veröffentlicht am 07.10.2019

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Oktober 1919

 
1. Okt.: „29. Sept. In der am Sonnabend im Hotel Heeger abgehaltenen Kreistagssitzung wurden die Gelder für den Arbeiterrat in Lingen nicht weiter bewilligt.“ (LV)

2. Okt: „In einer überfüllten Versammlung der Mitglieder des Deutschen Eisenbahn-Verbandes wurde durch ein Mitglied der von Knospe unterzeichnete Artikel in Nr. 114 d. Bl. zur Sprache gebracht und nach kurzer Besprechung dieses eigenartigen Geistesproduktes einstimmig beschlossen, den Vorstand des D.E.V. zu beauftragen, als Erwiderung eine Erklärung in folgendem Sinne zu veröffentlichen: Wir, die Kollegen des D.E.V. erkennen in dem Artikel des Verbandssekretärs Knospe die verwerflichste und unfruchtbarste Form des politischen und gewerkschaftlichen Kampfes, weil sie darauf hinausgeht, die Gegner zwar persönlich, aber feigerweise nur durch versteckte Andeutungen, ohne Namensnennungen, zu verdächtigen und zu verunglimpfen. Wir lehnen daher diese Kampfesmethode, das berüchtigte Schießen mit vergifteten Pfeilen aus dem Hinterhalt, als unchristlich und unmoralisch ab und erwarten von Knospe, dass er in einer öffentlichen Eisenbahner-Versammlung, die wir auf seinen ausdrücklichen Wunsch zur Fortsetzung der Diskussion baldigst einberufen werden, unter Nennung von Namen seine Anschuldigungen wiederholt. Bevollmächtigter H. Heinze“ (LW)

4. Okt.: „Nachdem bei der Abstimmung sich die Mehrheit der Beteiligten Gewerbetreibenden für die Einführung des Beitrittszwanges erklärt hat, ordne ich hiermit an, dass vom 1. Januar 1920 ab eine Zwangsinnung für das Malerhandwerk in der Stadt Lingen, mit dem Sitz in Lingen und dem Namen ‚Maler-Zwangsinnung in Lingen‘ errichtet wird. Von dem genannten Zeitpunkt ab gehören alle Gewerbetreibenden innerhalb der Stadt Lingen, welche das Malerhandwerk betreiben, der Innung an. Der Magistrat“ (LW)

4. Okt.: „Der Arbeitsausschuss für Kriegsgefangenenheimkehr hat beschlossen, jedem aus der Gefangenschaft heimgekehrten im Stadtbezirk Lingen wohnhaften Kriegsgefangenen eine einmalige außerordentliche Beihilfe von 125 Mark aus den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu gewähren.“ (LW)

8. Okt.: „Die gestrige Gemeindefeier zu Ehren des Herrn Dechanten Scheiermann reihte sich würdig den Einzelversammlungen der verschiedenen Vereinen an. (…) In der Festrede sprach Herr Vikar Schwenne in glänzendem Vortrage über das Verhältnis des katholischen Priesters zum katholischen Volke. (…) Sozialismus ohne Christentum sei (…) noch schlimmerer Kapitalismus als der des vorherigen Jahrhunderts. Der Sozialismus wird im Kapitalismus steckenbleiben, wenn nicht von den Priestern immer wieder betont werde das Programm Jesu Christi von der helfenden Nächstenliebe.“ (LV)

9. Okt.: „Ein Großfeuer, dessen Entstehungsursache leider in völligem Dunkel liegt, brach letzte Nacht in dem Lagerhaus des Kaufmanns F. Hackmann, hier aus. Das Lager wird z. Zt. von der städtischen Lebensmittelverkaufsstelle benutzt. (…) Der Schaden ist nicht übersehbar und nur zum kleinen Teile durch Versicherung gedeckt. Auch die Stadt dürfte einige Verluste an Lebensmittelvorräten zu beklagen haben, wenngleich das Wertvollste restlos gerettet worden ist. Gestohlen wurde ganz entsetzlich. Den Begriff Mein und Dein müssen manche Menschen bei solchen Gelegenheiten völlig verloren haben.“ (LW)

18. Okt.: „Lingen, 13. Okt. Heute fand hier im Heegerschen Saale eine sehr stark besuchte Vorstands- und Ausschussversammlung des Kreisbauern-Vereins statt. (…) Nachfolgende Entschließung wurde mit annähernd 140 gegen 4 Stimmen angenommen. ‚(…) Wir sehen für den Kreis Lingen ganz allein in dem im April d. J. gegründeten Kreisbauern-Verein, der dem Westfälischen Bauernverein angeschlossen ist, unsere wirtschaftspolitische Vertretung nach außen. (…) Für uns kommt nur ein auf christlicher Grundlage aufgebauter Bauernverein in Frage und kein alles in sich aufnehmender Landbund‘.“ (LV)

23. Okt.: „Bekanntmachung. Die Beförderungspreise für den Personen- und Güterverkehr auf unserer Bahn sind durch Beschluss des Aufsichtsrats ab 1. November dss. Js. um 25% erhöht. (…) Lingen, den 21. Oktober 1919. Kleinbahn Lingen-Berge-Quakenbrück“ (LW)

25. Okt.: „Die Knappheit an Trinkbranntwein hat das Entstehen zahlreicher Geheimbrennereien und einen erheblichen Branntweinschmuggel zur Folge gehabt. Für solche Personen, die derartige Vergehen aufgedeckt oder durch ihre Angaben die Aufdeckung ermöglicht haben, sind von der Branntweinmonopolverwaltung größere Mittel für Belohnungen zur Verfügung gestellt. Hauptzollamt.“ (LW)

30. Okt.: „Einführung unseres neuen Bürgermeisters in sein Amt. Am Dienstagmittag um 1 Uhr wurde unser neuer Bürgermeister, Herr Kühne, in Anwesenheit beider städtischen Kollegien, der städtischen Beamten und Angestellten sowie einigen geladenen Gästen durch Herrn Oberregierungsrat Dr. Schneider als Vertreter der Herrn Regierungspräsidenten in sein Amt als Bürgermeister der Stadt Lingen eingeführt. Herr Senator Koke eröffnete die kurze eindrucksvolle Feier als ältester Senator und Vertreter des Bürgermeisters, begrüßte denselben namens des Magistrats und der städtischen Beamten und erteilte dann dem Vertreter des Regierungspräsidenten, Herrn Oberregierungsrat Dr. Schneider das Wort. (…) Herr Bürgermeister Kühne dankte hierauf allen Rednern, entwickelte mit kurzen Worten sein Programm, dessen Höhepunkt darin gipfelte, dass ihm das Wohl der Stadt und seiner Bewohner über alles gehe und dass in der Erreichung dieses Zieles ihn nichts anderes leiten könne als strengste parteilose Sachlichkeit ohne Ansehung der Person. Er verpflichtete sich sodann durch Verlesung der vorgeschriebenen Eidesformel und war damit endgültig in sein Amt eingeführt. Wir heißen das neue Stadtoberhaupt in Lingen herzlich willkommen. Möge es ihn beschieden sein, unsere Stadt, von der es im Sprichwort so treffend heißt: „Keen Düwel will rin, keen Satan wer rut!“ zur vollen Höhe der Entwicklung zu führen.“ (LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems)