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Zeitungschronik – Januar 1920

3. Jan.: „Bei der augenblicklichen Schwierigkeit hierorts, eine andere Wohnung zu finden, sind unnötige Umzüge durchaus zu vermeiden. Jeder Mieter bleibe, wenn irgend möglich, da wo er wohnt, und warte, bis die hiesige Wohnungsnot durch Herstellung der vom Bauverein und der Siedlungs-Aktiengesellschaft geplanten 70 Häuser gelindert ist. (…) Die Mieter werden darauf aufmerksam gemacht, daß Kündigungen der Vermieter (…) für unwirksam erklärt (sind). (…) Weiter wird darauf aufmerksam gemacht, daß sowohl neue als auch alte Mieter übermäßige Mietforderungen und steigerungen vom Einigungsamte auf die angemessene Höhe herabsetzen lassen können. (…) Der Magistrat (Wohnungsamt)“ (LV)

6. Jan.: „Der Bürgersöhne-Aufzug (…) feiert am Sonntag den 11. dieses Monats sein diesjähriges Winterfest. Da es dem Verein nicht möglich war, die zu einer Theateraufführung erforderlichen Kostüme und Bühnenausstattung zu beschaffen, musste von der Aufführung eines entsprechenden Stückes abgesehen werden.“ (LW)

6. Jan.: „Am 6. Januar versammelten sich (…) die Vertreter der Ortskartelle der christl. Gewerkschaften des Emslandes, Artlandes und der Grafschaft Bentheim (…). Nach zustimmenden Erklärungen der einzelnen Vertreter wurde die Gründung eines Bezirkskartells beschlossen und ein provisorischer Vorstand gewählt (…). Die (…) vereinigten christlichen Berufsorganisationen verfügen über circa 5000 Mitglieder.“ (LV)

7. Jan.: „Was soll man dazu sagen, wenn man (den Hilfsarbeitern als) der zahlenmäßig stärksten Kategorie von Eisenbahner in Lingen von der Regierung ab Neujahr ein Lohnzuschlag von 80 Pfennig geboten wird, während sie gleichzeitig den Brotpreis so erhöht, daß eine 6 köpfige Familie bei ihrem Mehreinkommen von 1,60 pro Tag schon allein für die Brotration 1,00 Mark mehr ausgeben muß! (…) Die Hilfsarbeiter der Hauptwerkstätte Lingen aller drei Verbände erheben in einer überfüllten Versammlung allerschärfsten Protest gegen die unterschiedliche Behandlung der Handwerker und Hilfsarbeiter bei Festsetzung des ab 1. Januar zahlbaren Lohnzuschlags.“ (LV)

7. Jan.: „An die Landwirte im Kreise Lingen. (…) Nach Mitteilung des Gefangenenlagers Hameln waren alle (…) in der Landwirtschaft beschäftigten Kriegsgefangenen (…) bis zum 15.12.1919 zum Lager abzuliefern. Dieser Aufforderung sind die Arbeitgeber vielfach nicht nachgekommen. Die säumigen Arbeitgeber werden (…) aufgefordert, die beschäftigten Gefangenen bis spätestens zum 10. Januar 1920 bei dem zuständigen Gefangenenlager abzuliefern.“ (LV)

9. Jan.: „Sozialdemokratischer Wahlverein. Große öffentliche Volksversammlung. Thema: ‚Der Feind steht rechts‘.“ (LW)

10. Jan.: „Für den Landkreis Lingen sind zwei Mieteinigungsämter gebildet worden, deren örtliche Zuständigkeit mit den Amtsgerichtsbezirken Lingen und Freren zusammenfällt.“ (LW)

20. Jan.: „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Ortsgruppe Lingen. Große öffentliche Volksversammlung. Thema: Staat, Kirche und Schule. Die Lehrer und die Geistlichkeit beider Konfessionen sowie die Spitzen der Behörden werden hiermit eingeladen und wird ihnen sowie sämtlichen Parteien freie Diskussion zugesichert. Bürger und Arbeiter erscheint in Waffen!“ (LW)

21. Jan.: „Kath. Gesellenverein. Nach Verlauf von 6 Jahren kann die Generalversammlung am Sonntag wieder in althergebrachter Weise im eigenen Hause stattfinden.“ (LV)

23. Jan.: „Infolge der ganz außerordentlichen Steigerung der Silberpreise ist der Metallwert der Silbermünzen weit über den Nennwert gestiegen. Infolgedessen sind diese Münzen völlig aus dem Verkehr verschwunden, so dass sie (…) als Zahlungsmittel keine Verwendung mehr finden.“ (LV)

24. Jan.: „Am 1. Februar veranstaltet die ‚Alte Liedertafel‘ zum ersten Male unter der neuen Bezeichnung ‚Oratorien- und Konzert-Verein‘ ein Konzert.“ (LW)

24. Jan.: „Seit mehreren Monaten bemüht sich der Büchereiausschuss, geeignete Werke für die Städtische Volksbücherei zu beschaffen. Leider entspricht das bisherige Ergebnis nicht den gehegten Erwartungen (…). Wir wenden uns deshalb an die Bürgerschaft mit der Bitte, uns gelesene, aber noch gut erhaltene Bücher in dauerhaftem Einband zur Verfügung zu stellen. (…) Anfragen und Angebote (…) sind an den Vorsitzenden des Ausschusses, Herrn Rektor Mohrmann, zu richten. (…) Bücher, deren Besitzer an einer ansteckenden Krankheit gestorben sind, können nicht angenommen werden.“ (LW)

27. Jan.: „Erwiderung. Betrifft das Eingesandt des Herrn Müscher auf meinen Artikel ‚Weltanschauung und Gewerkschaft‘. (…) Die persönlichen Anzapfungen Müschers gegen meine Person lasse ich (…) unbeantwortet. (…) Nur eines möchte ich klar zum Ausdruck bringen: ‚Als die Revolution ausbrach, wußte ich genau, welche Weltanschauung ich hatte und handelte darnach. Wie war es denn mit Dir dagegen, mein lieber Bernhard!! Du entsinnst dich doch?‘ Knospe, Verbandssekretär“ (LW)

29. Jan.: „In dem hiesigen Strootgelände (…) vollziehen sich zur Zeit größere Umwälzungen. Die bereits vor dem Kriege beantragte Verkoppelung wird jetzt durchgeführt. (…) Der Strootbach war so zu verlegen, dass er die Bauform der neuen Pläne nicht störte; er hat dadurch zwar einige Kurven erhalten, führt jedoch das Wasser jetzt besser ab, als früher.“ (LW)

31. Jan..: „Dem Landrat Dr. Pantenburg in Lingen ist durch Erlass der Pr. Staatsregierung vom 15. Dezember 1919 das Eiserne Kreuz II. Klasse am weiß-schwarzen Bande verliehen worden.“ (LV)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de



Fotos v.o.n.u.: Stadtarchiv Lingen