veröffentlicht am 06.09.2019

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

September 1919

 
3. Sep.: „Die am Sonntag vormittag 11 ½ Uhr im Saale des Hotel ‚Nave‘ stattgefundene öffentliche Wählerversammlung fand einen überaus starken Zuspruch, sodaß der Saal bis zum letzten Platz gefüllt war. Die Versammlung war vom Arbeiter-Rat einberufen, um Stellung zur Aufhebung des Arbeiter-Rats zu nehmen. Die Behörden, welche zu dieser Versammlung eingeladen waren, waren bis auf den Magistrat alle vertreten. Der Vositzende des Arbeiter-Rates, Herr Uhle, (…) teilte mit, daß das Bürgervorsteher-Kollegium bereits Stellung zur Entziehung der Kosten für den Arbeiterrat genommen hat, den Punkt aber bis auf Weiteren vertagt habe. Gleichzeitig trägt sich der Vorstand des Westfälischen Bauernvereins mit dem Gedanken, beim Kreistag dahin zu wirken, daß die Kosten verweigert werden.“ (LV)

3. Sep.: „Am 29. August hielt der Zweigverein Lingen des Katholischen Frauenbundes Deutschlands seine diesjährige Generalversammlung ab, zu der als auswärtige Rednerin Fräulein Richard aus Osnabrück erschienen war. Im Auftrage des Vorstandes begrüßte Fräulein Eylert die erschienenen Damen und gab einen Überblick über die bisherige Tätigkeit des hiesigen Zweigvereins, der im Jahre 1907 in Lingen gegründet wurde, sich zunächst hauptsächlich charikativen Zwecken zuwandte, mit dem Beginn der neuen Zeit aber auch tatkräftig und anregend auf politischem Gebiete in unserer Stadt hervorgetreten ist. (…) Allgemein erstrebt die Frauenbewegung, die Bildungs- und Berufsmöglichkeiten für die Frauen zu erweitern und der Frau eine bessere Stelle in Staat und Familie zu verschaffen. (…) Der Bund tritt ein für die Heiligkeit der Ehe, für die Ideale des christlichen Familienlebens.“ (LV)

9. Sep.: „Nach wochenlangen Vorbereitungen fand am Sonnabend, den 6. September nachmittags 5 Uhr in einer vom Bürgervorsteherkollegium einberufenen Sitzung die Wahl des neuen Bürgermeisters von Lingen sowie die Neuwahl von 4 Senatoren statt. (…) Bürgervorsteher-Wortführer Hänschen eröffnete und leitete die auch von zahlreichen Einwohnern unserer Stadt besuchte Versammlung. Von 44 eingegangenen Bewerbungen hatte das Kollegium 4 Herren zur engeren Wahl gestellt und zwar die Herren Bürgermeister Kühne - Barth i./P., Stadtsyndikus Roeper – Paderborn, Justizrat Kerckhoff – Metz und Bürgermeister Hasenjäger – Stargard i/P. Von diesen vier Herren konnten sich die Bürgervorsteher leider nicht auf einen Kandidaten, wie man es im Interesse der Stadt eigentlich hätte wünschen müssen, einigen. (…) Bürgervorsteher-Wortführer Hänschen gab namens der Fraktionen der deutschen Volkspartei, der sozialdemokratischen und der demokratischen Partei die Erklärung ab, daß sie sich einstimmig für Herrn Bürgermeister Kühne entschieden hätten. (…) Bürgervorsteher Dr. Stuke befürwortete namens der Zentrumsfraktion die Kandidatur Kerckhoff. (…) Von 24 Stimmen entfielen auf Bürgermeister Kühne 12, auf Justizrat Kerchoff 11, ein Zettel war unbeschrieben. Damit war die Wahl auf Bürgermeister Kühne gefallen.“ (LW)

17. Sep.: „Als Pfarrer von Lingen wurden vom hochwürdigen Herrn Bischof Herr Pastor Gerhard Hilling ernannt. Er ist geboren zu Lathen i.J. 1876, wurde zum Priester gweiht 1904 und ist seit 1912 Pastor in Ottensen; vorher war er Kaplan in Altona.“ (LV)

17. Sep.: „Infolge des Krieges ist in verschiedenen Orten unseres Vaterlandes übertragbare Ruhr eingeschleppt worden und es ist zu befürchten, daß solche Einschleppungen auch weiterhin stattfinden werden. Es ist deshalb doppelte Sorgfalt gegen die Weiterverbreitung der Krankheit geboten. Es ist die Pflicht eines jeden, bei verdächtiger Erkrankung sofort einen Arzt zu Rate zu ziehen. (…) Der Magistrat.“ (LV)

18. Sep.: „Im nächsten Winter wird die Versorgung der Bevölkerung mit Kohlen nur äußerst gering sein und ein großer Mangel an Brennstoffen eintreten. (…) Der Landrat.“ (LW)

20. Sep.: „Am vergangenen Mittwoch hatten sich die kath. Lehrer und Lehrerinnen des Schulbezirkes Lingen im Gesellenhaus versammelt, um von ihrem allverehrten Kreisschulinspektor Dechant Scheiermann Abschied zu nehmen.“ (LV)

20. Sep.: „Wie überall im deutschen Lande, so standen sich auch hier in Lingen im Februar ds. Js. einige Eisenbahner zusammen und gründeten eine Ortsgruppe des Deutschen Eisenbahner-Verbandes. (…) Heute nach siebenmonatiigem Bestehen kann die Ortsgruppe mit Stolz die Zahl von 1700 Mitgliedern angeben. Die Arbeit (…) konnte nun nicht mehr alle ehrenamtlich erledigt werden und wurde deshalb (…) die Anstellung eines Ortsbeamten beschlossen. Am Sonntag, den 14. (…) fand die Wahl statt. Zur Freude aller hatte sich der Vorsitzende, Kollege Hermann Heintze, um die Stellung beworben. Er wurde daher auch einstimmig gewählt.“ (LW)

25. Sep.: „Durch Verfügung des Preußischen Landesgetreideamts (…) ist infolge geringer Ankünfte von Auslandsmehl die angestrebte allgemeine Belieferung der sämtlichen Versorgungsberechtigten mit Rohmehl zur Zeit unmöglich. (…) Der Landrat.“ (LW)

27. Sep.: „Es ist uns gelungen, einige Waggonladungen Papenburger Brenntorf zu beschaffen, welcher an minderbemittelte Kriegsteilnehmer, Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene zum Preise von etwa 7,50 Mark für den Zentner abgegeben werden soll. (…) Städt. Kriegswirtschaftsamt.“ (LV)
 
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Stadtarchiv Lingen