Ems.“ (LV)

26. Juli: „Es wird uns mitgeteilt, daß in den umliegenden Ortschaften Eier usw. aufgeholt werden für das hiesige Krankenhaus. Von diesen ohne jeden Auftrag aufgeholten Sachen ist dem Krankenhaus noch nichts abgeliefert worden. Es erscheint deshalb die Bitte nicht unberechtigt, Gaben für das Krankenhaus nach wie vor nur an die dazu bestimmten und dafür bekannten Sammler abzugeben oder sie selbst im Krankenhause abgeben zu wollen.“ (LV)

29. Juli: „Aus dem Kreise Lingen, 25. Juli. Von den Jugendwehrkompagnien Düsseldorfs traten hier gestern 29 junge Leute ein, um den hiesigen Landwirten bei den Erntearbeiten zu helfen. Die Hilfeleistung wird sich auf die Zeit von 6 Wochen erstrecken und ist den Landwirten sehr willkommen, da die Anzahl der zugeteilten Kriegsgefangenen in den meisten Fällen für die Erntearbeiten nicht genügt.“ (LV)
 
 
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW).
Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A., o.A.