veröffentlicht am 06.07.2018

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Juli 1918

 
4. Juli: „Seit Kriegsbeginn haben die Vaterländischen Frauen-Vereine und Rote-Kreuz-Vereine neben den militärischen Lazaretten überall Vereinslazarette eingerichtet und mit reichen Mitteln ausgestattet, damit in ihnen die Verwundeten und Kranken Heilung finden. Und Lingen hat den Ruhm, eines der größten Vereinslazarette der Provinz zu besitzen. Doch die lange Dauer des Krieges und die verteuerten Lebensverhältnisse haben die Geldmittel der Vereine sehr in Anspruch genommen. Der Herr Regierungspräsident hat daher eine Sammlung zum Besten der Lingener Lazarette in Stadt und Kreis Lingen genehmigt. (…) Am Sonntag, den 7. Juli wird in Lingen eine Straßensammlung und im Laufe der Woche eine Haussammlung in allen Orten des Kreises abgehalten werden.“ (LV)

6. Juli: „Die Brotkarten-Ausgabestelle befindet sich vom Montag, den 8. Juli ab im Hause Markt Nr. 10. Lingen, den 4. Juli 1918. Der Magistrat.“ (LV)

13. Juli: „Wer im Kreise Lingen Tabak verpflanzt, hat dem Zollamte in Lingen bis 15. Juli j. Js. die bepflanzte Fläche nach qm anzumelden.“ (LV)

13. Juli: „Gymnasial-Turn- und Ruder-Verein. Am Sonntag, den 14. ds. Mts., nachmittags 4 ½ Uhr findet auf dem Dortmund-Ems-Kanal zwischen der Möddel- und der Drehbrücke eine große Ruderregatta zwischen dem T.R.V. Lingen, derm S.R.V. ‚Leda‘ Leer und dem S.R.V. Rheine statt. Die hiesige Militär-Kapelle des Ldstr. Inf. Batl. wird auf dem Rennplatz konzertieren. Programme werden daselbst verkauft.“ (LV)

13. Juli: „Die fleischlosen Wochen. Die fleischlosen Wochen in den nächsten Monaten sind jetzt festgelegt worden. Wir werden in den folgenden Wochen ganz auf den Bezug von Fleisch verzichten müssen. 19. bis 25. August, 9. bis 15. September, 29. September bis 6. Oktober und 20. bis 27. Oktober. Die augenblickliche Ration von 250 Gramm Fleisch soll nur noch bis zur zweiten Hälfte des August geliefert werden. Dann tritt die angekündigte Herabsetzung auf 200 Gramm, und zwar für Städte mit über 100.000 Einwohnern in Kraft; die kleineren Städte sollen noch weniger Fleisch erhalten.“ (LW)

16. Juli: „Es ist in letzter Zeit vorgekommen, daß Personen versucht haben, sich durch Abschluß von Verträgen mit Landwirten (…) das Recht der Selbstversorgung insbesondere mit Brotgetreide zu sichern. (…) Der Zulauf von Brotgetreide usw. zur Erlangung oder Erweiterung der Selbstversorgung ist verboten. (…). Der Landrat.“ (LW)

18. Juli: „Wie uns mitgeteilt worden, hat die Stadt Lingen bis jetzt im Gegensatz zu anderen Orten eine ihrer Einwohnerzahl entsprechender Menge von Kleidungsstücken auch nicht annähernd abgeliefert. Indem wir dies aus gegebener Veranlassung zur Kenntnis bringen, weisen wir die Bewohner unserer Stadt auf die wiederholten Veröffentlichungen (hin), (…) daß ein jeder, der einen noch tragbaren Anzug entbehrlich machen kann, denselben möglichst bald bei der hiesigen Altbekleidungsstelle (…) abliefern möge. Der Ablieferer hat Anspruch auf Bezahlung (…). Der Magistrat.“ (LW)

18. Juli: „Einbruchsdiebstahl. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nutzten Einbrecher das schwere Gewitter, um beim Kaufmann H. Tiedemann, hier, einzubrechen. Durch Eindrücken einer Scheibe an der Ladentüre verschafften sie sich Eingang in letzteren und stahlen Waren im Werte von etwa 1000 Mark.“ (LW)

20. Juli: „Schulaufsicht. Dem Herrn Pastor Borgel in Schepsdorf ist die Ortsaufsicht über die katholischen Volksschulen in Schepsdorf, Nordlohne und Darme übertragen worden.“ (LV)

20. Juli: „Lingen, den 13. Juli 1918. Vor dem Verkauf der nachfolgenden Ersatzmittel wird gewarnt. 1. Fleischbrühwürfel ‚Vigor‘, Hersteller unbekannt, sind verfälscht und sehr minderwärtig. (…) 7. Frugola-Süßspeise der Frugola G.m.b.H. Fabrik chem. technische Präparate in Berlin enthält keine Gelatine, sondern tierischen Leim; sie ist verfälscht und minderwertig. (…) 11. Lebomax-Eihilfe ist als Backpulver und zum Ersatz von Ei als Färbemittel brauchbar. Es fehlt etwa 1/5 an dem auf den Papierbeuteln angegebenen Gewicht. Der Landrat.“ (LV)

23. Juli: „Schützt unsere Obstbäume! Wer von Lingen aus die Haselünnerstraße hinauswandert, dem bietet sich ein trauriger Anblick. Fast jeder Obstbaum ist mit einer großen Anzahl weißer Flocken bedeckt. Die Blutlaus vermehrt sich in großartiger Weise. (…) Wie verlautet, soll der Landstraßenaufseher für die Haselünnerstraße eingezogen sein, sodaß die vielen schönen Obstbäume jetzt schutzlos der Blutlaus ausgeliefert worden sind. (…). Das sind die bösen Buben nicht genug, daß mit Knüppeln die Aepfel heruntergeworfen werden, sondern diese Burschen steigen frech auf die Bäume und pflücken die jetzt noch total unreifen Aepfel ab.“ (LW)

24. Juli: „In der kath. Stadtschule kann, da Dienstag alle zur Verfügung stehenden Trockenräume bereits überfüllt wurden, in dieser Woche kein Frischlaub mehr angenommen werden. Es sei darauf hingewiesen, daß manche Laubarten beim Einsammeln nur lose in Säcke geschüttet werden dürfen, da die, zusammengepreßt, schon nach kurzer Zeit warm, mißfarbig und wertlos werden.“ (LV)

24. Juli: „Die Geschäftsräume des Königlichen Bezirkskommandos in Lingen sind am 20. Juli 1918 von der Schwedenschanze nach der Gymnasialstraße verlegt. Königliches Bezirkskommando Lingen“ (LV)

24. Juli: „Klub der Kriegsteilnehmer Lingen und Umgegend. Am Sonnabend, den 28. Juli abends 8 Uhr findet im Lokale des Herrn Gronemeyer die Jahres-Generalversammlung statt.“ (LV)

31. Juli: „Am 25. und 26. Juli hatte der Kriegsinvalide Wilhelm Kamping aus Berge Streckendienst von Lingen nach Leschede. Kurz vor dem Wärterposten 185 in Darme bemerkte er drei kriegsgefangene Russen, die bei seinem Herankommen schnell flüchteten. Zwei entkamen im Gehölz; der dritte wurde zur Wache bei Hanekenfähr gebracht. Die drei Flüchtlinge waren aus dem Dülmener Gefangenenlager entflohen.“ (LV) 

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Stadtarchiv Lingen