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Zeitungschronik – Juni 1920

1. Juni: „Die dem Verband angeschlossenen Aerzte der Stadt Lingen haben der Aufforderung des Aerzteverbandes Folge geleistet und ab 25. d. Mts., mittags 12 Uhr den vertragslosen Zustand zwischen Krankenkassen und Aerzten erklärt. (…) Die Durchsetzung dieser Forderungen würden den Ruin der Krankenkassen bedeuten..“ (LW)

2. Juni: „Plenarversammlung der städtischen Kollegien.(…) Die Stundenlöhne der städtischen Arbeiter über 20 Jahre wurden auf 3,30 Mark inkl. Feuerungszulage (plus 20 Pfg. Kinderzulage), für jugendliche Arbeiter von 18-20 Jahren um 50 Pfg., unter 18 Jahren um 75 Pfg. pro Stunde weniger, festgesetzt. Vorarbeiter erhalten pro Stunde 3,55 Mark inkl. Feuerungszulage.“ (LV)

5. Juni: „Wähler Lingens! In den letzten Tagen ist an den Anschlagsäulen unserer Stadt ein gegen die Juden gerichtetes Flugblatt angeklebt worden. Dieses Machwerk wird der Volkspartei in die Schuhe geschoben. Wir erklären hiermit öffentlich, daß wir derartigen Hetzereien fern stehen. (…) Deutsche Volkspartei, Ortsgruppe Lingen“ (LW)

8. Juni: „Das Wahlergebnis. Starkes Anschwellen der Oppositionsparteien von rechts und links. Schwere Niederlage der Demokraten und Sozialdemokraten. (…) Stadt Lingen:

  • Burlage (Zentrum) 1750, im Vorjahr 1971 Stimmen
  •  Liste Henke (U.S.P.D.) 877, im Vorjahr – Stimmen
  • Liste Waigand (M.S.P.D.) 864, im Vorjahr 1578 Stimmen
  • Dannemann (Deutsche Volkspartei) 657, im Vorjahr 816 Stimmen
  • Bügener (Christlich-soziale Partei) 434, im Vorjahr - Stimmen
  • Koch (Deutsch-dem. Partei) 189, im Vorjahr 188 Stimmen
  • Biester (Deutsch-hann. Partei) 104, im Vorjahr 262 Stimmen
  • Hergt (Deutschnationale Volkspartei) 62, im Vorjahr 27 Stimmen
  • Schmidt (Kommun. Partei) 22, im Vorjahr 0 Stimmen“ (LW)

09. Juni: „Die Wahl zum Reichstag ist hier glatt verlaufen. Während bei der Nationalwahl der Hauptandrang zu den Wahllokalen sich vormittags abwickelte, verteilten sich diesmal die Wähler gleichmäßig auf den ganzen Tag. Flugblätter und Plakate sah man massenhaft an den Häuserecken und Wänden angeklebt, die Stimmzettel wirbelten auf den Straßen hin und her.“ (LV)

12. Juni: „Der Sternlauf in unserer Stadt am 20. Juni. Eine Kundgebung für Leibesübungen soll hier durch einen Sternlauf am 20. ds. Mts. stattfinden, an dem die Schulen, Vereine, Turn- und Sportvereine teilnehmen. Der Sternlauf nimmt seinen Weg von fast sämtlichen Straßen der Stadt zum Markt (…). Der Sternlauf der deutschen Jugend, der fast in allen deutschen Städten stattfindet und stattfand, hat nur die eine Bitte, die eine Forderung: Schafft Turn-, Spiel- und Sportplätze, um der nach Gesundung ringenden Jugend zu helfen.“ (LW)

16. Juni: „Am Montag voriger Woche fand im Hotel Heeger eine (…) Versammlung zur praktischen Vorführung der Bilsbandage statt. Den beinamputierten Kriegsbeschädigten von Lingen und Umgebung wurde hier Gelegenheit gegeben, die von dem Kam. Bils (Berlin) erfundene Bandage zur Hebung der Gehfähigkeit kennen zu lernen. Die größere Anzahl der anwesenden Kriegsbeschädigten wurde von dem Erfinder, Herrn Bils, mit dieser Bandage, die sich ohne weiteres an jedes Kunstbein anbringen läßt, ausgerüstet. Ob nun Ober- oder Unterschenkelamputation, ein jeder, der hiermit ging, konnte voll und ganz bestätigen, daß es wirklich ein Apparat ist, der ein Gehen ohne Körperanstrengung ermöglicht.“ (LV)

19. Juni: „Ueber das Vermögen der Firma Eduard Cohen, Häute und Fellhandlung in Lingen wird heute, am 15. Juni 1920. Nachmittags 7 ½ Uhr das Konkursverfahren eröffnet, da die Inhaberin der Firma, Sophie Cohen zu Lingen, ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt (…) hat.“ (LW)

19. Juni: „Aerztliche Versorgung der Krankenkassen. (…) Soweit bekannt, sind im Deutschen Reiche von einigen Krankenkassen (…) Versuche gemacht worden, Nothelferärzte anzustellen (…) Die allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Lingen und die Land- und Kreisortskrankenkasse des Kreises Lingen (…) haben bei Herrn Dr. Völker-Gerd in Lingen den gewünschten Erfolg gehabt. (…) Deshalb hat der Aerzteverein des Kreises Lingen beschlossen, vom 21. Juni ab die Behandlung sämtlicher Mitglieder dieser Kassen auch dann abzulehnen, wenn sie sich bereit erklären, die Kosten der Behandlung selbst zu tragen. Selbstverständlich sind Fälle, in denen augenblickliche Lebensgefahr besteht, ausgenommen.“ (LW)

19. Juni: „Nachdem ich bei der Firma Heinrich Benner hierselbst ausgetreten bin, eröffne ich in dem früher Gresshoff’schen Hause am Markt 24 ein Haushaltungsgeschäft. (…) Clemens Brackmann“ (LW)

24. Juni: „Durch Reichsgesetz vom 8.5.1920 ist die bisherige Versorgungsstelle Lingen in ein Versorgungs-Amt und das bisherige Versorgungs-Amt Hannover in ein Hauptversorgungs-Amt umgewandelt. Vielfach besteht über das Arbeitsgebiet des aus dem früheren Bezirks-Kommando hervorgegangenen Versorgungs-Stelle (…) noch Unklarheit. (…) Das Versorgungs-Amt ist eine ständige Zivilbehörde und dient lediglich der Bearbeitung von Pensions- und Rentenangelegenheiten. Militärische Abwicklungsarbeiten werden nicht vorgenommen." (LW)

26. Juni: „Die gestrige Plenarversammlung (…) hatte als einzigen Punkt der Tagesordnung nur die Errichtung eines Elektrizitätswerkes aufzuweisen. (…) Eingehend schilderte Herr Bürgermeister Kühne die Verhandlungen mit der Kanalverwaltung über die Entnahme von (…) Wasser aus den Schleusen, um eine Wasserkraftanlage (…) zu schaffen. Wurden seitens der Kanalverwaltung zunächst keine Bedenken geäußert, so wurden später dagegen mancherlei Einwände erhoben. (…) Es wurde dann der Frage näher getreten: Wie behelfen wir uns ohne Wasserwerk? (…) Da ein großes Bedürfnis und Verlangen nach Elektrizität hier besteht, bittet Herr Bürgermeister Kühne die Versammlung, dem Projekt betreffend die Errichtung einer Sauggas-Motor-Anlage die Zustimmung zu geben. Herr Ingeneur Kirchner (…) schildert die Unmöglichkeit, den elektrischen Strom von der Eisenbahn zu nehmen. (…) Die Windhoff’sche Anlage habe nur 40 Pferdestärken übrig. (…) Es folgt die Abstimmung über den Antrag des Herrn  Senators Gilles, die Beschlußfassung über das Projekt zu vertagen. Vorher machte Herr Bürgermeister Kühne darauf aufmerksam, daß die gemachte Offerte für den Sauggas-Motor nur noch bis heute gültig sei. (…) Setze man heute die Beschlussfassung aus, so scheitere (…) das ganze Projekt.. Die Abstimmung ergab trotzdem die Annahme des Antrages Gilles.“ (LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de



Fotos v.o.n.u.: Stadtarchiv Lingen