veröffentlicht am 05.12.2017

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Dezember 1917

 
1. Dez.: „Das Privat-Personenfuhrwerk Lingen-Plantlünne geht vom 1. Dezember d. Js. ab ein.“ (LV)

1. Dez.: „Das Pferd des Kaufmannes August Klukkert, (…) ist an Räude erkrankt. Der Magistrat.“ (LV)

5. Dez.: „Sollte bei der heutigen Volkszählung ein hiesiger Haushalt oder Einwohner versehentlich nicht mitgezählt sein, ersuchen wir darüber im Magistratsbüro (…) sogleich Nachricht geben zu wollen. Da von dieser Volkszählung die Mehl- und Brotzuteilung abhängt, ist die Berichtigung eines etwaigen Fehlers unbedingt erforderlich. Der Magistrat.“ (LV)

5. Dez.: „Der Unterhaltungsabend zum Besten der Weihnachtsliebesgaben für unsere kämpfenden Truppen hatte sich eines außerordentlich lebhaften Besuches zu erfreuen. Beide Säle des Heeger’schen Gasthofes waren bis auf den letzten Platz gefüllt. (…) Wie wir nachträglich erfahren, entsprach dem künstlerischen Erfolg auch der klingende: etwa 960 Mark wurden eingenommen. Manchem braven Feldgrauen da draußen wird damit eine Weihnachtsfreude bereitet werden können.“ (LW)

8. Dez.: „Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß am Dienstag nächster Woche die Haarsammlung stattfinden wird. Man bittet, das in Tüten gesammelte Haar bereit zu halten.“ (LV)

8. Dez.: „Neue Fünfmarkscheine gelangen zurzeit zur Ausgabe. (…) Das Druckbild der Vorderseite zerfällt in 2 Hauptteile, von denen der linke die Ausschrift, der rechte Verzierungen mit einem sinnbildlichen Frauenkopf enthält. Die Rückseite zeigt einen Unterdruck in blauen und grünen Tönen. Im Mittelpunkt steht die deutsche Kaiserkrone.“ (LV)

15. Dez.: „An unsere Leser. Mit der Länge des Krieges ist das Zeitungsgewerbe infolge der fortschreitenden Preissteigerungen und Herstellungsschwierigkeiten in eine immer bedrängtere Lage geraten. Die Verleger (…) sehen sich daher gezwungen, die (…) Aufwendungen für Herstellung und Lieferung der Zeitung durch Erhöhung der Bezugspreise und der Anzeigenpreise sowie durch Beschränkung der Anzeigenrabatte auszugleichen. (…) Hochachtungsvoll Lingener Volksbote. Lingensches Wochenblatt.“ (LV)

19. Dez.: „Ein Mahnwort an alle Hausfrauen! Zur Herstellung einer einzigen Weinflasche bedarf es ungefähr 1 ½ kg Kohle. Tausende von Glasflaschen sind bislang in leichtsinniger Weise zertrümmert worden; unzählige liegen noch in Kellern und auf Böden unbenutzt umher. Durch die Rückgabe der leeren Flaschen werden Kohlen in großen Mengen gespart. Leere Flaschen müssen deshalb in Zukunft sorgfältig gesammelt und vor Bruch geschützt werden. (…) Für die Versorgung unserer Fronttruppen mit Getränken werden Flaschen dringend gebraucht. Unsere Schulkinder werden nach den Weihnachtsferien von Haus zu Haus gehen und alle irgendwie entbehrlichen Flaschen und Gläser sammeln. (…) Ortsausschuß für Sammel- und Helferdienste.“ (LV)

22. Dez.: „Eine Weihnachtsreise ist bei dem Winters-Regiment, der Kohleknappheit und möglichen Zugverspätungen wirklich keine Annehmlichkeit, die durch eine unterwegs geholte Erkältungskrankheit noch verschlimmert werden kann. Daran sei nochmal erinnert, besonders wo Kinder mitgenommen werden sollen.“ (LW)

22. Dez.: „Die Waldbesitzer werden darauf hingewiesen, daß das Sammeln der Waldfrüchte, insbesondere Eicheln und Kastanien, von sehr großer Bedeutung ist. (…) Der komm. Landrat.“ (LW)

22. Dez.: „Zum vierten Mal nun umbraust die heiligen Tage des Christfestes das grausige Toben des Weltkrieges. (…) Ganze Völker, des Streitens müde, drängen sich zur Krippe und der Schrei ihrer Not und ihrer unüberwindlichen Sehnsucht lautet: Friede, Friede! (…) Seinem Berufe als Stellvertreter Christi getreu, ermahnte Papst Benedikt XV. die Völker in ergreifender väterlicher Art zur Aufgabe des vernichtenden Krieges. (…) Und dann kam die große Revolution in Rußland, (…) das Volk war der Knechtung und Aussaugung für fremde Interessen überdrüssig und unter dem Banner des Friedens sammelte sich eine neue Macht, der das Riesenreich sich ergeben mußte. (…) Was is Rußland geschehen, wer weiß, wie bald geschieht es im Süden, Westen und Norden, wo die gleiche Sehnsucht brennt (…). Muß es auch dort erst soweit kommen, wie im Osten, daß der Volkswille sich erst in blutiger Revolutin durchsetzt? Möge Gott unsern Feinden (…) die Augen öffnen.“ (LV)

29. Dez.: „Landwirtstöchter im Alter von 22 bis 28 Jahren, die Lust und Liebe für Landwirtschaft haben, mögen vertrauensvoll ihre Adresse, möglichst mit Bild, an die Geschäftsstelle dieses Blattes abgeben. Verschwiegenheit strengstens zugesichert aber auch verlangt. Vermögen erwünscht.“ (LV)

29. Dez.: „Der Müller Diek in Messingen hat für mehrere Haushaltungen Messingen Korn gemahlen, ohne im Besitz der erforderlichen Mahlkarten zu sein. Ich habe dem Genannten (…) die Selbstversorgung entzogen und die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben. Der komm. Landrat.“ (LW)

29. Dez.: „Nach vielen mir zu Ohren gekommener Klagen betr. Schuhreparaturen habe ich mich veranlaßt gesehen, für den Kreis Lingen eine Kommunale Schuh-Reparaturstätte für die minderbemittelte Bevölkerung einzurichten. Vom 2. Januar ab werden Schuhe zur Wiederherstellung angenommen. Die Annahmestelle befindet sich bei dem Herrn Kaufmann Franz Koch in Lingen, Burgstraße. Der komm. Landrat.“ (LV) 

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Stadtarchiv Lingen