veröffentlicht am 28.03.2018

Vier weitere Stolpersteine in der Georgstraße verlegt

 

Erinnerung an das Schicksal der Familie de Jong und Rosette Groenberg

 
 „Das einzige Verbrechen, dass dieser kleine Junge mit seinen knapp zwei Jahren begangen hatte, war es, jüdisch zu sein. Als ich vom Schicksal des kleinen Hermann Nico de Jong und seiner Familie erfahren habe, flossen bei mir die Tränen. Das ist das furchtbarste, das ich jemals gehört habe.“ Tief bewegt zeigte sich am letzten Wochenende Bernard Grünberg bei der Verlegung von vier weiteren Stolpersteinen vor seinem ehemaligen Elternhaus in der Georgstraße. 

Anlässlich seines 95. Geburtstages war der Lingener Ehrenbürger nach Lingen gekommen. Auf seine Initiative hin und unter der Anteilnahme vieler Bürgerinnen und Bürger verlegte der Lingener Künstler Peter Lütje die vier Steine für Rosette Groenberg, Elise de Jong, Bob de Jong und Hermann Nico de Jong. Bereits 2012 hatte der Künstler und Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig, vor dem Haus in der Georgstraße Stolpersteine für die Eltern Bernard Grünbergs Bendix und Marianne sowie seine Schwester Gerda Grünberg verlegt. „Die Menschen, die sagen, der Holocaust sei nie passiert, haben scheinbar nichts aus diesem gelernt“, erklärte Bernard Grünberg. „Es gibt Erlebnisse, derer wollen wir uns erinnern und es gibt Fakten, derer müssen wir uns erinnern“, mahnte der Lingener Ehrenbürger. Organisiert hatte die Stolpersteinverlegung das Forum Juden-Christen. Anne Scherger hatte das Schicksal der Familie zusammen mit Anne-Dore Jakob und Benno Vocks recherchiert und stellte den Lebenslauf der Familie während der Feierstunde vor.
 


Zum Lebenslauf

Rosette Grünberg wurde 1879 in Sögel geboren. Sie war eine Schwester von Bendix Grünberg und damit die Tante des Lingener Ehrenbürgers Bernard Grünberg. Rosette heiratete 1906 den Niederländer Nathan Abraham Groenberg und gebar 1918 ihre Tochter Elise. Nach dem Tod von Nathan Abraham Groenberg zogen Mutter und Tochter 1921 zu den Grünbergs nach Lingen und lebten dort bis 1930. Von dort zogen sie zunächst nach Bielefeld und dann 1934 nach Amsterdam, wo Elise 1939 den aus Groningen stammenden Bob de Jong heiratete. Das Paar bekam 1941 ihren Sohn Hermann Nico de Jong. 

1943 wurden alle Mitglieder der Familie, darunter auch die Großmutter von Hermann Nico de Jong in das Lager Sobibor deportiert und dort ermordet – Hermann Nico de Jong zehn Tage vor seinem zweiten Geburtstag. Auch wenn Bernard Grünberg lediglich die Frauen der Familie persönlich kennenlernen konnte, so hatte er trotzdem zu den de Jongs eine enge Verbundenheit. Dank der Hilfe von Bob de Jong konnten ihm seine Eltern über die Niederlande bis zum Überfall des Landes Briefe und Taschengeld schicken.


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Thomas Keuter, Thomas Keuter, Thomas Keuter, Thomas Keuter, Thomas Keuter, Thomas Keuter, Thomas Keuter