veröffentlicht am 07.02.2020

Zeitungschronik - Lingen vor 100 Jahren

 

Februar 2020

 
3. Feb.: „Die Varietegesellschaft Metropol wird nun ihre Vorstellungen am 7. und 8. Februar im Clublokale geben. Die letzthin angekündigten Vorstellungen konnten bekanntlich wegen der damals drohenden Eisenbahner-Streiks nicht stattfinden.“ (LW)

4. Feb.: „Aus der französischen Gefangenschaft sind als erste hier angekommen: Fritz Erdbrink, Ernst Gahre, Alfred Hanauer und Joseph Kleinschmidt. Ein herzliches Willkommen den Heimgekehrten in der Heimat!“ (LV)

4. Feb.: „Die Kohlennot wird täglich drückender. Die Zahl der vom Reichskommissar für die Kohlenverteilung dem Versorgungsbezirk Lingen zugeteilten Bezugsscheine ist gegen die Sommermonate auf etwa den dritten Teil zurückgegangen. (…) Äußerste Sparsamkeit ist unter diesen Umständen Pflicht eines jeden.“ (LV)

4. Feb.: „Der Krieg ist zu Ende. Die Folgen des Krieges dauern aber in Gestalt von Armut und drückenden Lasten fort. (…) Vergeßt die Kriegerwitwen und Waisen nicht, gedenket der Kriegsbeschädigten! Wir bitten die gesamte Bevölkerung, sich an den am 8. Februar stattfindenden Massenkundgebungen für die Kriegsopfer in Deutschland in Lingen auf dem Marktplatz mittags 11 ½ Uhr zu beteiligen. (…) Kyffhäuser-Bund der Deutschen Landes-Kriegerverbände, Emsländischer Bezirk. Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener, Ortsgruppe Lingen.“ (LV)

10. Feb.: „Unsere Gefangenen kommen! (…) Innerhalb von sechs Wochen vom Friedensschluss ab sollen wir alle wiederhaben. (…) Seid nicht allzu erschüttert ob des Elends, in dem Ihr euer armes Vaterland wiederfindet.“ (LW)

11. Feb.: „Aus der französischen Gefangenschaft sind ferner zurückgekehrt: Ferdinand Büter, Otto Hans, Josef Köhne, Hermann Kuper, Friedrich Rixmann, Heinrich Schütte. Wilh. Klüppel ist wegen Krankheit schon im September 1919 aus einem französischen Lazarett entlassen und nach Deutschland zurückgekehrt.“ (LV)

14. Feb.: „Am Mittwoch nachmittag ist hier eine Abteilung der Reichswehr eingetroffen. Es hängt diese Maßnahme mit dem Ausnahmezustand im Regierungsbezirk Osnabrück zusammen. Ein Anlaß zur Beunruhigung liegt nicht vor.“ (LV)

14. Feb.: An der hiesigen Eisenbahn-Hauptwerkstätte wurden am Mittwoch ca. 400 Arbeiter entlassen. Dieselben erhalten den Lohn bis zum 25. d.M. bezahlt. In Osnabrück sollen lt. Osn. Volksz. über 1000 Arbeiter an der dortigen Hauptwerkstätte entlassen sein.“ (LV)

17. Feb.: „Der Militärbefehlshaber in Lingen gibt folgendes bekannt: (…) Alle Umzüge, die einen politischen oder partei-politischen Charakter tragen oder als Demonstrationszüge gegen erlassene Bestimmungen anzugeben sind, werden verboten. (…) Genehmigt werden können die (…) Versammlungen aller politischer Parteien mit Ausnahme der Kommunisten, Syndikalisten und Anarchisten.“ (LW)

17. Feb.: „Infolge der angeordneten Herabsetzung der Tagesrationen an Mehl auf 200 Gramm werden die Brotmarken für den Kreis Lingen in Zukunft über 2 kg Brot bezw. 1500 Gramm Mehl lauten.“ (LW)

18. Feb.: „Aus der französischen Gefangenschaft sind zurückgekehrt Wilh. Köhne, Heinr. Köster, Heinr. Schoppmeyer, Gerh. Schween, Karl Töppich, Herm. Philipp.“ (LV)

18. Feb.: „Städtische Kollegien v. Lingen, 13. Februar 1920. 1. Stellungnahme zu den Massenentlassungen bei der Eisenbahn. (…) Die städtischen Kollegien (richten) an den Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten die Bitte, um die Not dieser guten Kräfte zu lindern und die Stadt nicht mit den hohen Kosten für die Arbeitslosen zu belasten, nach Möglichkeit wieder einzustellen oder wenigstens in anderer Weise für Arbeitsgelegenheit für die Entlassenen zu sorgen“ (…) 2. Besetzung der Stadt durch Reichswehrtruppen. Da bisher in der Stadt eine mustergültige Ordnung und Ruhe herrschte, so beschlossen die städtischen Kollegien, den Magistrat zu ersuchen, an die Militärbehörde die Bitte zu richten, in der Handhabung des Belagerungs-Zustandes möglichst milde zu verfahren und die Rückziehung der Reichswehrtruppen in Erwägung zu ziehen.“ (LV)

25. Feb.: „Zu den Entlassungen in den Eisenbahnhauptwerkstätten wird uns von der Eisenbahndirektion Münster geschrieben: Die Eisenbahn-Haupt- und Neben-Werkstätten wiesen infolge der erheblichen Ersatzeinstellung von Arbeitern während des Krieges und der Wiedereinstellung der zurückgekehrten Kriegsteilnehmer sämtlich Belegschaften auf, die an Zahl weit über dasjenige Maß hinausgingen, das zu einer wirtschaftlichen Führung des Betriebes erforderlich ist. (…) (Es) hat der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten (…) angeordnet, daß eine Anzahl solcher Werkstätten geschlossen wurde, in anderen – so auch in der Hauptwerkstatt Lingen – die Belegschaft auf die wirtschaftlich notwendige Zahl herabgesetzt werden muß.“ (LV)

24. Feb.: „Aus der französischen Gefangenschaft sind zurück gekehrt Josef Hoffmann und Franz Schomaker.“ (LV)

24. Feb.: „Städtische Kollegien. (…) Das Angebot der Herren Möllmann u. Schatte auf Errichtung eines Elektrizitätswerkes für eigene Rechnung wurde abgelehnt. Der Magistrat wurde beauftragt, wegen Lieferung von Leitungs-Masten aus den fiskalischen Forsten mit der hiesigen Oberförsterei in Verbindung zu treten. (…) Der Vorsitzende teilte mit, daß das Wehrkreiskommando Münster die Bitte der Städtischen Kollegien, die Reichswehrtruppen baldmöglichst von hier abzuberufen, dahin beantwortet habe, daß der Bitte willfahren werden würde, sobald die Stadt die Bildung einer Einwohnerwehr vollzogen habe. Der Magistrat hat bereits einen Wehrberatungsausschuß gebildert, welcher die nötigen Maßregeln zur Gründung der Wehr in die Wege leitet.“ (LV)

28. Feb.: „Vorgestern abend wurde im Hotel Heeger die Einwohnerwehr gegründet. Zum Führer derselben wurde Landmesser Holder-Egger (…) gewählt. (…) Heute nachmittag 5 Uhr findet auf dem Pferdemarkt Waffenempfang statt.“ (LV)

28. Feb.: „Am Freitag morgen 9 Uhr sind die Truppen mittels Extrazuges wieder abgerückt und damit ist von vielen unserer Mitbürger das bedrückende Gefühl genommen, daß es eines Tages doch mal zu Reibereien zwischen Zivil und Militär hätte kommen können. (…) So ist dann auch diese Episode in der Geschichte unserer Stadt vorüber.“ (LW)

Aus dem Lingener Volksboten (LV) und dem Lingenschen Wochenblatt (LW). Die Zeitungen sind einsehbar im Stadtarchiv Lingen, Baccumer Str. 22, 49808 Lingen (Ems). www.stadtarchiv-lingen.de


Fotos v.o.n.u.: Headerfoto Stadt Lingen (Ems), Stadtarchiv Lingen