veröffentlicht am 03.09.2014

Zeitungschronik Erster Weltkrieg

 

September 1914


5. September - „Gestern kam der erste Verwundetentransport hier an. Es sind leicht Verwundete deutsche Soldaten, von denen je 26 im Krankenhause und in dem von dem hiesigen Vaterländischen Frauen- und Rote-Kreuz-Verein als Lazarett eingerichteten kath. Gesellenhause untergebracht sind.“ (LV)

6. September - „Für die Kriegsführung ist es von größter Wichtigkeit, dass der Automobilverkehr ungehindert von statten geht. Vielfach ist es vorgekommen, dass Kinder die Automobilfahrer belästigten. Häufig stellten sich die Kinder in Dörfern mitten in die Wege, sprangen im letzten Augenblick zur Seite und beirrten so den Fahrer. Auch suchten Kinder durch Haltezeichen, falsche Richtungsweisung und durch sichtbar gemachte Absicht, mit Gegenständen zu werfen, die Automobilisten irre zu führen. (…) Der Landrat von Lympius“ (LW)

6. September - „Die Bürger der Stadt Lingen werden gebeten, bei größeren Waffenerfolgen unserer Truppen, wie z. B. beim Siege am 1. d. Mts., die Fahnen hinauszuhängen. Von den öffentlichen Gebäuden soll dazu das Zeichen gegeben werden. (…) Nicht tagelang sollen die Fahnen hängen bleiben, denn es ist in der ganzen Welt üblich, die Fahnen bei Sonnenuntergang einzuziehen. (…) Das Königliche Garnisonskommando. Meyer, Major z. D.“ (LW)

9. September - „Bei der Ankunft der verwundeten belgischen Kriegsgefangenen am 6. d. Mts. sind seitens des hiesigen Publikums grobe Ungehörigkeiten vorgekommen. (…) Bestellte Felder und Gärten sind rücksichtslos betreten, Einfriedungen sind durchbrochen worden. Manche Personen haben sogar sich nicht gescheut, durch Tücherschwenken und dergleichen Kundgebungen gegenüber den feindlichen Gefangenen sich eines unwürdigen Betragens schuldig zu machen. (…) Wir erwarten, dass diese Warnung genügt, damit nicht (…) der Gebrauch der Waffen und schwere Strafen zur Anwendung gebracht werden müssen. Lingen, den 7. September 1914. Der Magistrat. Meyer.“ (LW)

13. September - „Das Betreten der Anlagen auf der Wilhelmshöhe außerhalb der für das Publikum umzäunten Fläche und jeglicher Verkehr mit den Verwundeten oder Gefangenen ist aufs strengste verboten. (…) Die Lazarette auf der Wilhelmshöhe, im katholischen Gesellenhause und dem Bonifatiushospitale dürfen nur von den nächsten Angehörigen nach zuvoriger Einholung der Genehmigung in dem Geschäftszimmer besucht werden.“ (LW)

16. September - „Die Einquartierung des z. Zt. hier in Bürger-Quartieren untergebrachten Landsturm-Bataillons soll, das Einverständnis des Bataillons vorausgesetzt, in der Weise geleistet werden, dass die Quartiergeber gegen die für Servies und Naturalverpflegung gewährten Vergütungsbeträge und die Brotlieferung der Einquartierten das Quartier nebst Verpflegung gewähren. Ferner sollen von nun an die Quartiere dünner belegt und von Zeit zu Zeit die Quartiere gewechselt werden.“ (LW)

20. September - „Wir befinden uns jetzt im Besitze einer vollständigen Sammlung der bisher herausgekommenen Verlustlisten. Wer nahe Angehörige im Felde hat, findet Gelegenheit, die Listen täglich nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr im Magistratsbüro (im Erdgeschosse des Stadthauses, erste Tür rechts) einzusehen. (…) Der Magistrat. Meyer“ (LW)

23. September - „In letzter Zeit kann man in hiesiger Gegend bei klarem Sternenhimmel ziemlich deutlich einen Kometen sehen. (…) Bereits in Schillers Wallenstein ist der Volksglau-be erwähnt, daß das Erscheinen eines Kometen einen großen Krieg ankündigen soll.“ (LV)

26. September - „Das erste Eiserne Kreuz im Kreise Lingen. Dem Reserve-Offizier des Oldenb. Dragoner-Regiments Nr. 19 Herrn Grafen Emanuel von Galen zu Beversundern wurde das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.“ (LV)

27. September - „Kontrollversammlung! Es haben zu erscheinen: sämtliche beim diesjährigen Aushebungsgeschäft (Generalmusterung) im Landwehrbezirk Lingen für tauglich I und II erklärten Rekruten. (…) Ausbleiben, Gestellung in angetrunkenem Zustande und verspätetes Erscheinen wird nach Strenge der Militärgesetze unnachsichtlich bestraft. Für die Rekruten des Kreises Lingen findet die Kontrollversammlung statt in Lingen am Sonnabend, den 3. Oktober 1914 vormittags 9 Uhr auf dem Hofraum des Bezirkskommandos.“ (LW)

30. September - „Weidmänner des Kreises Lingen! Morgen beginnt die Hasenjagd. Uns Weidmännern ist damit eine günstige Gelegenheit geboten, unsere Opferfreudigkeit zu betätigen. In den hiesigen Lazaretten liegen ca. 250 Krieger, welche mit Sehnsucht der Heilung ihrer auf den Schlachtfeldern für das Vaterland erlittenen Wunden entgegenharren, um erneut kampfesfreudig an die Front zu eilen und todesmutig Blut und Leben auf den Altar des Vaterlandes zu legen. Ihnen wollen wir unseren Dank zollen, indem wir ihnen unsere erste Jagdbeute freudig opfern. (…) Ein Weidmann“ (LW)

30. September - „Die Konsekration und Inthronisation unseres hochwürdigen Herrn Bischofs Dr. Wilhelm Berning gibt uns Veranlassung, die Namen der 28 in der kath. Pfarrgemeinde Lingen geborenen und noch lebenden Geistlichen zu veröffentlichen. Es sind die Herren: (…) Dr. Wilh. Berning, geboren 26. März 1877, zum Priester geweiht 1900, Bischof von Osnabrück (…)“ (LV)
 
 
Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW) zusammengestellt von Dr. Mirko Crabus, Stadtarchiv Lingen. Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


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