Kreuzkirche
Universitätsplatz 1
49808 Lingen (Ems)
Tel. 0591 3604

Kreuzkirche

 

Älteste Lutherische Kirche im Emsland

 
Spannend liest sich die Geschichte der lutherischen Gemeinde in Lingen, die der damalige Pastor Walter Kruse 1953 aufgezeichnet hat:

Schon um 1540 hatte die Lehre Martin Luthers im Emsland Anhänger gefunden. 1551 wurde die Grafschaft Lingen Teil der spanischen Niederlande und damit hineingezogen in die Auseinandersetzungen zwischen Spaniern und Oraniern. Mindestens sieben mal wechselte die Herrschaft in den folgenden 150 Jahren bis 1702 und jedes mal wechselte die Staatsreligion, katholisch unter den Spaniern und calvinistisch-reformiert unter oranisch-holländischer Herrschaft. Für Lutheraner war dabei wenig Platz.

1702 kamen die Preußen und brachten über ihre Beamten und Militärs das lutherische Bekenntnis zurück nach Lingen. Preussen war ein für damalige Verhältnisse in religiösen Fragen toleranter Staat. Er respektierte die etablierte reformierte Gemeinde, erlaubte den Lingener Katholiken ab 1717 Gottesdienste in der Stadt, wenn auch nur in Privathäusern, und genehmigte den lutherischen Christen 1728 die Gründung einer eigenen Gemeinde. Es war eine wirkliche Diasporagemeinde, deutlich in der Minderheit gegenüber Katholiken und Reformierten und in der Ausdehnung riesig, pastoral kaum zu bewältigen: Sie umfasste die Nieder- und Obergrafschaft Lingen, die Grafschaft Tecklenburg und reichte bis vor die Tore von Osnabrück.

Mühsam war der Weg zu einer eigenen Kirche. Ein Grundstück in bester Lage, nahe beim Marktplatz und gegenüber der Universität, konnte erworben werden. Kollektenreisen des ersten Pastors Naber nach Holland und Hamburg, königliche Spenden und eine opferbereite Gemeinde erlaubten schließlich 1737 nach einem Entwurf des Landesbaumeisters F. Bielitz aus Minden einen bescheidenen Bau. Er gehört zu den ältesten lutherischen Kirchenneubauten im Nordwesten Deutschlands.

Sie diente gleichzeitig als Aula der Universität. 1888 erfolgte eine Erweiterung, verbunden mit einem durchgreifenden Umbau des Inneren.

Die barocke Fassade, damals noch ohne Turm, zählt heute zu den schönsten in Lingen. Sie bildet zusammen mit der ehemaligen Universität und dem Professorenhaus einen intimen, wunderschönen Platz.

Das Seitenschiff bildet eine Abgrenzung des Universitätsplatzes. Der Eingang ist zur Baccumer Straße gerichtet.

Text von Walter Klöppel
 



Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), o.A., Schöning Fotodesign, Schöning Fotodesign, o.A.