Archäologie in Lingen (Ems)

 
Das Gebiet der heutigen Stadt Lingen steckt voller archäologischer Fundstellen aus unterschiedlichsten Epochen, denn seit der Steinzeit war dieses Gebiet von Menschen besiedelt. Reste von Großsteingräbern, etwa im Lingener Forst bei Mundersum, sind eindrucksvolle Monumente, die von den damaligen Emsländern an vielen Stellen errichtet wurden. Doch auch die vielen Einzelfunde von Steinbeilen und anderen steinzeitlichen Werkzeugen sind wertvolle Zeugnisse jener Epoche.

Mit der Einführung des Ackerbaus in der Jungsteinzeit bildeten die Uferterrassen der Ems und die Hänge der „Lingener Höhen“ das bevorzugte Siedlungsgelände. Bei großflächigen Ausgrabungen in Baccum und Laxten traten solche Siedlungsareale mit Spuren aus der Bronze- und Eisenzeit an das Tageslicht. Doch auch an vielen anderen Stellen wurden auf den Siedlungs- und Ackerflächen immer wieder einzelne Artefakte aus diesen Epochen entdeckt.

Die römischen Truppen nutzten im Rahmen der Germanenkriege im Umfeld der „Varus-Schlacht“ bei Kalkriese (9 n.Chr.) die Ems als Schifffahrtsweg und passierten dabei auch das Lingener Gebiet. An der Aamündung südlich von Lingen dürfte sich ein Ankerplatz der römischen Flotte befunden haben. In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten trieben die Römer vom Rheinland aus regen Handel mit den Germanen an Rhein und Ems. So gelangte manches römische Importstück in den emsländischen Boden.

Seit dem Mittelalter ist eine kontinuierliche Besiedlung der meisten Dörfer und Bauerschaften bis in die Gegenwart nachzuweisen. Insofern sind Bodenfunde aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit dort keine Seltenheit. Den mittelalterlichen Handelsverkehr auf der Ems dokumentiert der Münzfund von Polle aus der Zeit um 1200. Die zahlreichen gut erhaltenen Silbermünzen sind heute im Emslandmuseum ausgestellt.

Eine besondere Entwicklung in der Archäologie des Mittelalters nimmt die Stadt Lingen mit ihren dicht bebauten Straßenzügen, der Burganlage (Pulverturm) und dem früheren Festungsgürtel. Dort stößt man bei Bauarbeiten fast zwangsläufig auf Spuren des Mittelalters und der frühen Neuzeit wie Hausfundamente oder Brunnen unterschiedlicher Bauart. Ein bekanntes Fundstück aus der Lingener Festungszeit ist die hölzerne Archimedische Schraube, die einst Wasser in den Stadtgraben beförderte. Sie wurde restauriert und ist heute in einer Außenvitrine hinter dem Emslandmuseum aufgestellt.

Archäologische Prospektionen und Grabungen

 
Wenn neue Bau- oder Gewerbegebiete auf bisher unbebauter Fläche entstehen sollen, ist die Stadt verpflichtet zu prüfen, ob das jeweilige Areal Baudendenkmalfunde enthalten könnte. Dafür führt ein beauftragte Fachbüro so genannte "archäologische Prospektionen" durch. Die Grabungstechniker untersuchen die Fläche zunächst stichprobenartig. Lassen die Stichproben dann auf größere Funde schließen, werden archäologische Grabungen durchgeführt.

 

 

 

Archäologische Ausgrabungen am Laxtener Esch

Archäologische Ausgrabungen am Laxtener Esch

Spuren aus der Jungsteinzeit (4.000 vor Christus)
Spuren aus der Jungsteinzeit (4.000 vor Christus) hat das beauftragte Fachbüro denkmal3D am Laxtener Esch in Lingen gefunden. Auf der circa fünf Hektar großen Fläche fanden die Grabungstechniker zunächst...


 
 


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Emslandmuseum Lingen, Emslandmuseum Lingen, Emslandmuseum Lingen, o.A.