Veranstalter

Veranstaltungsort
Café am Markt Am Markt 20
49808 Lingen (Ems)
veröffentlicht am 09.02.2012

Theo Lingen und Lingen

 

Ausstellung erinnert an den berühmtesten Nicht-Sohn der Stadt


Als Dr. Andreas Sielemann aus Lingen, heute Zahnarzt in Mainz, noch ein kleiner Junge war, zählte Theo Lingen längst zu den bekanntesten deutschen Bühnen- und Filmschauspieler. Und als im Sommer 1968 in Lingen für die ARD-Fernsehlotterie „Ein Platz an der Sonne“ der Werbespot „Lingen in Lingen“ mit dem Schauspieler gedreht wurde, durfte der damals 12jährige mit seinem Freund Martin Wiegmann als Darsteller bei den Dreharbeiten mitwirken. Hierüber berichtet ab dem 10. Februar die Ausstellung „Theo Lingen in Lingen“ im Cafe am Markt. Darin werden die familiären Beziehungen des Schauspieler Theo Lingen alias Franz Theodor Schmitz zum Haus Am Markt 20 (heute Café am Markt) aufgedeckt.

Theo Lingen, als ernsthafter Bühnen- und Filmschauspieler seit den 30er Jahren geachtet, war dem breiten Publikum vor allem durch seine zahlreichen komischen Rollen bekannt. Beabsichtigt hatte er das keineswegs und nannte sich selber einmal einen „Komiker aus Versehen“. In den 60er Jahren gelangte er durch Kinozoten wie die Pennäler-Streifen der Filmserie „Die Lümmel von der ersten Bank“ noch einmal zu großer Popularität, die durch zahlreiche Auftritte im damals noch neuen Fernsehen begleitet wurde.

Bei einer der 1968 aufgenommenen Filmszenen auf dem Lingener Marktplatz ging es darum, dass die Fernsehlotterie jährlich auch etliche tausend Uhren verloste. Hierzu führte Andreas Sielemann vor laufender Kamera ein kurzes Gespräch mit Theo Lingen, während Martin Wiegmann ihm grinsend eine Armbanduhr entgegenhielt. Die entsprechende Szene wurde damals auch in einem Foto festgehalten, das im Hintergrund das Lingener Rathaus zeigt. Dort trug sich Theo Lingen wenig später in das Goldene Buch der Stadt Lingen ein.

Auch im alten Postamt an der Marienstraße entstanden an diesem Tag Aufnahmen für „Lingen in Lingen“. Hierzu trat Theo Lingen an den Postschalter von Klaus Günther Hafermalz und sprach dort den bedeutungsschweren Satz: „Mit fünf Mark sind Sie dabei.“ Der Postbeamte Heinz-Dieter Landwehr hielt damals die Drehaufnahmen in einer kleinen Fotoserie fest. Auch diese Aufnahmen werden in der Ausstellung präsentiert.

Was Theo Lingen denn nun wirklich mit Lingen verband, war lediglich der Geburtsort seines Vaters, der als Sohn einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie im Jahre 1861 in Lingen das Licht der Welt erblickt hatte. Mit seiner Frau Maria Overzier zog er jedoch kurz vor der Jahrhundertwende nach Hannover, um als Justiziar tätig zu werden. Dort wurde 1903 auch der später Schauspieler unter dem bürgerlichen Namen Franz Theodor Schmitz geboren. Zwar traten in Lingen immer wieder Gerüchte auf, Theo Lingen sei in Wirklichkeit in Lingen zur Welt gekommen und sein Vater habe die Geburt erst ein paar Tage später in Hannover angezeigt. Doch darauf deutet in den amtlichen Dokumenten gar nichts hin.
 
Wie der Schauspieler, der niemals in Lingen gewohnt hat, später auf den Namen Theo Lingen kam, hat er selber bereits 1937 in einem kleinen Beitrag in der Kivelingszeitung unter dem Titel „Eigentlich“ berichtet: „Eigentlich sollte ich wie mein „alter Herr“ Rechtsanwalt werden. Aber dazu verspürte ich wenig Lust. Mit Mühe und Not rutschte ich bis zur Prima durch. Eigentlich hätte ich ja nun zur „alma mater“ gehen müssen, ich aber machte einen Sprung zum Halberstädter Theater. Mein Vater war darob höchlichst empört. So durfte ich unseren guten Familiennamen nicht auf der Bühne führen. Denn eigentlich heiße ich gar nicht Lingen, ich wählte vielmehr als Pseudonym die Geburtsstadt meines Vaters: Lingen an der Ems. Und wenn jetzt mein ziemlich stolzer Vater vielleicht auch gern seinen Namen auf der deutschen Bühne oder im Film prangen sehen möchte, ich bleibe Lingen.“

Die Ausstellung ist im Café am Markt zu den üblichen Öffnungszeiten wird am 10. Februar um 12.00 Uhr eröffnet und ist bis zum 29. April zu sehen. Der Eintritt ist frei. Ab dem 3. März zeigt auch die Kunsthalle Lingen Werke von Hans-Peter Feldmann, die sich künstlerisch mit Theo Lingen auseinandersetzen.