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Zeitungschronik – April 1920

3. April: „An unsere Leser! Infolge der ungeahnten Preissteigerungen aller Materialien etc. sehen auch wir uns gezwungen, ab heute den Abonnementspreis auf 3,50 Mk. für das Vierteljahr festzusetzen. (…) Lingensches Wochenblatt“ (LW)

3. April: „Es ist in der letzten Zeit die Wahrnehmung gemacht worden, daß wiederholt Versammlungen abgehalten worden sind ohne die erforderliche Anmeldung und Genehmigung. Wir sind von der vorgesetzten Behörde angewiesen worden, die Verfügungen des Wehrkreiskommandos und des Regierungskommissars über die Abhaltung von Versammlungen in jeder Beziehung durchzuführen. (…) Der Magistrat“ (LW)

3. April: „Kriegsgefangene der Stadt Lingen, die nachweisbar in England, Frankreich, Amerika, Belgien, Italien und Serbien in Kriegsgefangenschaft waren und noch nicht heimgekehrt sind, müssen von ihren Angehörigen sofort (…) gemeldet werden. Die letzte Kriegsgefangenenadresse sowie die letzte Nachricht ist mitzubringen. (…) Für die Kriegsgefangenen in Rußland, Rumänien und Japan wird später ein gleicher Aufruf erfolgen. Städtisches Wohlfahrtsamt. ‚Kriegerheimkehr‘.“ (LW)

8. April: „Die in der Stadt Lingen und den Landgemeinden des Kreises sich aufhaltenden abstimmungsberechtigten Oberschlesier, Ost- und Westpreußen werden ersucht, sich bis zum 10. April 1920 auf dem Landratsamt behilfs Eintragung zu melden. Die erforderlichen Urkunden, Tauf- oder Geburtsscheine und bei Frauen außerdem Heiratsurkunden sind mitzubringen. (…) Der Landrat. Der Magistrat“ (LW)

10. April: „Städtische Kollegien. (…) Zulassung der Pressevertreter zu den vertraulichen Sitzungen. Ueber diesen Punkt entspann sich eine längere Debatte. Der Magistrat hatte beschlossen, die Zulassung (…) zu verweigern. Vom Bürgervorsteher-Kollegium waren 13 für und 9 gegen die Zulassung. Die Abstimmung ergab einen Differenzbeschluß mit dem Magistrat.“ (LV)

13. April: „Am Sonntag, den 11.4.20 hielt der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen Ortsgruppe Lingen im Hotel Heeger seine Generalversammlung ab, die gut besucht war. (…) Zum Bedauern aller Mitglieder (bat) der bisherige Vorsitzende, Kamerad Häger sen., (…) von einer Wiederwahl Abstand zu nehmen. Bei der hierauf erfolgten Neuwahl wurden gewählt: Als 1. Vorsitzender Kamerad Jandel (…).“ (LW)

13. April: „Die Deutsche Volkspartei hatte am Freitag abend im Nave’schen Saale eine zahlreich (…) besuchte Versammlung, in welcher Herr Professor Dr. Dieckmann aus Osnabrück über das Thema: Der Kapp-Putsch und die Deutsche Volkspartei, sprach. Nachdem er die ganze Entstehungsgeschichte des Putsches dargelegt, führte er (…) aus, daß die Anwürfe anderer Parteien, (…) die deutsche Volkspartei habe dem Kapp-Putsch sympathisch gegenüber gestanden oder ihn gar unterstützt, grundfalsch (…) seien. (…) Daß zu dem Generalstreik als Abwehr gegriffen ist, (…) hält die D.V.P. allerdings für einen großen Fehler.“ (LW)

14. April: „Wieder einmal haben wir uns dem Geheiß der Entente beugen müssen: die von ihr anbefohlene Auflösung der Einwohnerwehren wird nunmehr vollzogen. (…) Es wird den Gemeinden anheimgestellt, den Selbstschutz (…) unter eigener Regie zu organisieren.“ (LV)

14. April: „Zwischen dem Hausfrauenverein Lingen und dem Reichsverband weibl. Hausangestellten, Ortsgruppe Lingen, ist ein Vertrag abgeschlossen, welcher die Lohn- und die Arbeitszeit, sowie Urlaubs- und Ausgangszeit endgültig regelt. Als Mindestlöhne gelten ab 1. April ds. Js. für alle im Haushalt anzulernenden Mädchen im Alter von 15-17 Jahren 25-35 Mark monatlich. Zum Haushalt ausgebildete Mädchen (…) 40 Mark monatlich, steigend nach der Leistung und Vereinbarung. (…) Die tägliche Arbeitszeit soll einschließlich der Arbeitsbereitschaft 12 Stunden nicht überschreiten.“ (LV)

15. April: „Falls die öffentlichen Arbeitsnachweise und das Landesarbeitsamt Niedersachsen nicht in der Lage sind, deutsche Arbeitskräfte zu stellen, können russische Internierte (frühere Kriegsgefangene) zu Arbeit gestellt werden. (…) Die Entlohnung der Russen geschieht nach denselben Grundsätzen wie bei den deutschen Arbeitern. (…) Der Landrat“ (LW)

15. April: „Die Kollegien beschließen für die Schaffung von Wohnungen (…) die Aufnahme einer Anleihe von 250 000 Mark. (…) Wegen der weiteren Bearbeitung der Bauten wurde eine Baukommission gewählt.“ (LW)

15. April: „Sozialdem. Wahlverein Lingen und Umgegend. Freitag, den 16. April, abends 8 Uhr im Lokale der Wilhelmshöhe Oeffentliche Volksversammlung. (…) Arbeiter erscheint in Massen, in der Versammlung wird gründlich mit den Rechtsparteien abgerechnet werden.“ (LW)

17. April: „Das Moor- und Heidebrennen (…) hat in den letzten Jahren wiederholt Veranlassung zu Waldbränden und Schadenfeuern gegeben. (…) Ohne Erlaubnis des Gemeindevorstehers darf nicht gebrannt werden. (…) Der Landrat“ (LW)

21. April: „Das Jahr 1919 weckte für die Freunde der Heimatgeschichte unseres Emsstädtchens Erinnerungen anderer Art. Vor 100 Jahren wurde die Universität der Stadt in das Gymnasium Georgianum umgewandelt. Damit hörte Lingen auf, Universitätsstadt zu sein.“ (LV)

24. April: „Infolge der in letzter Zeit erheblich gestiegenen Unkosten bei der  Herstellung des Mehles und Brotes (…)  mußte auf dringende und berechtigte Wünsche der Müller und Bäcker eine Neuregelung der Mehl- und Brotpreise erfolgen. (…) Der Magistrat“ (LW)

28. April: „In der (…) Deligiertenversammlung des christlichen Gewerkschaftskartells Lingen wurde eine Aufforderung, am 1. Mai die Arbeit ruhen zu lassen, abgelehnt. (…) Nur Arbeit und nochmals Arbeit kann uns retten.“ (LV)

29. April: „Die Städtische Bücherei u. Lesehalle wird Sonntag, den 2. Mai, mittags 12 Uhr eröffnet. (…) Die Benutzung der Bücherei ist unentgeltlich. Bei der Entnahme der Ausweiskarte ist ein Pfand von 3 M. zu entrichten. (…) Die ordnungsgemäße Leihfrist beträgt 3 Wochen. (…) Die Bücher sind in Papier eingeschlagen zur Bücherei zu bringen und von dort mitzunehmen.“ (LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen.



Fotos v.o.n.u.: Stadtarchiv Lingen